A very exciting evening for all book lovers at the Finno-Ugric department of Uni Wien

Written by our student Theodora Rouseva

Vienna University

I became familiar with the title of Ilmar Taska’s novel Pobeda 1946 last April, after the biggest Finnish daily newspaper Helsingin Sanomat listed his work among the most remarkable books of the year. Since then, I have been following the growing elation of his readers on social media. That was why the ad about the book presentation featuring Mr. Taska as a special guest was a very pleasant surprise for me.

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The event took place on 9th November at the Finno-Ugric department of Universität Wien. It was organized by the Estonian Embassy in Austria, the Kommode Verlag publishing house and the Universität Wien. Its aim was to launch the novel’s German translation as well as to introduce Mr. Taska to Viennese audience. Other important guests included the ambassador of Estonia in Austria, Rein Oidekivi, and the editor of Kommode Verlag, Annette Berger. The event was hosted by Triinu Viilukas, a lecturer of Estonian language at Universität Wien.

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Ilmar Taska is a writer, film and theater director, screenwriter and producer. He is also well- known for establishing the first private Estonian TV-channel, “channel 2” in the beginning of the 90s. Taska was born in the city of Kirov, then the USSR (present day Russia). His family was deported from Estonia during Stalin’s repressions. He went to the Moscow Film Institute (VGIK) and then studied at the Swedish Film Institute (Dramatiska Institutet) in Stockholm. He was granted a scholarship and furthered his studies in Hollywood, where he worked as a screenwriter and a producer. He directed the films Set Point (2004) and Thy Kingdom Come (2010), co-wrote and produced the film Back in the USSR (1992) and produced the films Candles in the Dark (1993) and Out of the Cold (1999). He has also directed plays in London (Power of Love, 2010), Los Angeles (Lavender Love, 2011) and Tallinn (One Summer Night in Sweden, 2012).

A book of Ilmar Taska’s short stories and his autobiographical novella Better than Life (Est. Parem kui elu, EPL Kirjastus, Tallinn) was published in Estonia in 2011. In 2016, his novel Pobeda 1946 (russ. победа ‘victory’, English title A Car Called Victory), based on a short story he wrote a few years earlier with the title Pobeda, became a bestseller and was praised by the critics. The German version was published this year by Kommode Verlag.

The evening was very pleasant and inspiring. Ilmar Taska shared some interesting facts about the novel’s main idea and characters, the process of writing and the research he did on historical events. He also shared some childhood memories, talked about his family, and explained how his background had influenced his work both in writing and filmmaking. He paid special attention to every question asked, which was deeply appreciated by the audience.

I found the presentation very stimulating and my curiosity about the novel grew so big, that I began reading the book once I got home. I was immediately immersed in the world seen through the little boy’s eyes. The story consists of skillfully described scenes, where named and anonymous characters are adapting to the new regime in Estonia after World War II. Their most personal thoughts give the reader a possibility to get familiar with their values, feelings and morality before judging them. There are many situations, which raise very strong ethical questions. The story is so thrilling to read, because it reveals how the border between good and evil, friends and family, seems to blend, whereas the new circumstances recreate new borders not only on the map, but also in peoples’ minds.

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Exkursion Pécs, 25.-28. Mai 2017

(Dieser Text wurde leider für einige Monate auf dem virtuellen Schreibtisch der Blogeditorin unter verschiedenen anderen Aufgaben virtuell begraben. Aber besser spät denn nie, ami késik, nem múlik! Hier also der Bericht der Gruppe Ungarischer Spracherwerb VI, unter der Leitung von Márta Csire.)

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26. Mai 2017, Vormittag

Um ca. 9 Uhr gehen wir zur Universität Pécs, und zwar zur Philologischen Fakultät. Dort suchen wir das Seminar für Finno-Ugristik auf.

Wir werden auf das Herzlichste von Frau Dr. Éva Fancsaly empfangen. Sie erzählt uns von der Geschichte des Seminars und den Forschungs- und Unterrichtstätigkeiten der MitarbeiterInnen.

Ein besonders trauriges Ereignis war der Tod des beliebten und bekannten Kollegen Dr. Attila Dobó, der am 19. Juli 2016 erst 61-jährig ganz plötzlich verstorben ist.

Das zweisprachig, deutsch-ungarisch aufgewachsene Sprachtalent konnte unglaublich schnell Sprachen erlernen.
Außer Deutsch und Ungarisch sprach er noch Finnisch, Komi, Udmurtisch, Baschkirisch, Türkisch, Englisch, Russisch, Italienisch usw.

(Die Komi-Sprachen gehören zur permischen Gruppe der uralischen Sprachfamilie. Man unterscheidet Komi-Syrjänisch und Komi-Permjakisch. Udmurtien ist eine Republik im russischen Föderationskreis Wolga, westlich des Uralgebirges. Baschkirisch ist eine westtürkische Sprache.)

 

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Am Seminar für Finno-Ugristik mit Éva Fancsaly. Foto Márta Csire

Wir bekommen zwei Bücher geschenkt: „Finnugor rokonságunk“ von Miklós Zsirai und „Finnugor kalauz„, eine Einführung in die finnisch-ugrischen Völker und Kulturen.

Danach besuchen wir das Seminar für Hungarologie und Angewandte Sprachwissenschaft. Wir werden vom Leiter des Seminars Dr. Tibor Szűcs willkommen geheißen. Er erklärt uns die Organisation der Universitäten in Ungarn und deren finanzielle Probleme.

Die Universität in Pécs ist die älteste Ungarns und feiert dieses Jahr ihr 650-jähriges Jubiläum. Sie gliedert sich in zehn Fakultäten (Medizin, Rechts-, Wirtschafts-, und Naturwissenschaften, Technik, Philosophie, Kunst, Pädagogik, Gesundheitswesen und Erwachsenenbildung und Personalentwicklung) mit ca. 30.000 Studenten. Die Philosophische Fakultät ist eine autonome Einrichtung für Bildung, Forschung und das öffentliche wissenschaftliche Leben.

Im Anschluss spazieren wir durch die Innenstadt und besichtigen die beeindruckende Kathedrale. Wir steigen in die Unterkirche hinunter, wo auch der ungarische Renaissance-Humanist und ehemalige Bischof von Pécs, Janus Pannonius (1434–1472) beigesetzt wurde. Danach gehen wir auf den Turm hinauf, von wo wir eine herrliche Aussicht genießen.

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Die Kathedrale St. Peter und Paul mit Fernsehturm im Hintergrund. Foto: Márta Csire

 

Schließlich geht es zum Mittagessen in ein Selbstbedienungsrestaurant.

Susanna Hoza

Nachmittag

Nach dem Mittagessen, das uns allen sehr gut geschmeckt hat, gehen wir zum Széchenyi tér und lassen uns in der Mecsek cukrászda gegenüber des Dschami des Paschas Gasi Kassim ein köstliches Eis schmecken. Im ehemaligen berühmten Hotel Nádor gibt es im Erdgeschoß eine kleine Galerie, wo moderne Künstler und Studierende der Fakultät für Kunst der Universität ihre Werke präsentieren können. Nun sind wir gestärkt für zwei Museumsbesuche. Die beiden Maler, die wir genauer kennen lernen, sind sehr unterschiedlich. Der eine, Tivadar Csontváry Kosztka, ist bedauerlicherweise in Österreich so gut wie unbekannt, der andere, Victor Vasarely, war international sehr erfolgreich und malte in einem völlig anderen Stil.

Zuerst besuchen wir also das Csontváry Museum, ein kleines, feines Museum, das nur wenige Touristen entdecken, sozusagen ein Geheimtipp in Pécs. So haben wir das Museum ganz für uns alleine. Csontváry lebte von 1853 bis 1919. Die frühesten Zeichnungen zeigen schon sein Talent, trotzdem begann er erst spät, im Alter von einundvierzig Jahren, mit einem intensiven Studium der Malerei, nachdem er zuerst als Apotheker die Basis für seinen Lebensunterhalt gesichert hatte. Die Bilder sind in nur schwach beleuchteten großen Räumen ausgestellt und zeigen seine Entwicklung. Sein Lebensziel war es, a világ legnagyobb napút-festője, nagyobb Raffaelnél – größer als Raffael – zu werden. Er wollte „das helle Licht des Südens“ finden, was ihm in einigen seiner Gemälde durchaus gelang. Am eindrucksvollsten ist in dieser Hinsicht das Bild A magányos cédrus, wo man bei genauerem Hinsehen viele Details erkennen kann, die die symbolische Aussage des Bildes verdeutlichen. Római híd Mosztárban, in leuchtenden Farben naiv-realistisch dargestellt, dokumentiert seine künstlerische Auseinandersetzung mit dieser eindrucksvollen, über 400 Jahre alten Brücke aus der Türkenzeit, die 1993 zerstört wurde, nun aber originalgetreu wieder aufgebaut worden ist und seit 2004 als UNESCO Weltkulturerbe gilt. Berührend und eindringlich blickt uns das Bild des marokkanischen Lehrers, Marokkói tanító an. Einige der Gemälde sind so riesengroß, dass man sich fragt, wie er das gemalt hat. Die Entdeckung seiner Gemälde war dann auch rein zufällig, nachdem er nach seinem Tod in Vergessenheit geraten war.

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Csontváry: Római híd Mosztárban, 1903

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Die Alte Brücke in Mostar (Foto: Brigitte Grosse)

Vom ausgehenden 19. Jahrhundert machen wir nun eine Zeitreise in das 20. Jahrhundert. Das Vasarely Museum ist gut besucht, viele Schulkinder kommen in die Ausstellung und müssen Arbeitsaufträge erfüllen, offensichtlich ein Pflichtprogramm für die Schulen. Es scheint aber, dass die Kinder durchaus Gefallen an den modernen, konstruktiv geometrischen, abstrakten Motiven finden. Vasarely, der 1906 als Vásárhely Győző in Pécs geboren wurde, verbrachte nach seinem Studium in Budapest den Großteil seines Lebens in Frankreich und starb 1997 in Paris. In Paris arbeitete er zunächst zwischen 1930 und 1940 als Werbegrafiker und entwickelte seinen auf tromp-l’oeil, grafischen Mustern und Illusionen des Raumes basierenden Stil, der in den 1950er Jahren zum Programm seiner „kinetischen Kunst“ wurde. Seine Bilder und Skulpturen sind durch das aggressive Zusammenspiel von standardisierten Grundformen und Farben, die auf verschiedene Arten zu Mustern zusammengesetzt werden, gekennzeichnet. Er gewann zahlreiche internationale Kunstpreise und nahm an bedeutenden Ausstellungen, z.B. documenta 1 – 4 teil. Vasarely gilt als Mitbegründer der Op Art, sein erstes großes Werk Zebrák gilt heute als erstes großes Werk der Op Art.

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Vasarely Museum (Foto: Brigitte Grosse)

Neben den vielen verschiedenen Beispielen von immer wieder neuem Spiel mit geometrischen Mustern in den unterschiedlichsten, verwirrenden Farbzusammenstellungen und neuen Ideen ist ein Schachspiel in einer kleinen Vitrine besonders bemerkenswert. Ein anderes Bild, das die vier Mondphasen darstellt und in unterschiedlichen Blautönen gehalten ist, zeigt wieder eine andere Facette seines Schaffens.

Voll von Eindrücken verlassen wir das Museum und spazieren durch die Stadt zurück zum Hotel, um uns ein wenig auszuruhen und uns dann wieder erfrischt auf den Weg zum Kodály Központ, einem modernen Veranstaltungszentrum in der Nähe der neueren Universitätsgebäude etwas außerhalb der Altstadt, zu machen. Dort findet im kleineren Konzertsaal ein Kammerkonzert der Pannonischen Philharmonie – Pannon Filharmonikusok – statt. Mit großer Begeisterung und Hingabe spielen die Musiker Haydns B-dur divertimento Hob. II:46 und Schuberts Oktett. In dem verhältnismäßig kleinen Proberaum sitzen wir ganz nahe bei den Musikern und können uns voll und ganz ungestört auf die Musik konzentrieren. Interessant sind die jeweiligen einführenden Worte des musikalischen Leiters des Konzerts.

Nach so viel Kunstgenuss, sind manche von uns hungrig, andere durstig und andere möchten nun auch moderne Musik und intellektuelle Gespräche bzw. Poetry Slam Darbietungen in einer kocsma erleben, wo wir auch József Havasréti treffen.

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Die Ungarischgruppe im Nappali (Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

27. Mai 2017, Vormittag

Der dritte Tag begann gemütlich, nach dem abendlichen Konzert und dem Intellektuellentreffen bzw. dem gemütlichen Ausklang des Tages bei einem Glas Bier war es fein, dass wir uns ausschlafen konnten. Jetzt fühlen wir uns schon ganz wie zu Hause in dieser schönen Stadt und der Weg durch die Fußgängerzone Király utca zum Széchenyi tér ist uns bereits wohl vertraut. Die schön renovierten Häuser, das Nemzeti Színház, das Nappali und viele Schülergruppen, die die letzten Schultage für eine Exkursion nach Pécs nutzen und mit Fragebögen unterwegs sind, all das können wir auf diesem Weg sehen.

Die Klimó-Bibliothek Klimó-könyvtár – befindet sich in unmittelbarer Nähe des Széchenyi tér und um 10.30 Uhr werden wir zu einer Führung erwartet. Der junge Bibliothekar versteht es gut, uns seine Begeisterung und seine Liebe zu den Büchern zu vermitteln. Er beginnt seine Führung mit einer ausführlichen Darstellung der Geschichte der Universitätsbibliothek anhand von in Stein gemeißelten lateinischen und ungarischen Inschriften und des Grabmals des Bibliotheksgründers Bischof György Klimó (1710–1777).

Kaiserin Maria Theresia ernannte ihn zum Bischof von Pécs und verlieh ihm den Adelstitel. Wir können diese Urkunde mit dem Siegel der Kaiserin und einen Zeitungsartikel über Bischof Klimó in der Preßburger Zeitung vom Mittwoch, dem 13. April 1774, in einem Schaukasten des ersten Saales sehen.

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Adelsbrief von György Klimó (1753) mit dem Siegel von Maria Theresia. Foto: Brigitte Grosse

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In der Preßburger Zeitung erschien am 13. April 1774 ein Bericht über die Gründung der Bibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

 

Ursprünglich war die Universität Pécs bereits 1367 unter König Ludwig dem Großen und Papst Urban V. gegründet worden und ist somit nur um zwei Jahre jünger als die Wiener Universität. Allerdings bestand diese Universität nur bis ca. 1390. Nach dem Ende der Türkenherrschaft wollte nun Bischof Klimó wieder eine Universität ins Leben rufen. Er stellte als Basis für die Universität seine eigene Bibliothek zur Verfügung, starb aber, bevor er die Universität gründen konnte. Die Bibliothek umfasste ca. 15 000 Titel. Das war die erste öffentlich zugängliche Bibliothek in Ungarn. Auf seiner Grabinschrift wird seine besondere Leistung gewürdigt:

“… PRIMA IN HUNGARIA BIBLIOTHECA PUBLICA CONDITA …”

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Grabstein von György Klimó in der Universitätsbibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

Bischof Ignác Szepesi (1780–1838) ließ dann das heutige Bibliotheksgebäude errichten und vergrößerte die Bestände, die heute drei Räume der Bibliothek füllen. Besonders eindrucksvoll sind die in Leder gebundenen mit goldenen Buchrücken versehenen Bände, die nach der Größe geordnet viele Regale füllen, die großen Bände befinden sich in den unteren Regalen, die kleineren in den oberen, was ja durchaus sinnvoll ist. Eine Herausforderung für den Archivar ist aber die Auffindung einzelner Bände, die in einem riesengroßen Katalog handschriftlich nach einem sehr komplexen System verzeichnet sind.

In den Schaukästen gibt es sehr interessante frühe Drucke, neben Bibeln und theologischen Schriften u.a. Bonfinis Gesta Hunnorum et Ungarorum von 1567, Werbőczis Decretum Tripartitum, Epigramme von Janus Pannonius, Isaak Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica und wunderschöne Tierzeichnungen z.B. in der Naturgeschichte der Vögel von 1790/92.

Zwei Globen aus dem 18. Jahrhundert und zahlreiche alte ungarische Drucke, aber auch lateinische und deutsche Werke können hier studiert werden. Die alphabetischen Kataloge, die im Jahre 1960 verfasst wurden, kann man unter www.lib.pte.hu finden.

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Klimó-Bibliothek (Foto: Márta Csire)

Nach so viel Gelehrsamkeit tut ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft sehr gut und bald erreichen wir unser nächstes Ziel, den spätrömischen Friedhof von Sopianae.

Die spätrömischen Grabkammern aus dem vierten Jahrhundert stehen seit dem Jahr 2000 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Das Besucherzentrum ist vorbildlich gestaltet, kurze Videofilme und Rekonstruktionen zeigen den ursprünglichen Zustand sehr anschaulich. Besonders eindrucksvoll ist die 1938 freigelegte und dann 2006-2007 wieder ausgegrabene Cella Septichora, ein riesiges siebenchöriges Mausoleum, vermutlich der Bestattungsort einer vornehmen Familie. Möglicherweise wurde das Gebäude erst unter den Arpaden im elften Jahrhundert vollendet und während des Mongolensturms um 1241 zerstört. Heute werden dort Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen abgehalten.

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In der Cella Septichora (Foto: Brigitte Grosse)

Die zweistöckigen unterirdischen Grabanlagen mit einem sehr gut erhaltenen Sarkophag, Fresken u.a. mit dem Christusmonogramm und ein erstaunlich gut erhaltener Krug aus Glas (üveg korsó), eine Grabbeigabe aus dem vierten Jahrhundert, sind wirklich beeindruckend. Dieser spätrömische Friedhof ist einzigartig in ganz Ungarn und vor allem die Grabkammern sind sehr gut erhalten geblieben.

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Krug aus Glas (Foto: Brigitte Grosse)

Jetzt haben wir uns eine Mittagspause verdient, wir spazieren wieder zum Széchenyi tér, bewundern noch den Zsolnay Brunnen, wo es frisches Trinkwasser gibt, und lassen uns das Mittagessen im Aranygaluska étterem auch heute gut schmecken.

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(Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

Nachmittag: Ein Besuch im Zsolnay negyed (Zsolnay-Kulturviertel)

Nach dem Mittagessen im Aranygaluska machten wir uns bei sommerlichen Temperaturen auf den Weg ins Zsolnay Viertel.

Das ehemalige Gelände der Zsolnay Porzellanfabrik wurde im Rahmen des Projektes Pécs 2010 Kulturhaupstadt Europas zu einem rund 35.000 km² umfassenden Kulturviertel umgestaltet.

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(Foto: Brigitte Grosse)

Neben Räumlichkeiten der Kunstfakultät der Universität Pécs, Gemeinschaftsräumen, einem Spielplatz, einem Planetarium, einem Puppentheater, Cafés und einer kleinen Ladenzeile mit Werkstätten und kunsthandwerklichen Geschäften beherbergt das Gelände mehrere Galerien und Museen.

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Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Nach einem Erkundungs-Rundgang über das Gelände und einem kurzen Abstecher in die Ladenzeile besichtigten wir das Museum, in dem mehr als 600 Keramiken aus der Produktion des Namensgebers des Quartiers ausgestellt sind. Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Zsolnay, der Sikorski Villa, befindet sich heute eine Privatsammlung historischer Kleinkeramik aus dem Hause Zsolnay. Die in den Vereinigten Staaten aufgebaute Sammlung wurde dem Museum von dem in die USA emigrierten Ingenieur László Gyugyi zur Verfügung gestellt und kehrte damit an den Ort ihrer Herstellung zurück. Die Exponate wurden von Gyugyi auf Auktionen in New York, Paris und Wien erworben und zur Hälfte der Stadt Pécs als Geschenk überlassen (Fotos der Objekte aus der Zeit des Historismus und der Sezessions-Ära finden sich z.B. hier: http://www.eozinmagazin.hu/eozin_kepgaleria/A_Zsolnay_aranykora_Gyugyi_Laszlo_gyujtemenye)

Die Zsolnay Porcelánmanufaktúra wurde 1853 gegründet und produzierte zunächst Steingut und Keramik. Unter Vilmos Zsolnay entwickelte sich die Firma Ende des 19. Jahrhunderts zu einem stilprägenden und renommierten Keramikhersteller, dessen Produkte bei den Weltaustellungen in Wien und Paris internationale Bekanntheit erlangten. Künstler und Handwerksmeister aus ganz Europa wurden von Zsolnay in die Pécser Manufaktur geholt, die zum größten Keramikhersteller Österreich-Ungarns wurde. Von Zsolnay produzierte Kacheln und Baukeramik-Ornamente finden sich an vielen Jugendstil-Gebäuden in Ungarn ebenso wie am Wahliss-Haus in der Kärtnerstrasse in Wien. Vilmos Zsolnay hatte 1865 die technische Entwicklung in der Manufaktur übernommen und experimentierte mit verschiedenen Ton- und Glasurarten.

Die wohl berühmtesten Innovationen des Unternehmens stellen die Entwicklung der Eosin-Glasur 1893 und des frostsicheren Baustoffs Pyrogranit dar. Kleinkeramiken mit der metallisch-schimmernden Eosin Glasur aus dem Hause Zsolnay sind heute begehrte Sammelobjekte, bunte Pyrogranit-Ziegel zieren zahlreiche berühmte Bauwerke, wie die Budapester Mátyás-Kirche.

 

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Im Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Auf dem Weg in Zsolnay Viertel hatten wir bereits den im Sezessionsstil errichteten Zsolnay Brunnen vor der Kirche der Barmherzigen Brüder in der Pécser Innenstadt besichtigen können. Der Brunnen ist aus Pyrogranit gefertigt, seine Zierelemente und die Wassersprudel in Form von Ochsenköpfen sind mit Eosin-Glasur überzogen – der Brunnen vereint somit die beiden berühmten Werkstoffe des Herstellers. Im Museum hatten wir dann Gelegenheit, zahlreiche weitere Objekte aus der Sezessions-Ära zu bewundern. Die Krüge, Vasen und Porzellanfiguren, von denen viele von Zsolnays Töchtern Therese und Julia entworfen wurden, illustrieren den Stilwechsel von historistischen, orientalischen und volkstümlichen Motiven zum Jugendstil. Nach Julias Ehemann Tadeus Sikorski, einem polnischen Architekten, der als künstlerischer Direktor in der Firma tätig war, ist die Villa, die nun als Museumsgebäude firmiert, benannt.

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Zsolnay-Viertel (Foto: Márta Csire)

Nach unserem Museumsbesuch ging es noch auf ein Getränk ins Café Griff im Bóbita Puppentheater. Ein Teil der Reisegruppe nutzte das abendliche Freizeitprogramm dazu, bei freiem Eintritt im Művészetek és Irodalom Háza am Széchenyi tér ein Barockmusik-Konzert zum Thema Cervantes. Színpadon a Simplicissimus Kamerazenekar mit einleitenden Erläuterungen durch die Musiker zu besuchen. Andere zogen das Kurzfilmprogramm im Pécser Programmkino „Apolló mozi“ vor. Passend zum Nachmittagsprogramm erlaubte uns das 1912 eröffnete Kinogebäude noch einen letzten architektonischen Abstecher in die Zeit des Jugendstil, das Filmprogramm hingegen einen aktuellen Einblick in die Arbeiten junger ungarischer Regisseure.

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Fassade des Apollo Kino

Zum Abschied ging es dann zum zweiten Mal ins Szabad Kikötő, eine gemütliche Bar, in der wir bereits am Vorabend Bekanntschaft mit der Pécser Musikszene hatten schließen können. Der aktuelle Gehalt des programmatischen Lokal-Hits Szabadságot Svájcnak bleibt uns von unserem zweitägigen Pécs-Programm ebenso in Erinnerung wie die zahlreichen architektonischen und kulturellen Eindrücke der Stadt.

Theresa Schmidt

 

Doktorarbeit und Defensio von Jeremy Bradley: Marisch im Fokus

Die marische Sprache, früher auch “Tscheremissisch” genannt, ist eine der “großen” finnisch-ugrischen Minderheitssprachen im europäischen Russland, mit immer noch sechsstelligen Sprecherzahlen und einer kontaktlinguistisch sehr spannenden Position in der Nachbarschaft von verschiedenen Turksprachen. Marisch gehört seit Jahren zu den sprachwissenschaftlichen Schwerpunkten der Wiener Finno-Ugristik. Dies ist vor allem Prof. Timothy Riese zu verdanken, der bei uns schon mehrere Studierendengenerationen mit dem Marischen vertraut gemacht hat.

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Marischgruppen aus Wien haben mehrere Male die Sommeruniversität in Joschkar-Ola besucht und viel Publicity für die Universität Wien gebracht. In der Forschung drückt sich dieses Interesse vor allem in einem großen Forschungs- und Dokumentationsprojekt aus, das schon verschiedene elektronische Ressourcen zur marischen Sprache sowie das erste praktische, in englischer Sprache zugängliche Lehrbuch des Marischen hervorgebracht hat. Die Ergebnisse des Projekts, das zuerst von der FWF, dann von der finnischen Kone-Stiftung finanziert wurde, sind unter www.mari-language.com zu sehen.

Neben Prof. Riese hat bei den Marischprojekten in den letzten Jahren unser Absolvent und Doktorand Jeremy Bradley, ein gebürtiger Wiener mit amerikanischen Wurzeln, eine immer größere Rolle gespielt. Aus dem jungen Estlandfreund, der zuerst auf der Suche nach einem interessanten Nebenfach für sein Informatikstudium  zu uns kam, ist ein Experte des Marischen und der Wolgasprachen geworden. Nach einigen Jahren Anstellung an unserem Institut, als Lehrbeauftragter und Projektmitarbeiter, arbeitet er nunmehr als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Finno-Ugristik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Und so ist es soweit gekommen, dass bei uns am Montag 10.10.2016 die erste (!) sprachwissenschaftliche Doktoraldefensio dieses Jahrtausends stattfand. Jeremy Bradley verteidigte seine Doktorarbeit Mari Converb Constructions: Productivity and Regional Variance.

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Um ein komplexes Phänomen kurz und salopp zu erklären: es geht um Konstruktionen, die aus zwei Verben bestehen, wobei das eine die “Grundbedeutung” ausdrückt, das andere weitere Bedeutungsnuancen hinzufügt, die in der Literatur mal als “Richtung”, mal als “Aspekt” oder “Aktionsart” beschrieben werden. So kann man im Marischen ein Glas “füllend geben”, wenn man das Glas (mit erfrischendem Getränk) für eine andere Person füllt. Im Spiel zu gewinnen heißt “spielend nehmen”, und “fragend stellen” kann man sagen, wenn plötzlich eine Frage gestellt wird. In der Dissertation wurde mit Hilfe von computergestützter Analyse geklärt, in welchen Kombinationen, wo und wie diese Verben vorkommen. Es wurde also wichtige Grundlagenforschung gemacht.

Von den GutachterInnen, Prof. Beáta Wagner-Nagy (Hamburg) und Prof. Gerson Klumpp (Tartu), hatte die Arbeit schon konstruktive und vorwiegend positive Kritik bekommen. Prof. Klumpp war auch einer von den zwei Opponenten bei der Defensio, gemeinsam mit Prof. Laakso.

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Die Vorsitzende, Frau Prof. Ina Hein von der Japanologie, war offensichtlich beeindruckt von den vielen interessierten Zuhörern und von der konstruktiven Diskussion.

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Leider war die Zeit nach der ausführlichen Präsentation der Arbeit sehr kurz, die Opponenten hätten über diese interessante Arbeit gerne noch weiterdiskutiert.

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Das offizielle Gruppenbild mit Betreuer, OpponentInnen und Vorsitz. (Für alle Photos danken wir dem Vater des Dissertanten.)

 

Die Abteilung Finno-Ugristik freut sich und gratuliert!

Die Arbeit wird voraussichtlich in naher Zukunft in einer wissenschaftlichen Publikationsreihe erscheinen. In Erwartung der Publikation können sich alle noch diese Dokumentation unserer marischen Forschungsinteressen (aus 2012) anschauen: in marischer Sprache, mit englischen oder russischen Untertiteln – gedreht, selbstverständlich, von Jeremy Bradley.

Tag der estnischen Sprache in Wien

Estnisch wird an der Wiener Finno-Ugristik seit den 1970er Jahren unterrichtet. Schon bald nach der Gründung des damaligen Instituts für Finno-Ugristik konnte Professor Rédei die damalige Bundeslehrerin für Schwedisch, Frau Mag. Imbi Sooman überreden, neben ihrer Lehrtätigkeit bei der Skandinavistik auch bei uns ihre Muttersprache Estnisch zu unterrichten. Seit der Pensionierung von Frau Sooman (2010) trägt Frau Mag. Triinu Viilukas die Verantwortung für unseren Estnischunterricht. Aus ihrer Initiative und in Kooperation mit der Botschaft von Estland und dem Eesti Instituut wurde bei uns am 20.5.2016 ein Tag der estnischen Sprache in Wien veranstaltet.

Hochkarätige Gäste eröffneten die Veranstaltung:

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S. E. Rein Oidekivi, Botschafter der Republik Estland in Wien, hat selbst einen akademischen Abschluss in estnischer Philologie.

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Im Namen der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät: Frau Vizedekanin Melanie Malzahn

In ihren schönen Grußworten erwähnte Frau Vizedekanin Malzahn, selbst Professorin für Indogermanische Sprachwissenschaft, dass Estnisch für die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft eine besondere Bedeutung hat: In solchen uralten germanischen Lehnwörtern wie kuningas ‘König’ oder rõngas ‘Ring’ hat Estnisch das -as (-az) am Wortende erhalten, das in den heutigen germanischen Sprachen nicht mehr da ist. (Dies trifft allerdings bei allen anderen ostseefinnischen Sprachen auch zu, so wie Finnisch.) Was ich aber leider erst nach der Veranstaltung erfahren habe: Es gibt eine interessante Anknüpfung zwischen dem Forschungsgebiet von Frau VD Malzahn, d.h. der tocharischen Sprache, und Estland. Nämlich: Albert von Le Coq, der reiche Hobbyarchäologe und (Mit)entdecker der ersten tocharischen Texte (1904), war Sohn und Erbe einer französisch-belgisch-preußisch-englischen Bierbräuerdynastie, und seine Brauerei, seit 1912 in Tartu, produziert auch heute hervorragendes Bier unter dem stolzen Firmennamen A. Le Coq.

In meinen Grußworten konnte ich den Gästen auch über unsere Forschungsprojekte mit Estland-Bezug berichten. Am EU-finanzierten Minderheitenforschungsprojekt ELDIA (European Language Diversity for All), wo auch unser Institut beteiligt war (in Wien wurde eine Fallstudie über die Ungarn in Österreich durchgeführt), entstanden Studien über Minderheiten in Estland (die südestnischen Sprachvarietäten Võro und Seto/Setukesisch) sowie estnische Diasporas im Ausland.  Eben kurz vor der Veranstaltung konnten die Berichte der Fallstudie über Estnisch in Deutschland, von Kristiina Praakli (Tartu/Helsinki), endlich veröffentlicht werden. Die Texte (die englische Originalversion sowie deutsch– und estnischsprachige Zusammenfassungen) sind im Internet frei abrufbar und könnten vielleicht auch für die EstInnen in Österreich von Interesse sein.

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Es folgten Vorträge von drei Gästen aus Estland. Allerdings kam Birute Klaas-Lang, Professorin für Estnisch als Fremdsprache an der Universität Tartu, diesmal aus Helsinki, wo sie bis diesem Sommersemester eine Gastprofessur für Estnisch innehat.

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Wo, wie und wem wird Estnisch im Ausland unterrichtet?

Helle Metslang, Professor für Estnisch an der Universität Tartu, dürfte allen bekannt sein, die sich für die estnische Sprache aus typologischer Sicht interessieren. Sie war früher schon einige Male Gastvortragende an unserem Institut.

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Estnisch hat unter den europäischen Sprachen eine ganz interessante Position.

Tõnis Nurk (Institut für die Estnische Sprache, Tallinn) sprach über die estnische Sprache in der Welt der Sprachtechnologien.

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Nach der Kaffeepause folgte ein kleines Musikprogramm. Im Ensemble Wööt singen mit unserer Triinu Viilukas zwei weitere Wiener Estinnen, Ruth Dorn und Liisbet Erepuu. Am Ende durfte das Publikum auch mitsingen, bei einem traditionellen estnischen regilaul (nur diesmal auf Deutsch).

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Die Veranstaltung endete mit einer Podiumsdiskussion über das Studium von Estnisch und anderen „kleinen“ Sprachen an der Uni Wien.  Leider kein Foto, weil ich zu beschäftigt mit dem Diskutieren war – aber schönen Dank an die TeilnehmerInnen! (Neben den estnischen Gästen waren auch von unserer „Schwesterabteilung“ Skandinavistik die Litauischlektorin, Frau Pestal, sowie als Vertreter der Estnischstudierenden unser Absolvent, ehemaliger Mitarbeiter und Doktorand Jeremy Bradley dabei.) Und danke an alle, die gekommen sind und besonders an alle, die bei der Organisation mitgeholfen haben!

Es war ein schöner, stimmungsvoller Tag.  Und sicher nicht die letzte estnische Veranstaltung bei uns. Im Winter 2017-2018 wird der hundertste Jahrestag der Unabhängigkeit der Schwesternationen Finnland (6.12.1917) und Estland (24.2.1918) gefeiert, und es wäre schön, etwas gemeinsam veranstalten zu können. Über weitere Pläne, sobald sie konkretisiert werden, wird auf unserer Abteilungshomepage informiert!

Exkursion Pécs, 14.–17. Mai 2015

von Anna Lukitsch & Eva-Maria H. & Jana Wentz & Verena Pfeifer & Andreas Lörincz

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Gruppe Ungarischer Spracherwerb VI

Tag 1

Am 14. Mai früh am Morgen ging unsere Abschlussreise nach Pécs los. Während manche die Zeit nutzten, um noch ein bisschen Grammatik und Wortschatz zu üben, verschliefen andere die sechsstündige Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes. Gottseidank machten wir in der Mitte unserer Zugfahrt einen Zwischenstopp in Budapest Kelenföld, wo selbst die Müdesten von uns bei einem Kaffee langsam munter wurden. Nachdem wir dann nach ca. 3 Stunden in Pécs angekommen waren, fuhren wir mit dem Taxi zu unserem Hotel, wo wir auch gleich unsere Zimmer bezogen.

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Obwohl wir fast die ganze Zugfahrt essend verbracht haben, waren wir schon wieder hungrig von der langen Fahrt und außerdem neugierig auf Pécs, und deshalb machten wir uns auch gleich auf in die Altstadt. Kaum angekommen, färbte sich der Himmel aber, als würde die Welt untergehen und wenig später begann es heftig zu regnen, sodass wir, zur Freude unserer Kaffeetrinker, ins Cafe Frei, flüchten mussten.

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Nachdem sich das Wetter wieder halbwegs beruhigt hatte, trauten wir uns auch wieder aus dem Cafe hinaus und sahen uns noch ein wenig die Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie zum Beispiel die Moschee am Széchenyi-Platz oder die Universität mit ihrem botanischen Garten an. Schließlich aber war unser Hunger schon ziemlich groß und wir ließen den Abend bei einem leckeren, sogar teils vegetarischen, Essen in einem Restaurant ausklingen, bevor wir erschöpft in unsere bequemen Hotelbetten fielen.

(J. W.)

Tag 2

Dom

Nach dem Mittagessen im Restaurant Aranygaluska gingen wir über den Széchenyi tér zur Domkirche, an der wir schon am Vorabend auf dem Weg zur spätmittelalterlichen Barbakane (Rundbastei) vorbeispaziert waren. Die Kathedrale, die den Aposteln Petrus und Paulus geweiht ist, befindet sich auf dem Dóm tér (Domplatz), der nördlich direkt an den wunderschönen Szent István tér (St. Stephansplatz) anschließt.

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Die räumliche Nähe zu diesem Platz mag nicht ganz zufällig sein, war es doch unter der Regentschaft dieses ersten Königs (1000–1038), dass die Vorläuferkirche des heutigen Doms erbaut wurde. Nach einem Brand zu Ostern 1064 wurde mithilfe von italienischen Architekten eine dreischiffige Basilika errichtet, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet wurde. Unter anderem wurden die beiden Türme im Westen, die wahrscheinlich bereits Teil des Vorläuferbaus waren, um zwei weitere im Osten ergänzt und die gotischen Seitenkapellen errichtet. In der Zeit der Besetzung durch die Türken von 1543 bis 1686 wurde die Kathedrale als Moschee genützt und war während der Türkenkriege Beschädigungen und Verfall ausgesetzt. Erst nach dem Ende der türkischen Herrschaft konnten Wiederaufbaumaßnahmen durchgeführt werden, wobei hier verschiedene Stilrichtungen Einfluss hatten. Von 1806 bis 1813 wurde die Kirche nach den Entwürfen des österreichisch-ungarischen Architekten Mihály Pollack im für den Künstler typischen klassizistischen Baustil umgestaltet, an der Fassade wurden zwölf Apostelfiguren von Mihály Bartalits angebracht, die mittlerweile allerdings bereits mehrmals renoviert und verändert wurden, zuletzt von Károly Antal. Die heutige neoromanische Gestalt des Doms entstand anläßlich der Jahrtausendfeier der ungarischen Landnahme zwischen 1882 und 1891 nach den Plänen von Friedrich von Schmidt.

5krypta

Auch die aus dem 12. Jahrhundert stammende Krypta, deren Grundmauern sogar aus spätrömischer Zeit stammen, konnten wir besichtigen. In ihr wurden 1991 die sterblichen Überreste des Renaissance-Gelehrten und Bischofs Janus Pannonius (1434-1472) gefunden, wo sie 2008 erneut begraben wurden.

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Csontváry-Museum

Im Anschluss an die Dombesichtigung gingen wir zum Csontváry-Museum, das ausschließlich dem Werk dieses ungarischen Künstlers (1853-1919) gewidmet ist. Csontvárys Werk lässt sich nicht nur einer Stilrichtung zuordnen; vielmehr spannt es einen Bogen vom Spätimpressionismus bis hin zum Expressionismus und zählt auf Grund seiner Motivsprache und symbolhaften Ausdrucksweise auch zum Symbolismus.

Das Museum beherbergt einige der wichtigsten und bekanntesten Bilder des Künstlers, unter anderem das 1907 entstandene A magányos cédrusDie einsame Zeder.

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Interessant sind die vielen Parallelen zwischen Csontváry und seinem Zeitgenossen Vincent van Gogh (1853–1990). Diese sind einerseits biographischer Natur: beide hatten ursprünglich bürgerliche Berufe (Csontváry war Apotheker), beide begannen ihre künstlerische Aktivität relativ spät, beide fassten bewusst den Entschluss, Künstler zu werden, beide eigneten sich das dafür notwendige Handwerk autodidaktisch an, die Persönlichkeit beider wurde vom jeweiligen Umfeld als schwierig empfunden und beide litten wohl an psychischen Erkrankungen. Besonders bemerkenswert ist allerdings vor allem die künstlerische Nähe, die das Werk der beiden Maler verbindet. Neben der für die Epoche typischen hohen Bedeutung von Licht und Farbe zeigen sich vor allem in der ungewöhnlichen Symbolsprache große Ähnlichkeiten. Diese Ähnlichkeiten sollen im Folgenden anhand der symbolischen Interpretation des Motivs des Baums bei Csontváry und van Gogh gezeigt werden.

Der Symbolismus beider Künstler grenzt sich von zeitgenössischen Vertretern dieser Stilrichtung dadurch ab, dass er sich nicht im Abstrakten, Religiösen (zB das Motiv des Gekreuzigten) oder Mythologischen, sondern im Konkreten und sinnlich Wahrnehmbaren manifestiert[1], wie bspw im für van Gogh charakteristischen Thema der Sonnenblume oder im hier interessierenden Thema des Baumes. Aber nicht nur bei der Wahl des Themas, sondern auch bei dessen konkreter Umsetzung sind Parallelen unverkennbar. Die Werke beider Künstler – bei van Gogh trifft das vor allem für sein Spätwerk ab 1888 zu – verweigern sich nämlich den konventionellen Interpretationen, die mit dem Motiv assoziiert werden: der (blühende) Baum als Symbol für Hoffnung, für Eintracht und eine positive Beziehung zwischen dem Individuum und der Außenwelt. Im Gegensatz dazu ist van Goghs Darstellung von Bäumen geprägt von „such aspects as broken branches, the absence of foliage […], on branches pointing downward and toward the left[2], also von (ab)gebrochenen Ästen, fehlendem Blattwerk und Ästen, die nach unten oder links gerichtet sind. All diese Merkmale werden nicht mit Hoffnung, sondern mit Versagen, Frustration, traumatischen Erfahrungen und starker Introversion assoziiert.[3]

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Bild 1: „Baum, vom Wind gepeitscht“ (1883)

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Bild 2: „Sämann bei untergehender Sonne“ (1888)

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Bild 3: „Blick auf Arles“ (1889)

Ein Vergleich mit Die einsame Zeder zeigt, dass sich all diese Aspekte in ganz ähnlicher Ausführung auch in Csontvárys Interpretation des Motivs finden.

Chagall-Ausstellung

In unserer Freizeit hatten wir weiters die Möglichkeit, die temporäre Chagall-Ausstellung im Martyn Ferenc-Museum auf der Káptalan utca, der Museumsmeile von Pécs, zu besuchen. Zu sehen waren zahlreiche Lithographien, die der Künstler (1887-1985) als Vorbereitung einiger seiner berühmtesten Werke anfertigte: 12 Lithographien zu Die 12 Söhne Jakobs (12 Fenster in der Synagoge des Hadassah-Universitätskrankenhauses in Jerusalem), 43 Lithographien zu Chagalls „Odyssee“- Interpretation, 15 Lithographien zum Deckenfresko des Pariser Palais Garnier (Opernhaus) sowie zahlreiche weitere Arbeiten mit biblischen Sujets, die großteils als Vorlage für Kirchenfenster dienten. Die Ausstellung beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Lithographie an sich, der Schwerpunkt lag aber klar auf der Präsentation und Gegenüberstellung der Werke Chagalls. Besonders interessant war, Themen des Tanach (der jüdischen Bibel), die für die Verwendung in einer Synagoge interpretiert und gestaltet wurden, und alt-und neutestamentarische Motive, die für die Gestaltung christlicher Gotteshäuser vorgesehen waren, nebeneinander zu sehen und ihre künstlerische Umsetzung vergleichen zu können. Hierbei wurde erkennbar, dass Chagall die Bibel nicht als Erzählung ausschließlich jüdischer oder christlicher Erfahrungen interpretiert, sondern als eine universelle Botschaft, die an die gesamte Menschheit gerichtet ist.

(E.-M. H.)

* * *

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Nachdem wir den Universitätscampus und das Zsolnay Viertel im Allgemeinen – unter anderem den Lehrstuhl für Kommunikations- und Medienwissenschaften, die Fakultät für bildende Kunst sowie die Ausstellung mit dem Titel „Sammlung von László Gyugyi“ – erkundet haben, im Restaurant Aranygaluska Mittagessen waren, uns die Domkirche, das Csontváry Museum und das Vasarely Museum angesehen haben und dann noch einen Zwischenstopp in der Konditorei Mecsek gemacht haben, konnten wir am Abend zwischen einer Buchpräsentation und einem Konzert wählen. Wir entschieden zu dritt auf das Konzert zu gehen, aber davor stand noch etwas Freizeit auf dem Programm, und diese nutzten wir zum shoppen gehen und wenn es in Pécs ums Shoppen geht, dann ist das Einkaufszentrum „Árkád“ eine gute Adresse.

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Voll bepackt mit unseren Errungenschaften haben wir uns dann wieder auf den Weg ins Zsolnay Viertel gemacht, wo das Konzert stattgefunden hat. Wir waren uns nicht sicher was nun auf uns zukommen würde, wurden aber positiv überrascht. Es spielten 3 Bands, welche alle samt aus Budapest kamen und rein instrumentale Musik machen. Der erste Act war „Makrohang“, ein junges Trio dessen Musik von Hard Rock, Post-Bop und Jazz über Hip Hop, Noise und Minimal geht – und einen derartigen Mix der Stile vereinen sie teilweise in einem einzelnen Lied, also wirklich mal etwas anderes, aber sehr interessant und gut. Dann folgte „SoNaR“, sie mixen electric und acoustic Rock mit electronic Beats und machen somit einfach gute Musik und Stimmung. SoNaR war mein absoluter Favorit an diesem Abend und das, obwohl als letztes noch „Special Providence“ gespielt hat, über die wir uns sagen haben lassen, dass sie von diesen drei Bands diejenigen sind die wohl schon am bekanntesten und erfolgreichsten sind. Aber Musik ist halt nun einmal Geschmackssache und „Special Providence“ mischt Jazz Rock/Fusion mit traditionellem progressiven Metal. Sie haben auch gute Stimmung gemacht und sind zweifelsfrei richtig gut, wenn einem dieser Musikstil gefällt. Es war einfach ein toller Abend und dadurch, dass es kein sehr großes Konzert war, sind wir uns nicht wie Touristen, sondern viel mehr wie Insider vorgekommen.

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Als Abendprogramm am 15. Mai konnten wir aus mehreren Programmpunkten auswählen, einer davon war ein Gespräch mit anschließender Lesung aus Kiss Tibor Noés autobiographischem Buch „Inkognitó“.

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Es handelt davon, wie Kiss Tibor als Junge 1976 in Budapest geboren wird und aufwächst, eine Karriere als Profi-Fußballer macht und schließlich kein Geheimnis mehr daraus machen will, im falschen Körper geboren worden zu sein und sich fortan Kiss Tibor Noé(mi) nennt. Die ernste Thematik, eine Trans-Identität in einem, doch eher konservativerem Land wie Ungarn, öffentlich zu leben, wird dabei aber auf gar nicht all zu ernste Art und Weise geschildert. Zum Beispiel erzählt Kiss Tibor Noé von ganz alltäglichen Problemen, wie der Schwierigkeit eine Perücke zu tragen und unter den herunterhängenden Zweigen eines Baumes durchzugehen, ohne sich darin zu verfangen. Geleitet wurde das Gespräch von Havasréti József, einem Literaturkritiker und Professor für Kommunikation an der Universität Pécs.

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Die Reaktionen auf dieses Buch sind natürlich gemischt, aber durchaus auch positiv. So erzählt Kiss Tibor Noé, dass es nicht nur von Menschen mit einer Trans-Identität, sondern auch von vielen anderen Menschen, die in ihrer Art und Lebensweise nicht der „Norm“ entsprächen, ermutigt hat sich mit der eigenen Identität und Geschichte auseinanderzusetzen und den Mut zu finden, ihr eigenes Leben zu leben.

Das 2010 erschienene Buch hat 168 Seiten und unter der ISBN: 9789632972428 vorerst nur in ungarischer Sprache erhältlich.

(V. P.)

Tag 3

Als krönender Abschluss stand eine kleine „Landeskunde“ – Einheit auf dem Programm:

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In letzter Zeit erfreuen sich alle möglichen Arten von Festivals, die sich meist mit „Essen & Trinken“ beschäftigen, an steigender Beliebtheit. Dazu zählen Mangaliza-, Paprika-, und Weinfestivals, sowie das von uns in Pécs besuchte Bierfestival.

Vielleicht lag es am Blick auf die vier Türme der Basilika St. Peter und Paul, jedenfalls hatte dieses Festival ein besonderes, ganz eigenes Flair. Neben den traditionellen Sachen wie Kürtöskalács – Baumkuchen (der natürlich über Holzkohle gegrillt wurde) und Lángos, ließen diverse gegrillte Speisen das Herz der Besucher höher schlagen.

Da wir uns natürlich nicht nur wegen dem kulinarischen Angebot zum Festival begaben hatten, probierten wir auch einige Bierspezialitäten. Eines unserer Lieblinge war sicher das Kirschbier, welches aber kein heute so beliebtes Biermischgetränk (z.B. Radler) war, sondern tatsächlich vollwertiges Bier mit über 5 % Alkoholgehalt. Sicher nicht jedermanns Geschmack war das Kaffeebier. Um die sicherlich verwirrten Geschmacksnerven wieder in Ordnung zu bringen, konnte man auch einen Pálinka aus einer kleinen Schnapsmanufaktur verkosten.

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Die wahrscheinlich schwierigste Entscheidung des Abends war sicherlich die Glasur des Baumkuchens. Da nach dem Abendessen der Hunger begrenzt war, wir den Heißhunger allerdings nicht stillen konnten, wurde im Rahmen einer Gruppenentscheidung ein Zimt-Baumkuchen ausgewählt.

Das anwesende Publikum war bunt gemischt. Daher gab es auch für die Kleinen eine Minieisenbahn. Möglicherweise zog auch ein vielfältiges Musikprogramm, zu dem auf einer großzügigen Tanzfläche auch getanzt werden konnte, die verschiedensten Altersgruppen an.

(L. A.)

[1] Vgl Németh Lájos, Contribution to a Typology of Symbolist Painting, in Balakian Anna (Hrsg.), The Symbolist Movement in the Literature of European Languages (1982) 452 mwN.

[2] aaO 450.

[3] ebenda.

CIFU: Geschichte und Zukunft, mit Wien-Bezug!

Die internationalen Finnougristenkongresse, Congressus Internationalis Fenno-Ugristarum (nicht mit den “Kulturkongressen” der finnougrischen Völker, so wie 2012 in Siófok und demnächst, 2016, in Lahti, zu verwechseln) stellen das größte und wichtigste wissenschaftliche Begegnungsforum der Finnougristik dar.

Der erste Kongress in Budapest 1960 wurde zur Zeit des kalten Krieges und nur vier Jahre nach dem tragisch beendeten Aufstand organisiert. Damals waren wissenschaftliche Begegnungen zwischen ForscherInnen aus Ost und West noch etwas Seltenes und Wertvolles, und die Kongresse erfüllten neben ihrer wissenschaftlichen Funktion auch eine verdeckte ethnopolitische: Sie gehörten zu den ganz wenigen Kontexten, wo ethnokulturelle “finnougrische” Identitätsfragen öffentlich behandelt werden konnten. Zusammengerufen wurden die Kongresse von einem internationalen inoffiziellen Gremium von anerkannten und einflussreichen Finnougristen; eine “International Society of…”, wie in den meisten Wissenschaftsdisziplinen heute üblich, wäre in der damaligen, vom Eisernen Vorhang geteilten Welt wohl politisch unmöglich gewesen.

Seitdem werden die CIFUs in Fünfjahrestakt und abwechselnd in den “finnougrischen Ländern” organisiert, zuerst im Dreiersystem (Ungarn – Finnland – Sowjetunion), nach dem Zerfall der Sowjetunion kam Estland als Viertes dazu. Dem ersten Kongress folgten Kongresse in Helsinki 1965, in Tallinn (damals Sowjetunion) 1970, dann wieder in Budapest 1975, Turku 1980, in Syktywkar in der damaligen Sowjetrepublik Komi 1985, in Debrecen 1990, in Jyväskylä 1995, in Tartu im mittlerweile wieder unabhängigen Estland in 2000, in Joschkar-Ola, Hauptstadt der Mari in 2005, und in Piliscsaba 2010. Heuer war Finnland an der Reihe, und die Wahl fiel an Oulu, wo zwar keine „Finnougristik“ unter diesem Namen unterrichtet wird, dafür aber Saamisch eine zentrale Rolle spielt. An der Universität Oulu gibt es ein gesondertes Zentrum für saamische Sprache und Kultur, mit zwei Professuren und einer landesweiten Verantwortung für Forschung und Unterricht, z.B. für die Ausbildung von LehrerInnen des Saamischen. Außerdem arbeiten am Institut für Finnisch auch solche ForscherInnen, die sich neben Finnisch auch für die „kleinen“ finnougrischen Sprachen oder – so wie Professor Harri Mantila, Präsident des heurigen CIFU – für Ungarisch interessieren.

Die Universität Oulu, wo am Montag fast 400 KongressteilnehmerInnen aus 21 Ländern ankamen, funktioniert fast ausschließlich am Campus Linnainmaa, mehrere Kilometer von der Stadtmitte entfernt, mitten im Wald.

Im modernistischen Riesengebäudekomplex im Stil der 1970er Jahre konnte man sich besonders in den ersten Tagen gut verlaufen – und es war nicht immer ganz einfach, den Weg zwischen den 5–10 parallelen Sektionen und Symposien zu finden. Oder überhaupt sich zwischen den thematisch vielfältigen Vorträgen zu entscheiden. Das ganze Programm kann man sich von der Website des Kongresses herunterladen, unter “Latest news” gibt es auch Photos von den Kongresstagen.

Auch unser Institut nahm am Kongress aktiv teil:

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Károly Kókai über ungarische Migrantenautoren, am Symposium „Multilingualism and Multiculturalism in Finno-Ugric Literatures“, organisiert von Johanna Domokos und Johanna Laakso

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Mikko Kajander über Existentialsätze von Finnischlernenden, am Symposium „VIRSU: Finno-Ugric Target Languages“, organisiert von Pirkko Muikku-Werner und Johanna Laakso

Bei der Sitzung des internationalen Organisationskommittees wurde dann Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal entschied das Kommittee, den Kongress in einem “nichtfinnougrischen” Land zu veranstalten, und im Jahre 2020 wird sich Wien für einige Tage in die Hauptstadt der internationalen Finnougristik verwandeln. Dies bedeutet natürlich eine große Anerkennung, eine große Ehre und eine Riesenherausforderung für unser kleines Institut. Statt weiterer Erklärungen zitiere ich hier einfach die Rede, die ich bei der Abschlusszeremonie hielt:

Kiitos Harri, kiitos kaikki oululaiset!
Dear colleagues, дорогие коллеги!
We have seen a wonderful, expertly organized congress, with many interesting presentations and an impressive cultural programme, the kind of which we probably will not be able to offer in Vienna. Above all, this congress has been an important step in the direction in which we would like to proceed: away from the stereotypes of national ethnopolitics and romantic clichés of Finno-Ugrianness, towards stronger communication within the international research community inside and outside the traditional fields of Finno-Ugric studies, celebrating diversity and polyphony while really focusing on research and its international standards.
CIFU 13 will take place in Vienna, the city of Maximilian Hell, the astronomer whose idea it was to invite the Hungarian János Sajnovics to an expedition to the Far North, to find out about the relationship between Sámi and Hungarian. (The rest is history.) Vienna is a multicultural city, also characterized by the geographic proximity and centuries-old presence of a major Finno-Ugric language. Choosing Vienna as the location of the next CIFU means recognizing the work in the field of Finno-Ugric studies also done by non-Finno-Ugric people and institutions. It means focusing on the truly international character of Finno-Ugric studies, it calls for openness, international dialogue and international standards of research.
Дорогие коллеги, мы все очень благодарны нашим коллегам в Оулу за организацию этого прекрасного конгресса. Мы надеемся, что и следующий конгресс в Вене сможет удержать научный уровень на той же высоте.
Szeretettel várunk mindenkit Bécsbe! Herzlich willkommen in Wien!

Finno-Ugristics goes Europe – part 1. Unsere Abteilung als Teil des europäischen Erasmus-Netzwerkes

von Andrea Seidler & Johanna Laakso

Das ehemalige Institut für Finno-Ugristik, heute eine Abteilung des Institutes für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien ist seit Mitte der neunziger Jahre fest mit anderen europäischen finno-ugrischen und hungarologischen Instituten im Rahmen der ERASMUS Kooperation vernetzt.

In den ersten Jahren wurde eine solide Basis für das Netzwerk gelegt, mitwirkende Universitäten waren Paris III, Hamburg, Berlin, Firenze, Padova, Jyväskylä, Tartu und Debrecen. Von Beginn an wurde auf zwei Austauschformen gesetzt: 1. die Lehrendenmobilität, die vor allem auf den Forschungs- und Unterrichtsgebieten Defizite ausglich, die an den jeweiligen Instituten nicht sehr stark oder gar nicht vertreten waren und 2. die Studierendenmobilität. In den letzten zwanzig Jahren haben wir an die 100 Professoren und Lehrende ausgetauscht und mehrere hundert Studierende an diverse Partnerinstitute geschickt, um dort ein bis zwei Semester zu verbringen und die Studien unter gänzlich fremden und herausfordernden Bedingungen zu vertiefen.

Im Laufe der letzten zehn Jahre kamen weitere Partnerinstitute dazu: Budapest, Helsinki, Szeged, Oradea, Paris INALCO. Die Kooperation mit Wien erfreut sich großer Beliebtheit und auch unsere Lehrenden und die Studierenden nehmen das sich stets erweiternde Angebot des Auslandsaufenthaltes gerne an.

Im Rahmen der Erasmus-Kooperation ist in den letzten Jahren außerdem ein neues Konzept entstanden, als Fortsetzung der früher organisierten Erasmus-Intensivprogramme: die internationalen Winterschulen der Finno-Ugristik. Die Intensivprogramme in dieser Form werden im neuen Erasmus+-System nicht mehr unterstützt, aber unser Partnerinstitut in München hat einen Antrag für eine strategische Partnerschaft im Rahmen des Erasmus+ eingereicht (InFUSE: Integrating Finno-Ugric Studies in Europe: Innovative resource pooling for a low-volume discipline), wo neben den Partnerinstituten in München, Hamburg, Uppsala, Helsinki, Turku, Tartu und Szeged auch die Wiener Finno-Ugristik aktiv beteiligt wäre. Wir drücken die Daumen.

Wir möchten nun unsere Partner einen nach dem anderen in diesem Blog vorstellen und auch damit einen Beitrag zur noch stärkeren Vernetzung der Finnisch-ugrischen Institute in Europa leisten und zu vermehrter Mobilität anregen.

Universität Jyväskylä, Finnland

Der erste Partner des Netzwerkes, das ursprünglich auf eine finnische-deutsche Initiative zurückging, war die Universität von Jyväskylä in Mittelfinnland. Prof. Tuomo Lahdelma leitet seit den neunziger Jahren den Studienzweig Hungarologie an dieser Universität (heute Teil des Instituts für Kunst- und Kulturwissenschaften). War es früher möglich, hier ein gesamtes Studium der Hungarologie zu absolvieren, später bolognakonform BA und MA Studium, so ist dieses Angebot heute auf ein reines PhD-Studium zusammengeschrumpft. Die Studierenden, die über Erasmus hier her kommen, sollten sich also darüber im Klaren sein, dass sie den Aufenthalt vor allem zum Erwerb und zum Ausbau von Finnischkenntnissen sowie zum Besuch von Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der Fennistik nützen können. Doktoratsstudierende sind natürlich auch im Erasmus-Konzept willkommen in Jyväskylä. Sie werden kompetent betreut, eine Stärke des Institutes ist zweifelsfrei die Literaturtheorie und deren Implementierung vor allem im Bereich der Minderheitenkulturen. Ein weiteres Standbein des Leiters, Prof. Tuomo Lahdelma ist das MA Studium Creative Writing. Ungarische Geschichte und ungarische Filmgeschichte und Theorie kann hier ebenfalls belegt werden. Die Fachleute auf dem Gebiert sind Professor Anssi Halmesvirta und Prof. Jarmo Valkola. Alle drei Kollegen haben unser Wiener Institut im Laufe der Jahre mehrfach besucht und Vorträge bzw. ganze Unterrichtseinheiten oder Lehrveranstaltungen zu ihren Spezialthemenbereichen gehalten.

Der Campus der Universität Jyväskylä ist eine besondere Erwähnung wert. Er wurde in den 50-er Jahren vom finnischen Architekten Alvar Aalto konzipiert und Teile des Gebäudeensembles, zum Beispiel auch das Hauptgebäude durch ihn geplant. Die gesamte Anlage liegt in einem Wald auf einem Hügel über des See von Jyväskylä, umgeben von einem wunderbar lichtdurchlässigen Nadelwald. Licht und Glas spielt in der Architektur Aaltos eine große, das allgemeine Wohlbefinden stark beeinflussende Rolle.

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Wer also in Zukunft Lust hat, einige Monate an dieser ruhigen, aber sehr auf die Betreuung des einzelnen Studierenden Bedacht nehmenden Universität zu studieren, ist herzlich dazu aufgefordert, sich um einen Platz zu bewerben.

Das Netzwerk der Finno-Ugristik wurde bis 2007 von Prof. Andrea Seidler betreut. Danach übernahm Mag. Márta Csire die Koordination. Infos bitte unter Marta.csire@univie.ac.at oder auf unserer Abteilungshomepage unter „International„.