Ausblick: Gäste und neue Lehrende im Sommersemester 2015

Johanna Laakso

 

Diese Geschichte hat einen traurigen Anfang und, hoffentlich, ein etwas optimistischeres Ende.

Seit 2003 hat die Wiener Finno-Ugristik in jedem zweiten Semester eine/n GastprofessorIn aus Finnland bekommen (die Liste von allen bisherigen GastprofessorInnen steht auf der Abteilungshomepage). Nach der Pensionierung unserer langjährigen Finnischlektorin Anja-Leena Holtari, die sich gerne auf die Literaturwissenschaft konzentriert hatte, und mit der Einführung von neuen Curricula wurde die Arbeitsteilung so umgestellt, dass die GastprofessorInnen für den Unterricht der finnischen Literaturwissenschaft zuständig sind; auf ihrer Verantwortung sind vor allem die letzten Lehrveranstaltungen des BA-Curriculums, wo unsere BA-Studierende der Fennistik noch eine Vorstellung davon bekommen können, was die finnische Literaturwissenschaft heute bedeutet. Das System wurde gemeinsam von der Universität Wien und vom CIMO (Centre for International Mobility am finnischen Unterrichtsministerium) finanziert und funktionierte reibungslos und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten, bis…

… im vorigen Studienjahr das Finanzierungsmodell des CIMO plötzlich geändert wurde. Wie überall in Europa, muss auch in Finnland gespart werden, und wie wir von CIMO erfahren haben, sollten jetzt die weniger werdenden Gelder an möglichst viele ausländische Partnerinstitutionen verteilt werden – und anstatt der längerfristigen oder dauernden, schon bewährten Kooperationen soll das CIMO jetzt Innovationen, neue Anfänge und kürzerfristige Projekte fördern. Trotz mehrerer Versuche gelang es uns nicht, mit einem Neuantrag zumindest eine kleinere Projektförderung zumindest für die folgenden zwei Jahre zu gewinnen. Für dieses Studienjahr haben wir noch eine Gastprofessur von der Universität Wien finanziert bekommen. Was danach folgen wird, wissen wir noch nicht. Wir können nur hoffen, dass bei den Zielvereinbarungsverhandlungen die Universitätsleitung versteht, wie wichtig die Gastprofessur für uns ist – vor allem, weil in Wien keine qualifizierten finnischen LiteraturwissenschaftlerInnen frei herumlaufen, die man für einen Lehrauftrag anstellen könnte.

In diesem Sommersemester wird also noch eine Gastprofessorin aus Finnland zu uns kommen.

Frau Dr. Tiina Käkelä-Puumala ist eine Literaturwissenschaftlerin, die u.a. an der Universität Helsinki unterrichtet hat. Sie hat besonders das Verhältnis zwischen Wirtschaft, Geld und Literatur erforscht, aber in ihren Publikationen (s. Forschungsdatenbank der Universität Helsinki) behandelt sie auch solche Themen wie Gefühle und Tod in der Literatur. Gemeinsam mit Outi Alanko hat sie ein Handbuch über die Grundbegriffe der Literaturwissenschaft herausgegeben.

 

Außerdem bekommen wir zwei kürzerfristige Gäste aus Finnland, deren Aufenthalte und Blocklehrveranstaltungen teilweise vom CIMO finanziert werden. (Frau Prof. Ruotsala hätte eigentlich hätte uns schon im Herbst besuchen sollen, aber die Lehrveranstaltung musste krankheitshalber abgesagt werden.)

 

Frau Dr. Riitta Oittinen, Lektorin am Institut für Sprach-, Übersetzungs- und Literaturwissenschaften der Universität Tampere ist Spezialistin des multimodalen Übersetzens sowie des Übersetzens von Kinderliteratur. Sie ist auch selbst Übersetzerin und Künstlerin (auf ihrer Homepage, die leider nicht mehr ganz frisch ist, nennt sie sich kuvantekijä, ‘Bildermacherin’), hat Kinderliteratur illustriert und Animationsfilme für Kinder gemacht. Bei uns wird sie eine Blocklehrveranstaltung halten, deren Arbeitstitel vorerst Kuvakirja kääntäjän kädessä ‘Ein Bilderbuch in der Hand des Übersetzers’ lautet.

 

Frau Prof. Dr. Helena Ruotsala ist Professorin für Ethnologie an der Universität Turku. Zu ihren Forschungsinteressen gehören u.a. die Umwelt im Norden und deren Änderungen, Rentierzucht und Tourismus im Hohen Norden, Ethnopolitik und Identitätsfragen. Sie hat mehrere Projekte geleitet, z.B. das Forschungsnetzwerk Gendered Rural Spaces, dessen Forschungsergebnisse in Buchform im 2010 erschienen sind, und das Projekt Rajalla (‘An der Grenze’), wo die Konstruktion von Identitäten und der grenzenüberschreitende Alltag von Menschen in den Zwillingstädten Tornio-Haparanda an der finnisch-schwedischen Grenze erforscht wurden. Gemeinsam mit Doz. Ildikó Lehtinen aus Helsinki hat sie den Alltag der Frauen in ethnischen Minderheitengemeinschaften erforscht; auf den Ergebnissen von Feldforschungen in Mari El basiert der von Ildikó Lehtinen herausgegebene Sammelband ‘Die Töchter des Weißen Gottes’, der 2009 auf Marisch und Finnisch erschien. Über ihren Alltag, ihre Arbeit und ihre Forschungsreisen bloggt sie unter dem Titel „Serendipity“ (http://serendipitybyanethnologist-helena.blogspot.co.at/). Ihre Blocklehrveranstaltung, „Aktuelle Blickwinkel auf die Kulturforschung in Finnland“, wird sich um die ethnologische Erforschung der finnischen Kultur handeln, jenseits der Stereotypien von Schweigsamkeit, Trinksucht und Tangos.

 

Und zu guter Letzt: Da uns heuer überraschenderweise etwas Spielraum mit den Lehraufträgen blieb, werden wir im Sommersemester eine ziemlich einzigartige Lehrveranstaltung anbieten können, mit dem Titel Wer spricht welche Sprache mit wem in der Europäischen Union? Die Lehrbeauftragte, Frau Mag. Katja Jääskeläinen, wohnhaft in Wien und als professionelle Übersetzerin und Dolmetscherin bei ScanLang tätig, arbeitete einige Jahre lang in Brüssel im Rahmen eines Sprachprojekts und wird in diesem Kurs verschiedene Fragen von finnougrischen und anderen „kleinen“ Sprachen in der EU behandeln.

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