Finno-Ugristics goes Europe – part 1. Unsere Abteilung als Teil des europäischen Erasmus-Netzwerkes

von Andrea Seidler & Johanna Laakso

Das ehemalige Institut für Finno-Ugristik, heute eine Abteilung des Institutes für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien ist seit Mitte der neunziger Jahre fest mit anderen europäischen finno-ugrischen und hungarologischen Instituten im Rahmen der ERASMUS Kooperation vernetzt.

In den ersten Jahren wurde eine solide Basis für das Netzwerk gelegt, mitwirkende Universitäten waren Paris III, Hamburg, Berlin, Firenze, Padova, Jyväskylä, Tartu und Debrecen. Von Beginn an wurde auf zwei Austauschformen gesetzt: 1. die Lehrendenmobilität, die vor allem auf den Forschungs- und Unterrichtsgebieten Defizite ausglich, die an den jeweiligen Instituten nicht sehr stark oder gar nicht vertreten waren und 2. die Studierendenmobilität. In den letzten zwanzig Jahren haben wir an die 100 Professoren und Lehrende ausgetauscht und mehrere hundert Studierende an diverse Partnerinstitute geschickt, um dort ein bis zwei Semester zu verbringen und die Studien unter gänzlich fremden und herausfordernden Bedingungen zu vertiefen.

Im Laufe der letzten zehn Jahre kamen weitere Partnerinstitute dazu: Budapest, Helsinki, Szeged, Oradea, Paris INALCO. Die Kooperation mit Wien erfreut sich großer Beliebtheit und auch unsere Lehrenden und die Studierenden nehmen das sich stets erweiternde Angebot des Auslandsaufenthaltes gerne an.

Im Rahmen der Erasmus-Kooperation ist in den letzten Jahren außerdem ein neues Konzept entstanden, als Fortsetzung der früher organisierten Erasmus-Intensivprogramme: die internationalen Winterschulen der Finno-Ugristik. Die Intensivprogramme in dieser Form werden im neuen Erasmus+-System nicht mehr unterstützt, aber unser Partnerinstitut in München hat einen Antrag für eine strategische Partnerschaft im Rahmen des Erasmus+ eingereicht (InFUSE: Integrating Finno-Ugric Studies in Europe: Innovative resource pooling for a low-volume discipline), wo neben den Partnerinstituten in München, Hamburg, Uppsala, Helsinki, Turku, Tartu und Szeged auch die Wiener Finno-Ugristik aktiv beteiligt wäre. Wir drücken die Daumen.

Wir möchten nun unsere Partner einen nach dem anderen in diesem Blog vorstellen und auch damit einen Beitrag zur noch stärkeren Vernetzung der Finnisch-ugrischen Institute in Europa leisten und zu vermehrter Mobilität anregen.

Universität Jyväskylä, Finnland

Der erste Partner des Netzwerkes, das ursprünglich auf eine finnische-deutsche Initiative zurückging, war die Universität von Jyväskylä in Mittelfinnland. Prof. Tuomo Lahdelma leitet seit den neunziger Jahren den Studienzweig Hungarologie an dieser Universität (heute Teil des Instituts für Kunst- und Kulturwissenschaften). War es früher möglich, hier ein gesamtes Studium der Hungarologie zu absolvieren, später bolognakonform BA und MA Studium, so ist dieses Angebot heute auf ein reines PhD-Studium zusammengeschrumpft. Die Studierenden, die über Erasmus hier her kommen, sollten sich also darüber im Klaren sein, dass sie den Aufenthalt vor allem zum Erwerb und zum Ausbau von Finnischkenntnissen sowie zum Besuch von Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der Fennistik nützen können. Doktoratsstudierende sind natürlich auch im Erasmus-Konzept willkommen in Jyväskylä. Sie werden kompetent betreut, eine Stärke des Institutes ist zweifelsfrei die Literaturtheorie und deren Implementierung vor allem im Bereich der Minderheitenkulturen. Ein weiteres Standbein des Leiters, Prof. Tuomo Lahdelma ist das MA Studium Creative Writing. Ungarische Geschichte und ungarische Filmgeschichte und Theorie kann hier ebenfalls belegt werden. Die Fachleute auf dem Gebiert sind Professor Anssi Halmesvirta und Prof. Jarmo Valkola. Alle drei Kollegen haben unser Wiener Institut im Laufe der Jahre mehrfach besucht und Vorträge bzw. ganze Unterrichtseinheiten oder Lehrveranstaltungen zu ihren Spezialthemenbereichen gehalten.

Der Campus der Universität Jyväskylä ist eine besondere Erwähnung wert. Er wurde in den 50-er Jahren vom finnischen Architekten Alvar Aalto konzipiert und Teile des Gebäudeensembles, zum Beispiel auch das Hauptgebäude durch ihn geplant. Die gesamte Anlage liegt in einem Wald auf einem Hügel über des See von Jyväskylä, umgeben von einem wunderbar lichtdurchlässigen Nadelwald. Licht und Glas spielt in der Architektur Aaltos eine große, das allgemeine Wohlbefinden stark beeinflussende Rolle.

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Wer also in Zukunft Lust hat, einige Monate an dieser ruhigen, aber sehr auf die Betreuung des einzelnen Studierenden Bedacht nehmenden Universität zu studieren, ist herzlich dazu aufgefordert, sich um einen Platz zu bewerben.

Das Netzwerk der Finno-Ugristik wurde bis 2007 von Prof. Andrea Seidler betreut. Danach übernahm Mag. Márta Csire die Koordination. Infos bitte unter Marta.csire@univie.ac.at oder auf unserer Abteilungshomepage unter „International„.

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