Exkursion Pécs, 25.-28. Mai 2017

(Dieser Text wurde leider für einige Monate auf dem virtuellen Schreibtisch der Blogeditorin unter verschiedenen anderen Aufgaben virtuell begraben. Aber besser spät denn nie, ami késik, nem múlik! Hier also der Bericht der Gruppe Ungarischer Spracherwerb VI, unter der Leitung von Márta Csire.)

pecs1b

 

26. Mai 2017, Vormittag

Um ca. 9 Uhr gehen wir zur Universität Pécs, und zwar zur Philologischen Fakultät. Dort suchen wir das Seminar für Finno-Ugristik auf.

Wir werden auf das Herzlichste von Frau Dr. Éva Fancsaly empfangen. Sie erzählt uns von der Geschichte des Seminars und den Forschungs- und Unterrichtstätigkeiten der MitarbeiterInnen.

Ein besonders trauriges Ereignis war der Tod des beliebten und bekannten Kollegen Dr. Attila Dobó, der am 19. Juli 2016 erst 61-jährig ganz plötzlich verstorben ist.

Das zweisprachig, deutsch-ungarisch aufgewachsene Sprachtalent konnte unglaublich schnell Sprachen erlernen.
Außer Deutsch und Ungarisch sprach er noch Finnisch, Komi, Udmurtisch, Baschkirisch, Türkisch, Englisch, Russisch, Italienisch usw.

(Die Komi-Sprachen gehören zur permischen Gruppe der uralischen Sprachfamilie. Man unterscheidet Komi-Syrjänisch und Komi-Permjakisch. Udmurtien ist eine Republik im russischen Föderationskreis Wolga, westlich des Uralgebirges. Baschkirisch ist eine westtürkische Sprache.)

 

pecs3b

Am Seminar für Finno-Ugristik mit Éva Fancsaly. Foto Márta Csire

Wir bekommen zwei Bücher geschenkt: „Finnugor rokonságunk“ von Miklós Zsirai und „Finnugor kalauz„, eine Einführung in die finnisch-ugrischen Völker und Kulturen.

Danach besuchen wir das Seminar für Hungarologie und Angewandte Sprachwissenschaft. Wir werden vom Leiter des Seminars Dr. Tibor Szűcs willkommen geheißen. Er erklärt uns die Organisation der Universitäten in Ungarn und deren finanzielle Probleme.

Die Universität in Pécs ist die älteste Ungarns und feiert dieses Jahr ihr 650-jähriges Jubiläum. Sie gliedert sich in zehn Fakultäten (Medizin, Rechts-, Wirtschafts-, und Naturwissenschaften, Technik, Philosophie, Kunst, Pädagogik, Gesundheitswesen und Erwachsenenbildung und Personalentwicklung) mit ca. 30.000 Studenten. Die Philosophische Fakultät ist eine autonome Einrichtung für Bildung, Forschung und das öffentliche wissenschaftliche Leben.

Im Anschluss spazieren wir durch die Innenstadt und besichtigen die beeindruckende Kathedrale. Wir steigen in die Unterkirche hinunter, wo auch der ungarische Renaissance-Humanist und ehemalige Bischof von Pécs, Janus Pannonius (1434–1472) beigesetzt wurde. Danach gehen wir auf den Turm hinauf, von wo wir eine herrliche Aussicht genießen.

pecs4

Die Kathedrale St. Peter und Paul mit Fernsehturm im Hintergrund. Foto: Márta Csire

 

Schließlich geht es zum Mittagessen in ein Selbstbedienungsrestaurant.

Susanna Hoza

Nachmittag

Nach dem Mittagessen, das uns allen sehr gut geschmeckt hat, gehen wir zum Széchenyi tér und lassen uns in der Mecsek cukrászda gegenüber des Dschami des Paschas Gasi Kassim ein köstliches Eis schmecken. Im ehemaligen berühmten Hotel Nádor gibt es im Erdgeschoß eine kleine Galerie, wo moderne Künstler und Studierende der Fakultät für Kunst der Universität ihre Werke präsentieren können. Nun sind wir gestärkt für zwei Museumsbesuche. Die beiden Maler, die wir genauer kennen lernen, sind sehr unterschiedlich. Der eine, Tivadar Csontváry Kosztka, ist bedauerlicherweise in Österreich so gut wie unbekannt, der andere, Victor Vasarely, war international sehr erfolgreich und malte in einem völlig anderen Stil.

Zuerst besuchen wir also das Csontváry Museum, ein kleines, feines Museum, das nur wenige Touristen entdecken, sozusagen ein Geheimtipp in Pécs. So haben wir das Museum ganz für uns alleine. Csontváry lebte von 1853 bis 1919. Die frühesten Zeichnungen zeigen schon sein Talent, trotzdem begann er erst spät, im Alter von einundvierzig Jahren, mit einem intensiven Studium der Malerei, nachdem er zuerst als Apotheker die Basis für seinen Lebensunterhalt gesichert hatte. Die Bilder sind in nur schwach beleuchteten großen Räumen ausgestellt und zeigen seine Entwicklung. Sein Lebensziel war es, a világ legnagyobb napút-festője, nagyobb Raffaelnél – größer als Raffael – zu werden. Er wollte „das helle Licht des Südens“ finden, was ihm in einigen seiner Gemälde durchaus gelang. Am eindrucksvollsten ist in dieser Hinsicht das Bild A magányos cédrus, wo man bei genauerem Hinsehen viele Details erkennen kann, die die symbolische Aussage des Bildes verdeutlichen. Római híd Mosztárban, in leuchtenden Farben naiv-realistisch dargestellt, dokumentiert seine künstlerische Auseinandersetzung mit dieser eindrucksvollen, über 400 Jahre alten Brücke aus der Türkenzeit, die 1993 zerstört wurde, nun aber originalgetreu wieder aufgebaut worden ist und seit 2004 als UNESCO Weltkulturerbe gilt. Berührend und eindringlich blickt uns das Bild des marokkanischen Lehrers, Marokkói tanító an. Einige der Gemälde sind so riesengroß, dass man sich fragt, wie er das gemalt hat. Die Entdeckung seiner Gemälde war dann auch rein zufällig, nachdem er nach seinem Tod in Vergessenheit geraten war.

csontvary

Csontváry: Római híd Mosztárban, 1903

brücke

Die Alte Brücke in Mostar (Foto: Brigitte Grosse)

Vom ausgehenden 19. Jahrhundert machen wir nun eine Zeitreise in das 20. Jahrhundert. Das Vasarely Museum ist gut besucht, viele Schulkinder kommen in die Ausstellung und müssen Arbeitsaufträge erfüllen, offensichtlich ein Pflichtprogramm für die Schulen. Es scheint aber, dass die Kinder durchaus Gefallen an den modernen, konstruktiv geometrischen, abstrakten Motiven finden. Vasarely, der 1906 als Vásárhely Győző in Pécs geboren wurde, verbrachte nach seinem Studium in Budapest den Großteil seines Lebens in Frankreich und starb 1997 in Paris. In Paris arbeitete er zunächst zwischen 1930 und 1940 als Werbegrafiker und entwickelte seinen auf tromp-l’oeil, grafischen Mustern und Illusionen des Raumes basierenden Stil, der in den 1950er Jahren zum Programm seiner „kinetischen Kunst“ wurde. Seine Bilder und Skulpturen sind durch das aggressive Zusammenspiel von standardisierten Grundformen und Farben, die auf verschiedene Arten zu Mustern zusammengesetzt werden, gekennzeichnet. Er gewann zahlreiche internationale Kunstpreise und nahm an bedeutenden Ausstellungen, z.B. documenta 1 – 4 teil. Vasarely gilt als Mitbegründer der Op Art, sein erstes großes Werk Zebrák gilt heute als erstes großes Werk der Op Art.

vasarely

Vasarely Museum (Foto: Brigitte Grosse)

Neben den vielen verschiedenen Beispielen von immer wieder neuem Spiel mit geometrischen Mustern in den unterschiedlichsten, verwirrenden Farbzusammenstellungen und neuen Ideen ist ein Schachspiel in einer kleinen Vitrine besonders bemerkenswert. Ein anderes Bild, das die vier Mondphasen darstellt und in unterschiedlichen Blautönen gehalten ist, zeigt wieder eine andere Facette seines Schaffens.

Voll von Eindrücken verlassen wir das Museum und spazieren durch die Stadt zurück zum Hotel, um uns ein wenig auszuruhen und uns dann wieder erfrischt auf den Weg zum Kodály Központ, einem modernen Veranstaltungszentrum in der Nähe der neueren Universitätsgebäude etwas außerhalb der Altstadt, zu machen. Dort findet im kleineren Konzertsaal ein Kammerkonzert der Pannonischen Philharmonie – Pannon Filharmonikusok – statt. Mit großer Begeisterung und Hingabe spielen die Musiker Haydns B-dur divertimento Hob. II:46 und Schuberts Oktett. In dem verhältnismäßig kleinen Proberaum sitzen wir ganz nahe bei den Musikern und können uns voll und ganz ungestört auf die Musik konzentrieren. Interessant sind die jeweiligen einführenden Worte des musikalischen Leiters des Konzerts.

Nach so viel Kunstgenuss, sind manche von uns hungrig, andere durstig und andere möchten nun auch moderne Musik und intellektuelle Gespräche bzw. Poetry Slam Darbietungen in einer kocsma erleben, wo wir auch József Havasréti treffen.

gruppe

Die Ungarischgruppe im Nappali (Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

27. Mai 2017, Vormittag

Der dritte Tag begann gemütlich, nach dem abendlichen Konzert und dem Intellektuellentreffen bzw. dem gemütlichen Ausklang des Tages bei einem Glas Bier war es fein, dass wir uns ausschlafen konnten. Jetzt fühlen wir uns schon ganz wie zu Hause in dieser schönen Stadt und der Weg durch die Fußgängerzone Király utca zum Széchenyi tér ist uns bereits wohl vertraut. Die schön renovierten Häuser, das Nemzeti Színház, das Nappali und viele Schülergruppen, die die letzten Schultage für eine Exkursion nach Pécs nutzen und mit Fragebögen unterwegs sind, all das können wir auf diesem Weg sehen.

Die Klimó-Bibliothek Klimó-könyvtár – befindet sich in unmittelbarer Nähe des Széchenyi tér und um 10.30 Uhr werden wir zu einer Führung erwartet. Der junge Bibliothekar versteht es gut, uns seine Begeisterung und seine Liebe zu den Büchern zu vermitteln. Er beginnt seine Führung mit einer ausführlichen Darstellung der Geschichte der Universitätsbibliothek anhand von in Stein gemeißelten lateinischen und ungarischen Inschriften und des Grabmals des Bibliotheksgründers Bischof György Klimó (1710–1777).

Kaiserin Maria Theresia ernannte ihn zum Bischof von Pécs und verlieh ihm den Adelstitel. Wir können diese Urkunde mit dem Siegel der Kaiserin und einen Zeitungsartikel über Bischof Klimó in der Preßburger Zeitung vom Mittwoch, dem 13. April 1774, in einem Schaukasten des ersten Saales sehen.

klimo

Adelsbrief von György Klimó (1753) mit dem Siegel von Maria Theresia. Foto: Brigitte Grosse

prz

In der Preßburger Zeitung erschien am 13. April 1774 ein Bericht über die Gründung der Bibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

 

Ursprünglich war die Universität Pécs bereits 1367 unter König Ludwig dem Großen und Papst Urban V. gegründet worden und ist somit nur um zwei Jahre jünger als die Wiener Universität. Allerdings bestand diese Universität nur bis ca. 1390. Nach dem Ende der Türkenherrschaft wollte nun Bischof Klimó wieder eine Universität ins Leben rufen. Er stellte als Basis für die Universität seine eigene Bibliothek zur Verfügung, starb aber, bevor er die Universität gründen konnte. Die Bibliothek umfasste ca. 15 000 Titel. Das war die erste öffentlich zugängliche Bibliothek in Ungarn. Auf seiner Grabinschrift wird seine besondere Leistung gewürdigt:

“… PRIMA IN HUNGARIA BIBLIOTHECA PUBLICA CONDITA …”

grab

Grabstein von György Klimó in der Universitätsbibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

Bischof Ignác Szepesi (1780–1838) ließ dann das heutige Bibliotheksgebäude errichten und vergrößerte die Bestände, die heute drei Räume der Bibliothek füllen. Besonders eindrucksvoll sind die in Leder gebundenen mit goldenen Buchrücken versehenen Bände, die nach der Größe geordnet viele Regale füllen, die großen Bände befinden sich in den unteren Regalen, die kleineren in den oberen, was ja durchaus sinnvoll ist. Eine Herausforderung für den Archivar ist aber die Auffindung einzelner Bände, die in einem riesengroßen Katalog handschriftlich nach einem sehr komplexen System verzeichnet sind.

In den Schaukästen gibt es sehr interessante frühe Drucke, neben Bibeln und theologischen Schriften u.a. Bonfinis Gesta Hunnorum et Ungarorum von 1567, Werbőczis Decretum Tripartitum, Epigramme von Janus Pannonius, Isaak Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica und wunderschöne Tierzeichnungen z.B. in der Naturgeschichte der Vögel von 1790/92.

Zwei Globen aus dem 18. Jahrhundert und zahlreiche alte ungarische Drucke, aber auch lateinische und deutsche Werke können hier studiert werden. Die alphabetischen Kataloge, die im Jahre 1960 verfasst wurden, kann man unter www.lib.pte.hu finden.

bibliothek

Klimó-Bibliothek (Foto: Márta Csire)

Nach so viel Gelehrsamkeit tut ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft sehr gut und bald erreichen wir unser nächstes Ziel, den spätrömischen Friedhof von Sopianae.

Die spätrömischen Grabkammern aus dem vierten Jahrhundert stehen seit dem Jahr 2000 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Das Besucherzentrum ist vorbildlich gestaltet, kurze Videofilme und Rekonstruktionen zeigen den ursprünglichen Zustand sehr anschaulich. Besonders eindrucksvoll ist die 1938 freigelegte und dann 2006-2007 wieder ausgegrabene Cella Septichora, ein riesiges siebenchöriges Mausoleum, vermutlich der Bestattungsort einer vornehmen Familie. Möglicherweise wurde das Gebäude erst unter den Arpaden im elften Jahrhundert vollendet und während des Mongolensturms um 1241 zerstört. Heute werden dort Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen abgehalten.

cella

In der Cella Septichora (Foto: Brigitte Grosse)

Die zweistöckigen unterirdischen Grabanlagen mit einem sehr gut erhaltenen Sarkophag, Fresken u.a. mit dem Christusmonogramm und ein erstaunlich gut erhaltener Krug aus Glas (üveg korsó), eine Grabbeigabe aus dem vierten Jahrhundert, sind wirklich beeindruckend. Dieser spätrömische Friedhof ist einzigartig in ganz Ungarn und vor allem die Grabkammern sind sehr gut erhalten geblieben.

krug

Krug aus Glas (Foto: Brigitte Grosse)

Jetzt haben wir uns eine Mittagspause verdient, wir spazieren wieder zum Széchenyi tér, bewundern noch den Zsolnay Brunnen, wo es frisches Trinkwasser gibt, und lassen uns das Mittagessen im Aranygaluska étterem auch heute gut schmecken.

aranyg

(Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

Nachmittag: Ein Besuch im Zsolnay negyed (Zsolnay-Kulturviertel)

Nach dem Mittagessen im Aranygaluska machten wir uns bei sommerlichen Temperaturen auf den Weg ins Zsolnay Viertel.

Das ehemalige Gelände der Zsolnay Porzellanfabrik wurde im Rahmen des Projektes Pécs 2010 Kulturhaupstadt Europas zu einem rund 35.000 km² umfassenden Kulturviertel umgestaltet.

kulturviertel

(Foto: Brigitte Grosse)

Neben Räumlichkeiten der Kunstfakultät der Universität Pécs, Gemeinschaftsräumen, einem Spielplatz, einem Planetarium, einem Puppentheater, Cafés und einer kleinen Ladenzeile mit Werkstätten und kunsthandwerklichen Geschäften beherbergt das Gelände mehrere Galerien und Museen.

zsolnay

Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Nach einem Erkundungs-Rundgang über das Gelände und einem kurzen Abstecher in die Ladenzeile besichtigten wir das Museum, in dem mehr als 600 Keramiken aus der Produktion des Namensgebers des Quartiers ausgestellt sind. Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Zsolnay, der Sikorski Villa, befindet sich heute eine Privatsammlung historischer Kleinkeramik aus dem Hause Zsolnay. Die in den Vereinigten Staaten aufgebaute Sammlung wurde dem Museum von dem in die USA emigrierten Ingenieur László Gyugyi zur Verfügung gestellt und kehrte damit an den Ort ihrer Herstellung zurück. Die Exponate wurden von Gyugyi auf Auktionen in New York, Paris und Wien erworben und zur Hälfte der Stadt Pécs als Geschenk überlassen (Fotos der Objekte aus der Zeit des Historismus und der Sezessions-Ära finden sich z.B. hier: http://www.eozinmagazin.hu/eozin_kepgaleria/A_Zsolnay_aranykora_Gyugyi_Laszlo_gyujtemenye)

Die Zsolnay Porcelánmanufaktúra wurde 1853 gegründet und produzierte zunächst Steingut und Keramik. Unter Vilmos Zsolnay entwickelte sich die Firma Ende des 19. Jahrhunderts zu einem stilprägenden und renommierten Keramikhersteller, dessen Produkte bei den Weltaustellungen in Wien und Paris internationale Bekanntheit erlangten. Künstler und Handwerksmeister aus ganz Europa wurden von Zsolnay in die Pécser Manufaktur geholt, die zum größten Keramikhersteller Österreich-Ungarns wurde. Von Zsolnay produzierte Kacheln und Baukeramik-Ornamente finden sich an vielen Jugendstil-Gebäuden in Ungarn ebenso wie am Wahliss-Haus in der Kärtnerstrasse in Wien. Vilmos Zsolnay hatte 1865 die technische Entwicklung in der Manufaktur übernommen und experimentierte mit verschiedenen Ton- und Glasurarten.

Die wohl berühmtesten Innovationen des Unternehmens stellen die Entwicklung der Eosin-Glasur 1893 und des frostsicheren Baustoffs Pyrogranit dar. Kleinkeramiken mit der metallisch-schimmernden Eosin Glasur aus dem Hause Zsolnay sind heute begehrte Sammelobjekte, bunte Pyrogranit-Ziegel zieren zahlreiche berühmte Bauwerke, wie die Budapester Mátyás-Kirche.

 

zs2

Im Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Auf dem Weg in Zsolnay Viertel hatten wir bereits den im Sezessionsstil errichteten Zsolnay Brunnen vor der Kirche der Barmherzigen Brüder in der Pécser Innenstadt besichtigen können. Der Brunnen ist aus Pyrogranit gefertigt, seine Zierelemente und die Wassersprudel in Form von Ochsenköpfen sind mit Eosin-Glasur überzogen – der Brunnen vereint somit die beiden berühmten Werkstoffe des Herstellers. Im Museum hatten wir dann Gelegenheit, zahlreiche weitere Objekte aus der Sezessions-Ära zu bewundern. Die Krüge, Vasen und Porzellanfiguren, von denen viele von Zsolnays Töchtern Therese und Julia entworfen wurden, illustrieren den Stilwechsel von historistischen, orientalischen und volkstümlichen Motiven zum Jugendstil. Nach Julias Ehemann Tadeus Sikorski, einem polnischen Architekten, der als künstlerischer Direktor in der Firma tätig war, ist die Villa, die nun als Museumsgebäude firmiert, benannt.

zs3

Zsolnay-Viertel (Foto: Márta Csire)

Nach unserem Museumsbesuch ging es noch auf ein Getränk ins Café Griff im Bóbita Puppentheater. Ein Teil der Reisegruppe nutzte das abendliche Freizeitprogramm dazu, bei freiem Eintritt im Művészetek és Irodalom Háza am Széchenyi tér ein Barockmusik-Konzert zum Thema Cervantes. Színpadon a Simplicissimus Kamerazenekar mit einleitenden Erläuterungen durch die Musiker zu besuchen. Andere zogen das Kurzfilmprogramm im Pécser Programmkino „Apolló mozi“ vor. Passend zum Nachmittagsprogramm erlaubte uns das 1912 eröffnete Kinogebäude noch einen letzten architektonischen Abstecher in die Zeit des Jugendstil, das Filmprogramm hingegen einen aktuellen Einblick in die Arbeiten junger ungarischer Regisseure.

apollo

Fassade des Apollo Kino

Zum Abschied ging es dann zum zweiten Mal ins Szabad Kikötő, eine gemütliche Bar, in der wir bereits am Vorabend Bekanntschaft mit der Pécser Musikszene hatten schließen können. Der aktuelle Gehalt des programmatischen Lokal-Hits Szabadságot Svájcnak bleibt uns von unserem zweitägigen Pécs-Programm ebenso in Erinnerung wie die zahlreichen architektonischen und kulturellen Eindrücke der Stadt.

Theresa Schmidt

 

Advertisements

Exkursion der Wiener Hungarologie-StudentInnen im Rahmen des CENTRAL-Projektes nach Berlin

TeilnehmerInnen: Dániel Antalfi, Gabriella Greilinger, Eva Herter, Bettina Planitz

exc1

  1. November 2016

 Am Dienstag zu Mittag ging es für uns los nach Berlin, um dort an einem Treffen mit anderen Hungarologie-StudentInnen, sowie einer Konferenz zur 100-Jahr-Feier des hungarologischen Instituts der Humboldt Universität teilzunehmen. Neben uns vier Studenten aus Wien waren natürlich die Studenten aus Berlin, aber auch welche aus Prag, Warschau und Budapest dort.

Am ersten Abend, nachdem wir im Hostel angekommen sind, das zentral, ca. 5 Minuten vom Herzen Berlins, dem Alexanderplatz gelegen ist, mussten wir auch schon wieder los, um die anderen Hungarologie-Studenten und den Lektor für Ungarisch, Tamás Görbe, zu treffen.

Neben gutem deutschen Bier und leckerem Essen haben wir einen Teil der Studenten schon einmal kennenlernen können und den Abend angenehm ausklingen lassen.

exc2 

exc3

  1. November 2016

 Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh auf, da wir am Institut für Hungarologie der Humboldt Universität zu einem gemeinsamen Frühstück empfangen wurden.

Dort haben wir dann auch die anderen Studenten, die am Vorabend nicht dabei waren, kennen gelernt. Uns wurde außerdem das Institut vorgestellt und erklärt, wie das Studium in Berlin aufgebaut ist. Dann haben auch wir Studenten aus den andern Ländern erzählt, wie das Hungarologie Studium bei uns aufgebaut ist. Dabei haben sich ein paar Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterscheide gezeigt.

Danach sind wir auf unsere erste Stadttour gegangen, die von Berliner Studenten organisiert wurden.

exc4exc5exc6

Am Abend wurden wir alle im Collegium Hungaricum empfangen. Nach einer Führung durch das Haus wurde der ungarische Film „Tiszta szívvel“ (Regie: Attila Till) gezeigt.

Im Anschluss haben wir mit den anderen Studenten noch beschlossen, das Berliner Nachtleben zu erkunden.

  1. November 2016

 Donnerstag Vormittag haben wie uns wieder mit den anderen getroffen und sind gemeinsam zur East Side Gallery gegangen, bzw. diese ein Stück entlanggegangen. Die East Side Gallery ist ein Stück der Berliner Mauer, auf der man die Arbeiten von Künstlern auf Teilen der ehemaligen Mauer betrachten kann.

Leider hatten wir hier aber kein Glück mit dem Wetter und schon nach kurzer Zeit waren die meisten von uns komplett durchnässt.

Nach einer kurzen Mittagspause sind wir auch schon weitergegangen ins nächste Viertel „Friedrichshain“, DIE Partymeile Berlins mit verschiedensten Clubs und Bars.

Von dort aus war es nicht mehr weit zum „Café Szimpla“, ein nettes kleines Kaffeehaus/Bistro wo wir uns bekannte, typisch ungarische Gerichte auf der Speisekarte fanden.

exc7

Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen sind wir schon weitergefahren zur nächsten Sightseeing-Tour, die uns mitten durch Berlin geführt hat.

exc8exc9

  

  1. November 2016

 Freitag Vormittag wurden uns Wohnhausanlagen in der Nähe der Siegessäule gezeigt und wir stiegen auf eine Dachterrasse, von wo aus wir einen tollen Blick über ganz Berlin hatten.

exc10

Nach der Führung hatten wir wieder etwas Zeit, uns selbst etwas anzuschauen, also sind wir zu viert los und haben die Hackeschen Höfe besucht, die am Hackeschen Markt liegen, und eine super Gelegenheit für uns boten, ein paar Souvenirs zu kaufen.

Als wir damit fertig waren hatten wir nach dem vielen Gehen natürlich wieder Hunger, und da man nicht aus Berlin zurückkommen kann ohne einmal Currywurst mit Pommes gegessen zu haben, haben wir uns eine Curry-Bude in der Nähe gesucht, um uns zu stärken.

exc11

Am Nachmittag hat auch schon die Konferenz anlässlich der 100-Jahr-Feier des Instituts für Hungarologie im Collegium Hungaricum begonnen.

Viele ausländische, aber auch Berliner Professoren haben Vorträge gehalten, auch unser Institut war durch einen Vortrag von Frau Professor Seidler über Georg Lukács vertreten.

exc12

Im Anschluss an die Vorträge wurden alle Studenten noch zu einem Empfang in der ungarischen Botschaft erwartet, wo wir den Abend mit gutem ungarischen Essen und Wein ausklingen ließen.

exc13

Nach dem Empfang beschlossen wir, mit den anderen Studenten noch einmal loszuziehen, das Berliner Nachtleben zu erkunden. Diesmal sind wir zurück nach Friedrichshain gegangen, wo wir zwei Tage zuvor schon einmal tagsüber waren.

  1. November 2016

Vormittags sind wir noch einmal zum Collegium Hungaricum gefahren, da die Konferenz fortgesetzt wurde.

Danach sind wir zu viert zum berühmten Checkpoint Charlie gefahren, dem ehemaligen Grenzübergang im geteilten Berlin.

exc14

Danach sind wir alle noch einmal alleine losgezogen, damit jeder noch das ansehen konnte, was er oder sie wollte.

  1. November 2016

 An unserem letzten Tag in Berlin, bevor es am Abend heim ging, haben wir uns noch das Reichstagsgebäude angesehen, wo wir auch eine Führung gebucht hatten, bei der uns alles über die Abläufe im Reichstag sowie über das Gebäude selbst erklärt wurde.

exc15

In der Glaskuppel, die ebenfalls Teil der Führung war, konnte man ganz hinaufmarschieren, von wo aus man wieder einen tollen Blick über ganz Berlin hatte.

Nachher sind wir hinüber zum Brandenburger Tor marschiert, durch das man jetzt, nachdem Präsident Obama, der zur gleichen Zeit Berlin besuchte, wieder weggefahren ist, problemlos durchgehen konnte. Nach einer kleinen Stärkung im Café Einstein, das wir für uns in Berlin entdeckt haben, sind wir zu Alten Synagoge weiter gegangen, bevor wir schon zurück zum Hostel mussten, um unsere Koffer zu holen.

Dann ging es für uns, durch eine Menge an Erfahrungen und Eindrücken reicher, wieder zurück nach Wien.

exc16

Hiermit möchten wir uns für die Berliner Gastfreundschaft und die Organisation durch Herrn Tamás Görbe und Frau Dr. Rita Hegedűs als auch bei den Studierenden der Berliner Hungarologie bedanken.

Gabriella Greilinger