Exkursion der Wiener Hungarologie-StudentInnen im Rahmen des CENTRAL-Projektes nach Berlin

TeilnehmerInnen: Dániel Antalfi, Gabriella Greilinger, Eva Herter, Bettina Planitz

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  1. November 2016

 Am Dienstag zu Mittag ging es für uns los nach Berlin, um dort an einem Treffen mit anderen Hungarologie-StudentInnen, sowie einer Konferenz zur 100-Jahr-Feier des hungarologischen Instituts der Humboldt Universität teilzunehmen. Neben uns vier Studenten aus Wien waren natürlich die Studenten aus Berlin, aber auch welche aus Prag, Warschau und Budapest dort.

Am ersten Abend, nachdem wir im Hostel angekommen sind, das zentral, ca. 5 Minuten vom Herzen Berlins, dem Alexanderplatz gelegen ist, mussten wir auch schon wieder los, um die anderen Hungarologie-Studenten und den Lektor für Ungarisch, Tamás Görbe, zu treffen.

Neben gutem deutschen Bier und leckerem Essen haben wir einen Teil der Studenten schon einmal kennenlernen können und den Abend angenehm ausklingen lassen.

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  1. November 2016

 Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh auf, da wir am Institut für Hungarologie der Humboldt Universität zu einem gemeinsamen Frühstück empfangen wurden.

Dort haben wir dann auch die anderen Studenten, die am Vorabend nicht dabei waren, kennen gelernt. Uns wurde außerdem das Institut vorgestellt und erklärt, wie das Studium in Berlin aufgebaut ist. Dann haben auch wir Studenten aus den andern Ländern erzählt, wie das Hungarologie Studium bei uns aufgebaut ist. Dabei haben sich ein paar Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterscheide gezeigt.

Danach sind wir auf unsere erste Stadttour gegangen, die von Berliner Studenten organisiert wurden.

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Am Abend wurden wir alle im Collegium Hungaricum empfangen. Nach einer Führung durch das Haus wurde der ungarische Film „Tiszta szívvel“ (Regie: Attila Till) gezeigt.

Im Anschluss haben wir mit den anderen Studenten noch beschlossen, das Berliner Nachtleben zu erkunden.

  1. November 2016

 Donnerstag Vormittag haben wie uns wieder mit den anderen getroffen und sind gemeinsam zur East Side Gallery gegangen, bzw. diese ein Stück entlanggegangen. Die East Side Gallery ist ein Stück der Berliner Mauer, auf der man die Arbeiten von Künstlern auf Teilen der ehemaligen Mauer betrachten kann.

Leider hatten wir hier aber kein Glück mit dem Wetter und schon nach kurzer Zeit waren die meisten von uns komplett durchnässt.

Nach einer kurzen Mittagspause sind wir auch schon weitergegangen ins nächste Viertel „Friedrichshain“, DIE Partymeile Berlins mit verschiedensten Clubs und Bars.

Von dort aus war es nicht mehr weit zum „Café Szimpla“, ein nettes kleines Kaffeehaus/Bistro wo wir uns bekannte, typisch ungarische Gerichte auf der Speisekarte fanden.

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Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen sind wir schon weitergefahren zur nächsten Sightseeing-Tour, die uns mitten durch Berlin geführt hat.

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  1. November 2016

 Freitag Vormittag wurden uns Wohnhausanlagen in der Nähe der Siegessäule gezeigt und wir stiegen auf eine Dachterrasse, von wo aus wir einen tollen Blick über ganz Berlin hatten.

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Nach der Führung hatten wir wieder etwas Zeit, uns selbst etwas anzuschauen, also sind wir zu viert los und haben die Hackeschen Höfe besucht, die am Hackeschen Markt liegen, und eine super Gelegenheit für uns boten, ein paar Souvenirs zu kaufen.

Als wir damit fertig waren hatten wir nach dem vielen Gehen natürlich wieder Hunger, und da man nicht aus Berlin zurückkommen kann ohne einmal Currywurst mit Pommes gegessen zu haben, haben wir uns eine Curry-Bude in der Nähe gesucht, um uns zu stärken.

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Am Nachmittag hat auch schon die Konferenz anlässlich der 100-Jahr-Feier des Instituts für Hungarologie im Collegium Hungaricum begonnen.

Viele ausländische, aber auch Berliner Professoren haben Vorträge gehalten, auch unser Institut war durch einen Vortrag von Frau Professor Seidler über Georg Lukács vertreten.

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Im Anschluss an die Vorträge wurden alle Studenten noch zu einem Empfang in der ungarischen Botschaft erwartet, wo wir den Abend mit gutem ungarischen Essen und Wein ausklingen ließen.

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Nach dem Empfang beschlossen wir, mit den anderen Studenten noch einmal loszuziehen, das Berliner Nachtleben zu erkunden. Diesmal sind wir zurück nach Friedrichshain gegangen, wo wir zwei Tage zuvor schon einmal tagsüber waren.

  1. November 2016

Vormittags sind wir noch einmal zum Collegium Hungaricum gefahren, da die Konferenz fortgesetzt wurde.

Danach sind wir zu viert zum berühmten Checkpoint Charlie gefahren, dem ehemaligen Grenzübergang im geteilten Berlin.

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Danach sind wir alle noch einmal alleine losgezogen, damit jeder noch das ansehen konnte, was er oder sie wollte.

  1. November 2016

 An unserem letzten Tag in Berlin, bevor es am Abend heim ging, haben wir uns noch das Reichstagsgebäude angesehen, wo wir auch eine Führung gebucht hatten, bei der uns alles über die Abläufe im Reichstag sowie über das Gebäude selbst erklärt wurde.

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In der Glaskuppel, die ebenfalls Teil der Führung war, konnte man ganz hinaufmarschieren, von wo aus man wieder einen tollen Blick über ganz Berlin hatte.

Nachher sind wir hinüber zum Brandenburger Tor marschiert, durch das man jetzt, nachdem Präsident Obama, der zur gleichen Zeit Berlin besuchte, wieder weggefahren ist, problemlos durchgehen konnte. Nach einer kleinen Stärkung im Café Einstein, das wir für uns in Berlin entdeckt haben, sind wir zu Alten Synagoge weiter gegangen, bevor wir schon zurück zum Hostel mussten, um unsere Koffer zu holen.

Dann ging es für uns, durch eine Menge an Erfahrungen und Eindrücken reicher, wieder zurück nach Wien.

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Hiermit möchten wir uns für die Berliner Gastfreundschaft und die Organisation durch Herrn Tamás Görbe und Frau Dr. Rita Hegedűs als auch bei den Studierenden der Berliner Hungarologie bedanken.

Gabriella Greilinger

 

CIFU: Geschichte und Zukunft, mit Wien-Bezug!

Die internationalen Finnougristenkongresse, Congressus Internationalis Fenno-Ugristarum (nicht mit den “Kulturkongressen” der finnougrischen Völker, so wie 2012 in Siófok und demnächst, 2016, in Lahti, zu verwechseln) stellen das größte und wichtigste wissenschaftliche Begegnungsforum der Finnougristik dar.

Der erste Kongress in Budapest 1960 wurde zur Zeit des kalten Krieges und nur vier Jahre nach dem tragisch beendeten Aufstand organisiert. Damals waren wissenschaftliche Begegnungen zwischen ForscherInnen aus Ost und West noch etwas Seltenes und Wertvolles, und die Kongresse erfüllten neben ihrer wissenschaftlichen Funktion auch eine verdeckte ethnopolitische: Sie gehörten zu den ganz wenigen Kontexten, wo ethnokulturelle “finnougrische” Identitätsfragen öffentlich behandelt werden konnten. Zusammengerufen wurden die Kongresse von einem internationalen inoffiziellen Gremium von anerkannten und einflussreichen Finnougristen; eine “International Society of…”, wie in den meisten Wissenschaftsdisziplinen heute üblich, wäre in der damaligen, vom Eisernen Vorhang geteilten Welt wohl politisch unmöglich gewesen.

Seitdem werden die CIFUs in Fünfjahrestakt und abwechselnd in den “finnougrischen Ländern” organisiert, zuerst im Dreiersystem (Ungarn – Finnland – Sowjetunion), nach dem Zerfall der Sowjetunion kam Estland als Viertes dazu. Dem ersten Kongress folgten Kongresse in Helsinki 1965, in Tallinn (damals Sowjetunion) 1970, dann wieder in Budapest 1975, Turku 1980, in Syktywkar in der damaligen Sowjetrepublik Komi 1985, in Debrecen 1990, in Jyväskylä 1995, in Tartu im mittlerweile wieder unabhängigen Estland in 2000, in Joschkar-Ola, Hauptstadt der Mari in 2005, und in Piliscsaba 2010. Heuer war Finnland an der Reihe, und die Wahl fiel an Oulu, wo zwar keine „Finnougristik“ unter diesem Namen unterrichtet wird, dafür aber Saamisch eine zentrale Rolle spielt. An der Universität Oulu gibt es ein gesondertes Zentrum für saamische Sprache und Kultur, mit zwei Professuren und einer landesweiten Verantwortung für Forschung und Unterricht, z.B. für die Ausbildung von LehrerInnen des Saamischen. Außerdem arbeiten am Institut für Finnisch auch solche ForscherInnen, die sich neben Finnisch auch für die „kleinen“ finnougrischen Sprachen oder – so wie Professor Harri Mantila, Präsident des heurigen CIFU – für Ungarisch interessieren.

Die Universität Oulu, wo am Montag fast 400 KongressteilnehmerInnen aus 21 Ländern ankamen, funktioniert fast ausschließlich am Campus Linnainmaa, mehrere Kilometer von der Stadtmitte entfernt, mitten im Wald.

Im modernistischen Riesengebäudekomplex im Stil der 1970er Jahre konnte man sich besonders in den ersten Tagen gut verlaufen – und es war nicht immer ganz einfach, den Weg zwischen den 5–10 parallelen Sektionen und Symposien zu finden. Oder überhaupt sich zwischen den thematisch vielfältigen Vorträgen zu entscheiden. Das ganze Programm kann man sich von der Website des Kongresses herunterladen, unter “Latest news” gibt es auch Photos von den Kongresstagen.

Auch unser Institut nahm am Kongress aktiv teil:

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Károly Kókai über ungarische Migrantenautoren, am Symposium „Multilingualism and Multiculturalism in Finno-Ugric Literatures“, organisiert von Johanna Domokos und Johanna Laakso

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Mikko Kajander über Existentialsätze von Finnischlernenden, am Symposium „VIRSU: Finno-Ugric Target Languages“, organisiert von Pirkko Muikku-Werner und Johanna Laakso

Bei der Sitzung des internationalen Organisationskommittees wurde dann Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal entschied das Kommittee, den Kongress in einem “nichtfinnougrischen” Land zu veranstalten, und im Jahre 2020 wird sich Wien für einige Tage in die Hauptstadt der internationalen Finnougristik verwandeln. Dies bedeutet natürlich eine große Anerkennung, eine große Ehre und eine Riesenherausforderung für unser kleines Institut. Statt weiterer Erklärungen zitiere ich hier einfach die Rede, die ich bei der Abschlusszeremonie hielt:

Kiitos Harri, kiitos kaikki oululaiset!
Dear colleagues, дорогие коллеги!
We have seen a wonderful, expertly organized congress, with many interesting presentations and an impressive cultural programme, the kind of which we probably will not be able to offer in Vienna. Above all, this congress has been an important step in the direction in which we would like to proceed: away from the stereotypes of national ethnopolitics and romantic clichés of Finno-Ugrianness, towards stronger communication within the international research community inside and outside the traditional fields of Finno-Ugric studies, celebrating diversity and polyphony while really focusing on research and its international standards.
CIFU 13 will take place in Vienna, the city of Maximilian Hell, the astronomer whose idea it was to invite the Hungarian János Sajnovics to an expedition to the Far North, to find out about the relationship between Sámi and Hungarian. (The rest is history.) Vienna is a multicultural city, also characterized by the geographic proximity and centuries-old presence of a major Finno-Ugric language. Choosing Vienna as the location of the next CIFU means recognizing the work in the field of Finno-Ugric studies also done by non-Finno-Ugric people and institutions. It means focusing on the truly international character of Finno-Ugric studies, it calls for openness, international dialogue and international standards of research.
Дорогие коллеги, мы все очень благодарны нашим коллегам в Оулу за организацию этого прекрасного конгресса. Мы надеемся, что и следующий конгресс в Вене сможет удержать научный уровень на той же высоте.
Szeretettel várunk mindenkit Bécsbe! Herzlich willkommen in Wien!

Ausblick: Gäste und neue Lehrende im Sommersemester 2015

Johanna Laakso

 

Diese Geschichte hat einen traurigen Anfang und, hoffentlich, ein etwas optimistischeres Ende.

Seit 2003 hat die Wiener Finno-Ugristik in jedem zweiten Semester eine/n GastprofessorIn aus Finnland bekommen (die Liste von allen bisherigen GastprofessorInnen steht auf der Abteilungshomepage). Nach der Pensionierung unserer langjährigen Finnischlektorin Anja-Leena Holtari, die sich gerne auf die Literaturwissenschaft konzentriert hatte, und mit der Einführung von neuen Curricula wurde die Arbeitsteilung so umgestellt, dass die GastprofessorInnen für den Unterricht der finnischen Literaturwissenschaft zuständig sind; auf ihrer Verantwortung sind vor allem die letzten Lehrveranstaltungen des BA-Curriculums, wo unsere BA-Studierende der Fennistik noch eine Vorstellung davon bekommen können, was die finnische Literaturwissenschaft heute bedeutet. Das System wurde gemeinsam von der Universität Wien und vom CIMO (Centre for International Mobility am finnischen Unterrichtsministerium) finanziert und funktionierte reibungslos und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten, bis…

… im vorigen Studienjahr das Finanzierungsmodell des CIMO plötzlich geändert wurde. Wie überall in Europa, muss auch in Finnland gespart werden, und wie wir von CIMO erfahren haben, sollten jetzt die weniger werdenden Gelder an möglichst viele ausländische Partnerinstitutionen verteilt werden – und anstatt der längerfristigen oder dauernden, schon bewährten Kooperationen soll das CIMO jetzt Innovationen, neue Anfänge und kürzerfristige Projekte fördern. Trotz mehrerer Versuche gelang es uns nicht, mit einem Neuantrag zumindest eine kleinere Projektförderung zumindest für die folgenden zwei Jahre zu gewinnen. Für dieses Studienjahr haben wir noch eine Gastprofessur von der Universität Wien finanziert bekommen. Was danach folgen wird, wissen wir noch nicht. Wir können nur hoffen, dass bei den Zielvereinbarungsverhandlungen die Universitätsleitung versteht, wie wichtig die Gastprofessur für uns ist – vor allem, weil in Wien keine qualifizierten finnischen LiteraturwissenschaftlerInnen frei herumlaufen, die man für einen Lehrauftrag anstellen könnte.

In diesem Sommersemester wird also noch eine Gastprofessorin aus Finnland zu uns kommen.

Frau Dr. Tiina Käkelä-Puumala ist eine Literaturwissenschaftlerin, die u.a. an der Universität Helsinki unterrichtet hat. Sie hat besonders das Verhältnis zwischen Wirtschaft, Geld und Literatur erforscht, aber in ihren Publikationen (s. Forschungsdatenbank der Universität Helsinki) behandelt sie auch solche Themen wie Gefühle und Tod in der Literatur. Gemeinsam mit Outi Alanko hat sie ein Handbuch über die Grundbegriffe der Literaturwissenschaft herausgegeben.

 

Außerdem bekommen wir zwei kürzerfristige Gäste aus Finnland, deren Aufenthalte und Blocklehrveranstaltungen teilweise vom CIMO finanziert werden. (Frau Prof. Ruotsala hätte eigentlich hätte uns schon im Herbst besuchen sollen, aber die Lehrveranstaltung musste krankheitshalber abgesagt werden.)

 

Frau Dr. Riitta Oittinen, Lektorin am Institut für Sprach-, Übersetzungs- und Literaturwissenschaften der Universität Tampere ist Spezialistin des multimodalen Übersetzens sowie des Übersetzens von Kinderliteratur. Sie ist auch selbst Übersetzerin und Künstlerin (auf ihrer Homepage, die leider nicht mehr ganz frisch ist, nennt sie sich kuvantekijä, ‘Bildermacherin’), hat Kinderliteratur illustriert und Animationsfilme für Kinder gemacht. Bei uns wird sie eine Blocklehrveranstaltung halten, deren Arbeitstitel vorerst Kuvakirja kääntäjän kädessä ‘Ein Bilderbuch in der Hand des Übersetzers’ lautet.

 

Frau Prof. Dr. Helena Ruotsala ist Professorin für Ethnologie an der Universität Turku. Zu ihren Forschungsinteressen gehören u.a. die Umwelt im Norden und deren Änderungen, Rentierzucht und Tourismus im Hohen Norden, Ethnopolitik und Identitätsfragen. Sie hat mehrere Projekte geleitet, z.B. das Forschungsnetzwerk Gendered Rural Spaces, dessen Forschungsergebnisse in Buchform im 2010 erschienen sind, und das Projekt Rajalla (‘An der Grenze’), wo die Konstruktion von Identitäten und der grenzenüberschreitende Alltag von Menschen in den Zwillingstädten Tornio-Haparanda an der finnisch-schwedischen Grenze erforscht wurden. Gemeinsam mit Doz. Ildikó Lehtinen aus Helsinki hat sie den Alltag der Frauen in ethnischen Minderheitengemeinschaften erforscht; auf den Ergebnissen von Feldforschungen in Mari El basiert der von Ildikó Lehtinen herausgegebene Sammelband ‘Die Töchter des Weißen Gottes’, der 2009 auf Marisch und Finnisch erschien. Über ihren Alltag, ihre Arbeit und ihre Forschungsreisen bloggt sie unter dem Titel „Serendipity“ (http://serendipitybyanethnologist-helena.blogspot.co.at/). Ihre Blocklehrveranstaltung, „Aktuelle Blickwinkel auf die Kulturforschung in Finnland“, wird sich um die ethnologische Erforschung der finnischen Kultur handeln, jenseits der Stereotypien von Schweigsamkeit, Trinksucht und Tangos.

 

Und zu guter Letzt: Da uns heuer überraschenderweise etwas Spielraum mit den Lehraufträgen blieb, werden wir im Sommersemester eine ziemlich einzigartige Lehrveranstaltung anbieten können, mit dem Titel Wer spricht welche Sprache mit wem in der Europäischen Union? Die Lehrbeauftragte, Frau Mag. Katja Jääskeläinen, wohnhaft in Wien und als professionelle Übersetzerin und Dolmetscherin bei ScanLang tätig, arbeitete einige Jahre lang in Brüssel im Rahmen eines Sprachprojekts und wird in diesem Kurs verschiedene Fragen von finnougrischen und anderen „kleinen“ Sprachen in der EU behandeln.

Georg Lukács revisited: Gedanken zur möglichen Aktualisierung der philosophischen und politischen Konzepte eines der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts.

Andrea Seidler

 

Am 2. und 3. Dezember 2014 veranstalteten MitarbeiterInnen unserer Abteilung (siehe dazu das neu gegründete Forschungsforum Georg Lukács im Kontext: http://georg-lukacs.univie.ac.at) gemeinsam mit der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und dem Balassi Institut Collegium Hungaricum eine Tagung zum Thema Nachlässe ungarischer Philosophen und Theoretiker des 20. Jahrhunderts und deren philologische Bearbeitung (Georg Lukács im Fokus der Forschung).

Unter internationaler Beteiligung wurden in erster Linie zwei wissenschaftliche Fragenkomplexe erörtert: die erste behandelte den Nachlass des Philosophen, seinen Briefwechsel mit bedeutenden Zeitgenossen wie Ernst Bloch, Béla Balázs uvm., der im Budapester Georg Lukács Archiv verwahrt wird, und dessen Bestände unsere ForscherInnengruppe derzeit aufarbeitet. Die zweite bezog sich auf Georg Lukács als einen die europäische Linke prägenden Denker des 20. Jahrhunderts, der in Ungarn selbst äußerst kontroversiell – vor allem von einem politischen Blickwinkel aus – diskutiert wird, im angelsächsischem Raum und in Italien allerdings auf wesentlich pragmatischere analytische Annäherungsweisen trifft.

Die Gäste der Konferenz waren neben zahlreichen VertreterInnen des Georg Lukács Archives in Budapest unter anderem die Philosophin Agnes Heller, selbst in ihrer frühen Phase Schülerin und enge Vertraute von Lukács sowie Mauro Ponzi aus Rom/Italien. Ponzi analysierte den Einfluss der Philosophie von Karl Marx auf die europäischen linken Denker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, während Heller über mögliche Lesarten des Lukács’schen Werkes in unserer Zeit sprach.

Die Wiener Kollegen sprachen über die Verbindungen, die Georg Lukács zu in Wien lebenden Philosophen, Journalisten und Politikern über Jahrzehnte aufrecht erhielt. Es waren dies vor allem Ernst Fischer, Günther Anders und Günther Nenning, deren Briefwechsel mit Lukács eben auf ihre Bearbeitung warten.

Die Tagung stand auch in enger Verbindung mit der Lehre an unserer Abteilung: Studierende nehmen im WS 2014/15 an einem Projektpraktikum teil, das die Aufarbeitung der Briefe Georg Lukács’ in einer gezielten Auswahl zum Thema hat. Dazu wurde im November auch eine dreitägige Exkursion nach Budapest veranstaltet, die der Gruppe die Möglichkeit bot, mit original Handschriften zu arbeiten und grundsätzlich umfassenden Einblick in die Tätigkeit von Archivaren zu bekommen.

Mehr dazu demnächst, wenn die Plattform der Studierenden, die gerade im Entstehen ist, präsentiert wird.

All diejenigen, die sich für unseren Forschungsschwerpunkt interessieren:

Kontakt Andrea.seidler@univie.ac.at, Wolfgang.Mueller-Funk@univie.ac.at, Erika.regner@univie.ac.at oder Zsuzsa.Gati@univie.ac.at,

Siehe auch unsere homepage http://Georg-Lukacs.univie.ac.at

sowie den Programmfolder der Veranstaltung http://georg-lukacs.univie.ac.at/uploads/media/Lukács_Tagung_Program_Final.pdf

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Indien und Korea als wissenschaftliche Kooperationspartner der Wiener Finno-Ugristik. Ein Bericht.

von Andrea Seidler

Im Rahmen zahlreicher Abkommen der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien ist auch die Abteilung für Finno-Ugristik aktiver Partner in der Kooperation mit ausländischen Universitäten. Ich möchte hier zwei enge Partner unserer Abteilung beschreiben, die wir regelmäßig besuchen, dort unterrichten, an deren Konferenzen wir teilnehmen und mit denen wir auch gemeinsam publizieren.

Einer der interessantesten Kooperationspartner ist zweifelsohne die Universität von Pune in Indien. Eine Delegation unserer Fakultät besuchte die Universität das erste Mal im Jahre 2009, zwei weitere Male 2012 und 2014.

Der erste Anlass war eine Tagung über “Language and Identity” im September 2009. Ich hielt dort einen Vortrag über Mehrsprachigkeit im Königreich Ungarn im 18. und 19. Jahrhundert, ein Thema, das in Indien, einem traditionell mehrsprachigen Land (22 offizielle Landessprachen, über 1000 Dialekte) großen Anklang fand.

Die zweite Tagung, zu der wir eingeladen wurden, beschäftigte sich gezielt mit Mehrsprachigkeit als indisches aber auch als europäisches Phänomen. Es ging dabei um die Frage, wie der Subkontinent Indien und die Europäische Union mit der Mehrsprachigkeit in Theorie und Praxis verfährt. Ich hielt einen Vortrag zum Thema „Wem gehört ein Autor?“, in dem ich der Frage nachging, wie ehemals osteuropäische Schriftsteller auf dem deutschen Buchmarkt präsentiert werden und wie viel von ihrer ungarischen Identität als Folge dieses Vermarktungsprozeß übrig bleibt. Auch die Rolle Österreichs, die auf diesem Gebiet an Bedeutung abnimmt und allmählich marginal ist, wurde thematisiert.

Die Vorträge dieser Tagung haben wir 2014 bei der Edition Präsens publiziert.

Im heurigen Frühjahr wurden wir (Prof. Wynfrid Kriegleder, Prof. Franz Patocka, Prof. Wolfgang Müller-Funk) zu einem imposanten Kongress anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Germanistik in Indien eingeladen und hielten in Pune selbst mehrere Vorträge. Ich sprach über literarisches Übersetzen und die Bedeutung Shakespeares in der ungarischen Literatur: „Der politisierte Shakespeare: Übersetzungsstrategien im Dienste politischer Programme in Ungarn“. (Goethe Gesellschaft gemeinsam mit Universität Pune, März 2014)

Von Pune aus reisten wir auf Einladung der Indo-German Society und als persönliche Gäste der indischen Frauenrechtlerin und Germanistin Prof. Pawan Surana nach Jaipur, um dort Vorträge zu zentraleuropäischen Literatur zu halten. Im Rahmen eines workhops ging es der Wiener Gruppe vor allem darum, in der Zuhörerschaft ein Bewusstsein für die österreichische (österreichisch/ungarische) Literaturtradition zu wecken und auf die Unterschiede der zentraleuropäischen und der deutschen Literatur aufmerksam zu machen. Die Frage wurde auch aus linguistischer (Prof. Franz Patocka) wie kulturwissenschaftlicher Sicht erörtert (Prof. Müller-Funk).

Kooperation mit Südkorea

Eine zweite wichtige Kooperation besteht mit der Sungshin Women’s University in Seoul Korea, die wir mittlerweile ebenfalls zwei Mal besucht haben. Die Sungshin University – eine Privatuniversität – wurde 1936 gegründet und lässt im BS Studium ausschließlich Frauen zu. Die MA-Studiengänge können auch von Studenten besucht werden.

Das Erste Mal besuchten wir Sungshin im Jahr 2012 gemeinsam mit Prof. Wynfrid Kriegleder. Wir hielten auch dort vor allem Vorträge zu der Frage einer möglichen Abgrenzung der zentraleuropäischen Literatur sowie über die sprachlichen Verhältnisse in der Habsburger Monarchie des 18. und 19. Jahrhunderts.

Auch die Seoul National University lud uns zu Vorträgen ein.

Wir waren sehr überrascht über das gute Niveau der Diskussion – vor allen in sprachlicher Hinsicht – und über den hohen Grad der Informiertheit über das heutige Zentraleuropa, insbesondere auch über die politische Lage in Ungarn.

Im heurigen November verbrachten wir wieder zehn Tage an verschiedenen koreanischen Universitäten, unter anderem an der Sungshin, der Seoul National aber auch an der Hankuk International University.

Wir sprachen über einige Kapitel aus der österreichischen Literatur, unser Kollege Wolfgang Müller-Funk über Franz Kafka und Thomas Bernhard und auch über ungarische Literatur: ich hielt an der Sungshin University einen Vortrag über ungarische Weltreisende des 19. Jahrhunderts, in erster Linie über Ármin Vámbéry und Sámuel Teleki – vor einem reinen Frauenpublikum… – aber das haben wir an unserer Abteilung auch manchmal.

Die Kooperation mit all diesen Institutionen werden wir auf jeden Fall weiterführen und ich möchte auf diesem Weg auch meine KollegInnen und die Studierenden dazu ermuntern, sich über Europa hinaus zu wagen und Austauschprogramme, die die Universität Wien anzubieten hat, auch zu nützen. Sungshin University schickt seit 2010 Studierende nach Wien – auch umgekehrt besteht die Möglichkeit, sich um einen Studienplatz dort zu bewerben. Das gleiche gilt für die Universität Pune. Diese Universitäten haben zwar keine Finno-Ugrischen Departments, aber bieten jedenfalls philologische Ausbildung auf hohem Niveau an. Die Erfahrungen, die man dort sammelt sind auf jeden Fall äußerst wertvoll und eine wunderbare Ergänzung zum Regel-Universitätsstudium und –betrieb.

Anbei einige Fotos von unseren Vortragsreisen nach Indien und Korea.

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Unser Blog!

Hier entsteht der neue Blog der Wiener Finno-Ugristik.

Unsere MitarbeiterInnen werden hier Berichte, Bilder, Nachrichten usw. posten können – von unseren Veranstaltungen, Festen, Gästen, und was sich immer in der finnisch-ugrischen Sprach-, Literatur- und Kulturforschung tut. Weil ja nicht alle auf Facebook sind…

Zu Beginn noch einige Photos von unserer letzten großen Veranstaltung in diesem Sommersemester: Workshop „Broken narratives als Herausforderung für die interdisziplinäre Erzählforschung“ am 16. Juni 2014, mit Vera und Ansgar Nünning und einer Rekordzahl an TeilnehmerInnen.

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