Workshop in Warschau im Rahmen des CENTRAL-Projekts 22.–26. Oktober 2018

Seit dem Jahr 2014 treffen sich Hungarologen und Hungarologinnen im Rahmen des CENTRAL Projektes jährlich in den europäischen Hauptstädten (Budapest, Berlin, Prag, Warschau und Wien) um sich gemeinsam über verschiedene Forschungsgebiete auszutauschen, ihre jeweilige Universität vorzustellen, oder auch die ungarischen Spuren in jener Stadt zu zeigen, zu besprechen und zu diskutieren. Ziel dieses Projektes ist dabei jedoch nicht nur das alleinige Besichtigen und das Teilnehmen an den verschiedenen Programmpunkten, sondern vor allem die gezielte Weitergabe von Wissen und die Darstellung des jeweiligen Stand- und Schwerpunktes der einzelnen Fakultäten und Institute. So stand das diesjährige Treffen in Warschau unter dem Thema „Varsói magyar emlékek nyomában“. Der historische Kontext der ungarisch-polnischen Geschichte befand sich dabei im Vordergrund und so sollte sich auch das Programm gestalten.

Im Folgenden beschreiben die Studierenden der Universität Wien (Matthias Schiestl, Elisabeth Hedji, Krisztián Horváth und Flavius Kyrill Blume) in kurzen blogartigen Einträgen die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Perspektive.

Montag 22.10.

Endlich in Warschau angekommen, trafen wir uns Montag abends zum Kennenlernen im Harenda Klub nahe der Universität. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Warschauer Institutes für Hungarologie, Prof. Csilla Gizińska und Dr. Marcin Grad hießen uns herzlich willkommen. Das Buffet war mit regionalen Köstlichkeiten bestückt, die Karaffen stets gefüllt. Ein sehr gelungener Auftakt mit vielen schönen Geschichten aus Ungarn, Deutschland, Tschechien, Polen und natürlich Österreich.

Dienstag 23.10.

Untergebracht waren wir im universitätseigenen Gästehaus Hera. Wer Wert auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis legt, ist hier gut aufgehoben. Direkt am Königsweg (ul. Belwederska) und dem berühmten Łazienki Park gelegen, konnte uns auch das angeschlossene Lokal Hygge mit seinen frischen Frühstücksideen überzeugen.

varso1

Zum ungarischen Nationalfeiertag trafen wir uns direkt vor dem Tor der Universität. Zum Gedenken an den Volksaufstand 1956, der mit einer studentischen Demonstration in Budapest zur Solidarität mit dem polnischen Arbeiteraufstand begann, legten wir Kränze nieder und stimmten die Nationalhymne an.

varso2

Wir besuchten weitere Gedenktafeln, darunter jene für den Freiheitskampf von Franz II. Rákóczi und den Polnisch-Sowjetischen Krieg. Es folgte ein Spaziergang auf der Krakowskie-Przedmieście-Straße mit vielen Sehenswürdigkeiten.

Hier auf dem Pl. Zamkowy (Schlossplatz) lösten wir die gemeinsame Tour auf und konnten in kleinen Gruppen ein Freizeitprogramm gestalten. Wir vier Studierende aus Wien genossen unser Mittagessen in einem Restaurant mit vielen typisch polnischen Gerichten.

Matthias Schiestl

Mittwoch 24.10.

An diesem kalten, jedoch sehr klaren und sonnigen Mittwochvormittag trafen wir uns vor dem Gebäude der Fakultät für Philologie, in dem sich auch das Institut für Hungarologie befindet. Danach wurde uns die Bibliothek des Institutes vorgestellt und wir selbst durften uns die Werke anschauen. Später gingen wir in das gegenüberliegende Gebäude, denn dort befindet sich die Hauptbibliothek der Universität Warschau. Nach einer kurzen Pause besichtigten wir den auf dem Dach der Bibliothek liegenden Garten, von wo aus wir den Blick über Warschau genießen konnten. Die Bibliothek der Universität Warschau bietet jedoch dabei nicht nur schöne Aussichten, sondern auch Studiermöglichkeiten an ruhigen Orten.

varso3

Nach dieser aufregenden Führung gingen wir gemeinsam in die Mittagspause und hatten somit gleichzeitig die Gelegenheit die Mensa einer Qualitätsprüfung zu unterziehen. Später trafen wir uns wieder am Institut für Hungarologie und diesmal sollten wir am Unterricht teilnehmen und aktiv mitarbeiten. Zur Auswahl standen zwei Einheiten, die eine war ein Sprachkurs, die andere über ungarische Literatur. Der Großteil von uns Studenten der Universität Wien besuchte die Lehrveranstaltung für den Spracherwerb, während einer sich für die ungarische Literatur entschied.

varso4

Der Einstieg war sehr aktiv, die Professorin stellte mit Hilfe der Schüler ein Mindmap zusammen, in dem sie Wörter zum Thema „Musik, Kultur, Unterhaltung“ sammelten. Die Studierenden wussten auch so manche Wörter beizusteuern und es war erstaunlich zu sehen wie alle aktiv mitarbeiteten. Danach wurde mit dem Buch gearbeitet und für uns Gäste gab es Arbeitsblätter. Hier mussten wir uns einfügen und uns in Gruppen finden und gemeinsam die nächsten Aufgaben lösen. Nachdem die Lösungen besprochen wurden, ging der interaktive Unterricht weiter und es schien sich alles nochmals zu wiederholen. Zum Abschluss wurde noch Kahoot gespielt, was sehr spannend war, denn gewinnen konnte tatsächlich nur die Gruppe, die das schnellste Internet besaß, da die Fragen sich auf das Unterrichtsthema bezogen und dementsprechend war es auch nicht so schwer die richtige Antwort zu finden.

varso5

Nach dem Unterricht nahmen wir zusammen mit den Warschauer StudentInnen an einem Gedenksymposium für den berühmten polnischen Dichter, Zbigniew Herbert teil. Wir hatten dabei die Gelegenheit den Ausführungen des ehemaligen Professors für Literaturwissenschaft Csaba Kiss Gy. zu lauschen, welcher vor allem die Lyrik Herberts beleuchtete.

Zudem war auch der ungarische Übersetzer und Freund von Herbert, Prof. György Gömöri aus England anwesend. Er berichtete unterhaltsam über seine Erlebnisse und persönlichen Erfahrungen mit Zbigniew Herbert, erwähnte dabei aber auch einige grundsätzliche Dinge über die Arbeit als Übersetzer von literarischen Werken und Texten. Den musikalischen Ausklang des Symposiums bildete der Chor der Hungarologie.

Nach der informativen Veranstaltung trennten wir uns in kleine Gruppen auf, während einige sich ins Hotel zurückzogen, besuchten andere ein Restaurant. Danach trafen wir uns mit den polnischen Studenten in einer Bar. Wir hatten einen lustigen Abend dort und haben uns sehr viel mit den anderen Studenten unterhalten.

Elisabeth Hedji

 

Donnerstag 25.10.

An dem heutigen Tag sind wir genau so früh aufgestanden wie immer und nach einem kurzen Frühstück hatten wir die Ehre, die ungarische Botschaft besuchen zu dürfen. Dort haben wir zusammen mit der Botschafterin über unser Projekt diskutiert und über die Wichtigkeit der ungarischen Sprache in Mitteleuropa (welches auch ein Thema des CENTRAL Projektes ist). Unter anderem hat sie uns davon berichtet, was für Veranstaltungen in Warschau mit ungarischem Bezug organisiert wurden und was für Initiativen in Verbindung mit Ungarn ins Leben gerufen werden. Als Beispiel hat sie das ungarisch-polnische Großwörterbuch erwähnt, wo wir von der professionellen und ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen Ungarn und Polen verwundert waren. Nach einem Gruppenfoto haben wir Mittagessen gegessen und bereiteten uns schon auf das nächste Programm vor, welches sich als eine Art Schnitzeljagd durch das Institut herausstellen sollte.

Am Institut für Hungarologie haben wir mit polnischen Studenten zusammen in Gruppen verschiedene Aufgaben bewältigt. Es gab Fragen zu geographisch wichtigen Ortschaften, Redewendungen, zu der Runenschrift und auch zu Zungenbrechern. Wir Studierenden der anderen Universitäten waren auch hier sehr beeindruckt, wie schnell und wie gut sich die Studenten in Polen das Ungarische angeeignet haben. Die Aufgaben bereiteten jedoch keine Schwierigkeiten unabhängig davon, wie viele Jahre sie bereits Ungarisch studiert hatten. Schließlich ist es zum Vergeben der Platzierungen gekommen, wo die Teilnehmer, die einen Platz erreicht haben, mit Kleinigkeiten beschenkt worden sind. Anzumerken wäre hierbei, dass zwei Studenten der Universität Wien mit ihren Gruppen den fünften und den ersten Platz belegten. Nach diesem interessanten und unterhaltsamen Programmpunkt sind wir zur Königsburg gegangen, wo wir die Möglichkeit gehabt haben, mehr über die polnische Kultur und Geschichte zu erlernen. Unter anderem haben wir die Gemälde von Ludwig I. und Stephan Báthory gesehen, über welche wir Informationen über die geschichtlichen Hintergründe der damaligen Zeit von unseren Gastgebern bekommen haben. Nach der Bewunderung der Geschichte und der Architektur sind wir zum Kulturpalast gegangen, wo wir die wunderschöne Aussicht auf Warschau (im 13. Stock!) auch nachts bewundern konnten. Trotz schlechtem Wetter hatten wir einen gut organisierten und informationsreichen Tag gehabt, was wir natürlich zusammen bei unserem freien Programm in der Nacht beendet haben.

Krisztián Horváth

varso6

 

Freitag 26.10.

Nach einem letzten Abend gemeinsam mit allen anderen standen wir auch Freitagmorgen früh auf. Für den letzten Tag in Warschau gab es noch einen großen Programmpunkt: das jüdische Museum. Nachdem wir alle ausgecheckt hatten trafen wir uns wie immer in der Lobby des Hotels um gemeinsam zu starten. Leider waren unsere Kollegen und Kolleginnen aus Budapest bereits abgereist, sodass wir eine kleinere Gruppe als an den Tagen davor waren.

Nachdem wir das Hotel verlassen und zum Museum gefahren waren, betraten wir es und gerieten sofort in die obligatorischen Sicherheitskontrollen, aber glücklicherweise konnten wir sie ohne größere Probleme passieren. Eine kurze Wartezeit später starteten wir die Ausstellung mit den Anfängen des Judentums. Das ganze Museum präsentierte sich hochmodern mit vielen interaktiven Stationen, Filmen und Texten. Selbst die einzelnen Räume waren als Wohnungen, Straßenzüge oder selbst als Synagoge gestaltet.

varso7

Doch nicht nur die Anfänge des Judentums war das Thema der Ausstellung, sondern auch die Anfänge der jüdischen Gemeinden in Polen, ihre Rolle in den mittelalterlichen Städten, die Situation ab der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert, aber natürlich auch die dunkle Zeit der Verfolgung und des Holocausts, der sich explizit in Polen auf schreckliche Weise darstellte.

Für jeden, der sich gern mit der jüdischen Geschichte, aber nicht nur dieser, sondern auch der polnischen auseinandersetzt, ist das jüdische Museum unbedingt empfehlenswert. Nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder stellt es eine hervorragende Informationsquelle dar.

varso8

Nach etwa drei Stunden und einem letzten gemeinsamen Essen verabschiedeten wir uns voneinander. Jeder nutzte die letzten Stunden in Warschau individuell für sich; manche besuchten noch ein Museum, andere besichtigten die Stadt, wieder andere das Stadion von Legia Warschau, bis jeder entweder Freitagabend oder am Samstag abreiste.

So ging eine wunderbare, informative und von vielen verschiedenen Ereignissen und Erfahrungen geprägte Woche zu Ende. Hoffentlich wird man sich im nächsten Jahr in Berlin wieder treffen.

Flavius Kyrill Blume

Werbeanzeigen

(M)ein Studienjahr an der Universität Tartu in Estland

Mein Name ist Christian Pischlöger, ich bin Doktoratsstudent der Finnougristik an der Universität Wien und im Studienjahr 2017/18 hatte ich die Möglichkeit das Wintersemester mit einem ERASMUS+ Stipendium am Institut für Allgemeine und Estnische Sprachwissenschaft der Universität Tartu in Estland zu verbringen. Aus dem ursprünglich geplanten Semesteraufenthalt wurde dann ein ganzes Studienjahr, da ich die Möglichkeit der Verlängerung wahrnahm, um noch das Sommersemester 2018 anzuhängen. Allein schon die Verlängerung an sich zeigt, dass es mir in Tartu sehr gut gefallen hat, darüber hinaus war der Studienaufenthalt fachlich noch sehr interessant und nützlich. An dieser Stelle versuche ich einen Teil meiner Eindrücke und Erinnerungen an das Studienjahr wiederzugeben. Dies ist zwangsläufig sehr subjektiv und kann nur eine Auswahl sein, der Versuch einer vollständigen Darstellung würde auch den Rahmen eines Blogartikels sprengen. Sollten noch Fragen offenbleiben, bin ich natürlich bereit diese zu beantworten (christian.pischloeger [ätt] gmail.com).

Ich habe das Studienjahr 2017/18 in Tartu sehr genossen und es war sowohl persönlich als auch fachlich eine echte Bereicherung. Auf jeden Fall kann ich jedem und jeder – besonders aber Studierenden der Finnougristik – nur empfehlen die Möglichkeit mit ERASMUS nach Tartu zu gehen zu nutzen.

Persönlich danken möchte ich Johanna Laakso und Márta Csire (Abteilung für Finnougristik, Universität Wien), Tõnu Seilenthal und Gerson Klumpp (Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft, Universität Tartu) sowie Elo-Hanna Seljamaa (Abteilung für Estnische und vergleichende Folkloristik, Universität Tartu). Ebenso danke ich den Internationalen ERASMUS-Büros in Wien und Tartu.

Semesterbeginn

Zu Beginn des Semesters gibt es drei Tage lang einführende Informationsveranstaltungen für ERASMUS Stipendiaten aus dem Ausland, bei denen man Wissenswertes über Studium, Freizeit und die erfreulicherweise sehr schlank gehaltene Bürokratie erfahren kann. Empfehlenswert ist eine möglichst rasche Anmeldung für Veranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl, wie z.B. die Vorstellung des Sportzentrums der Uni. Die habe ich leider versäumt, da kein Platz mehr frei war. Im Prinzip erfährt man in diesen drei Tagen alles, was für einen erfolgreichen Studienaufenthalt notwendig ist. Es sei noch einmal betont, dass die Bürokratie keine große Hürde darstellt, so dass man sich ganz auf das Studium, auf Tartu und seinen Aufenthalt in Estland konzentrieren kann.

Während der dreitägigen Infoveranstaltungen zu Semesterbeginn gibt es auch eine humorvolle Präsentation einer Polizistin, die über die Dos und Don’ts in Estland aufklärt (Bild zum Vergrößern anklicken).

Das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft

Das Lehrveranstaltungs-Angebot am Institut ist sehr vielfältig und die Lehre hat neben der Forschung einen sehr hohen Stellenwert in Tartu. Man muss schon aufpassen, um nicht zu viele Stunden bzw. ECTS zu kumulieren. Am Ende waren es in meinem Fall 72 ECTS (nur die positiv absolvierten LVs, die nicht abgeschlossen sind nicht mitgezählt), die sich allerdings auch aus Lehrveranstaltungen anderer Institute zusammengesetzt haben. Besonders hervorheben möchte ich hierbei das Institut für Kulturanthroplogie (Institute of Cultural Research), in dem ich sehr viel für meine Dissertation (und für zukünftige Projekte), v.a. über Feldforschung, Methodik und Forschungsethik, gelernt habe.

mansisch

Im Rahmen des zweisemestrigen Mansischkurses bei Prof. Gerson Klumpp gab es im Sommersemester eine Woche Intensivkurs mit Prof. Elena Skribnik, LMU München und der mansischen Muttersprachlerin Tatjana Merova, Chanty-Mansijsk (Bild zum Vergrößern anklicken).

Quantitative Methoden und Digital Humanities haben einen großen Stellenwert in Tartu. Hier führt Leandro Ezequiel Koile, ehemals Max-Plank-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Gastlektor in Tartu im Sommersemester 2018, Geisteswissenschaftler in Statistik und R/RStudio ein (Bild zum Vergrößern anklicken).

Neben den „regulären“ Lehrveranstaltungen aus dem Vorlesungsverzeichnis gibt es noch zahlreiche Gastvorträge sowie Winter- und Sommerschulen (z.B. Sprachwissenschaft, Digital Humanities, Narratologie, Anthropologie etc.), bei denen sich die Teilnahme lohnt (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180406_101820

Einwöchiger Workshop „Topics in areal typology (with emphasis on northwestern Eurasia)“ mit Johanna Nichols (Bild zum Vergrößern anklicken).

Das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft, in dessen Rahmen auch das Fach Finnougristik fällt, hat eine lange Geschichte und viele hervorragende Wissenschaftler hervorgebracht und angelockt. Einer davon ist Johannes Voldemar Veski, dessen Büste sich bei ebendiesem Institut im vierten Stock des Gebäudes auf der Jakobi 2. befindet. Je nach Anlass und Saison wird Veski z.B. ein Schal verpasst oder wie in diesem Fall ein Apfel in die Hand gedrückt.

Die Büste von Johann Voldemar Veski vor dem Institut für Finnougristik wird von den Studierenden aus verschiedenen Anlässen dekoriert (Bild zum Vergrößern anklicken).

Estnisch und Estnischunterricht

Das Lehrangebot für Estnisch ist riesig und der Unterricht ist äußerst professionell. Es gibt für alle Niveaus (von A1 bis C2) und Intensitätsstufen Kurse – von zwei Mal zwei akademische Stunden in der Woche bis zehn Wochenstunden und mehr, nach oben hin gibt es fast keine Grenzen. Unterrichtssprache ist entweder Englisch oder Russisch, für Fortgeschrittene natürlich Estnisch. In den Kursen wird einiges verlangt, der Zeitaufwand ist nicht gering, die Progression ist schnell und auch die (Zwischen- und End)Prüfungen sind keine Geschenke. Es gibt sicher leichter zu erlernende Sprachen als Estnisch, aber Esten sind – nicht nur im akademischen Umfeld – in der Regel sehr geduldig und hilfsbereit, wenn man versucht Estnisch zu sprechen. Sollte es einmal mit der Verständigung nicht mehr klappen, kann man auf Englisch oder auch manchmal auf Russisch ausweichen. Es gibt Studierende in Mastersprogrammen oder Lehrende, die sich bereits mehrere Jahre in Tartu aufhalten, aber noch immer nicht Estnisch können. Das finde ich persönlich zwar schade, zeigt aber, dass man in der internationalen Studentenstadt Tartu auch nur mit Englisch durchkommt. In ganz Estland wird übrigens überwiegend Standardestnisch mit wenig Variationen gesprochen, das macht die Sache leichter als in englisch- oder deutschsprachigen Ländern, da die Sprache, die man auf der Uni lernt, auch die Sprache ist, die man in der Wirklichkeit vorfindet.

Der Estnischunterricht ist sehr professionell, das Angebot an Kursen ist reichhältig und bietet – vom Anfänger bis zum Profi – jedem etwas. Die Anforderungen sind hoch, aber Estnischlernen in Tartu macht Spaß (Bild zum Vergrößern anklicken).

Setoland und Setosprache

Die estnische Standardsprache, die heutzutage in Estland überall gesprochen wird – was die Verständigung für Estnischlernende erheblich erleichtert -, basiert im wesentlichen auf Dialekten im Norden Estlands, also dort wo sich auch die Haupstadt Tallinn befindet. Tartu liegt in Süd(ost)-Estland, wo historisch abweichende Dialekte gesprochen wurden und zum Teil noch werden. Besonders in Võrumaa und Setomaa, die sich beide nicht weit von Tartu befinden, gibt es Bestrebungen diese Varianten zu erhalten bzw. zu einer Standardsprache auszubauen und man kann das auch manchmal z.B. auf Aufschriften finden. Die Aufnahme stammt aus Obinitsa, das 2015 finnougrische Kulturhauptstadt war und bis heute Zentrum von Veranstaltungen mit uralischen Themenscdauerndehwerpunkten ist.

Eine Aufschrift auf Estnisch, Seto und Englisch im Dorf Obinitsa, das 2015 finnougrische Kulturhauptstadt war und auch heute noch Schauplatz vieler Veranstaltungen mit ural(ist)ischem Hintergrund ist (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180407_162440

In Obinitsa wurde 2018 das marische Dorf Šorunža zur finnougrischen Kulturhauptstadt 2019 gekürt. Im Bild die Präsenation der ungarischen Stadt Zirc, Geburtsort von Antal Reguly, einem Pionier der Finnougristik (Bild zum Vergrößern anklicken).

Uralische Sprachverwandte in Estland

In Tartu und Tallinn gibt es relativ große uralische, meist gut organisierte Diasporen (z.B. Udmurten, Maris), die v.a. zum Studium nach Estland  gekommen sind, zum Teil auch nach dem Studium in Estland geblieben sind und immer wieder Konzerte, Lesungen etc. veranstalten.

Nikolaj Anisimov und Maria Korepanova aus Udmurtien bei einem konzertanten Auftritt mit einem estnischen Künstler im Estnischen National Museum (ERM, s.u.). Kontakte mit uralischen Sprachverwandten aus Russland sind in Wien Seltenheit, in Estland fast die Regel (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20170923_152248

Stand der Maris in Estland am alljährlichen Ethnojahrmarkt im historischen Stadtzentrum von Tallinn (Bild zum Vergrößern anklicken).

Essen und Trinken

Tartu ist eine Studentenstadt und das spiegelt sich auch im Essensangebot wieder. Fast überall wird ein relativ preiswertes Mittagsmenü um die 3,5-5€ angeboten, das oft aus Schweinefleisch und Erdäpfeln in allen Variationen besteht. Es gibt aber natürlich auch internationale Küche (indisch, chinesisch, armenisch, georgisch etc.), vegetarische und sogar vegane Mittagsmenüs, so dass jede/r für sich etwas passendes finden kann. Getränke können zum Menü mitbestellt werden, das ist aber kein Muss und wird meistens auch nicht erwartet. Mit Studentenausweis (empfehlenswert zu Semesterbeginn ausstellen zu lassen!) gibt es oft auch noch Rabatte.

Preiswerte Mittagsmenüs, nicht nur für Studierende, gibt es in Tartu fast überall. Mit 3,5-5€ ist man dabei (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180127_140025

Im ganzen Baltikum, so auch in Estland, gibt es fast überall – in Restaurants, Raststätten etc. – eine preiswerte Suppe, deren Name „Seljanka“ auf ihren russischen Ursprung hinweist. Anders als die russische „Soljanka“ ist die estnische (bzw. baltische) Variante aber dicker und kann so durchaus auch als Hauptmahlzeit dienen. Das Getränk auf dem Foto ist nicht Bier, sondern alkoholfreier Kwass (estn. Kali). Die Aufnahme stammt von einer Raststation in Lettland, könnte aber überall in Estland aufgenommen worden sein (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20170814_190913

Gute Nachricht für Biertrinker: Estland verfügt über zwei große Brauereien, die durchaus anständiges Bier herstellen. Eine ist in der Hauptstadt Tallinn, die andere in Tartu, wo ich auch an einer Führung teilgenommen habe (s. Selfie aus der Brauerei). Neben estnischem und internationalem Bier gibt es sogar österreichische Weine in Tartu, die zwar nicht billig, aber von guter Qualität sind (Bild zum Vergrößern anblicken).

IMG_20170814_144052

Im Museum der Brauerei findet man auch historische Zeugnisse des dreisprachigen Estlands. In gewisser Weise gilt das noch heute, allerdings hat das Englische die Position des Deutschen übernommen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Café Werner

Gegründet wurde das Kaffeehaus 1895 von Johann Werner, der meines Wissens aus Wien stammt (ich lege dafür mein Hand nicht ins Feuer, ich habe die Geschichte im Radio auf Estnisch gehört) und man kommt kaum an ihm vorbei, wenn man in Tartu studiert. Es liegt gegenüber dem Institut für Kulturanthropologie und ca. 50m von Jakobi 2 bzw. Lossi 3, wo sich auch das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft mit der Finnougristik befindet. Es ist nicht billig – um nicht zu sagen ganz schön teuer -, die Qualität spricht aber für sich und das Angebot weist auch eine gewisse Innovativität auf. Geheimtipp: zum Frühstück gibt es Haferbrei für wenig Geld.

Das Café Werner setzt nicht nur auf Qualität, sondern auch auf Innovativität, hier z.B. eine Tortenkreation aus Sprotten (estn. „kilu“) und Ei (Bild zum Vergrößern anklicken).

Der „Saatse-Stiefel“ und Russland

Der „Saatse-Stiefel“ ist ein Kuriosum: eigentlich russländisches Hoheitsgebiet, das nach Estland hineinragt, braucht man dennoch kein Visum, um ihn zu passieren (man darf aber weder anhalten, noch aussteigen). Aber selbst wenn man z.B. ins nahe Sankt Petersburg fahren will, bekommt man auch als Österreicher relativ leicht, schnell und unbürokratisch ein Visum ohne sich z.B. um eine Einladung oder Versicherung kümmern zu müssen. Das erledigt alles entweder eines der spezialisierten Reisebüros oder das Visazentrum in der Ülikooli 2a.

Ohne Visum durch Russland, der Stiefel bei Saatse macht es möglich. Aber auch sonst kommt man in Estland relativ leicht zu einem Visum, will man z.B. das nahe Sankt Petersburg besuchen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Museen

Estland ist ein Land der Museen, stellvertretend soll hier das Estnische Nationale Museum (ERM) genannt werden. Eine große Rolle im ERM spielen die uralischen Sprachverwandten in Russland, denen eine ständige Ausstellung namens „Echo des Urals“ gewidmet ist. Die andere ständige Ausstellung „Encounters“ beschäftigt sich mit der Geschichte Estlands von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Daneben gibt es auch temporäre Ausstellungen und immer wieder Veranstaltungen wie Lesungen, Tanzvorführungen (z.B. von Uraliern oder den baltischen Nachbarn), Theaterstücke, Filmfestivals etc.

IMG_20171022_152504

„Echo des Urals“ ist eine ständige Ausstellung, die den uralischen Sprachverwandten der Esten in Russland gewidmet ist (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180502_160007

Die ständige Ausstellung „Encounters“ ist der Geschichte Estlands von der Urgeschichte bis jetzt gewidmet. Besonders viel Aufmerksamkeit wurde dabei der Darstellung des Alltags gewidmet (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20171022_145419

Udmurtische (Ethno)Modeschau im Estnischen Nationalmuseum (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180319_114301

Das Filmfestival „Tartu World Film Festival“ im Estnischen Nationalmuseum ist ganz der visuellen Anthropologie gewidmet, wobei auch Dokus über uralische Völker dabei sind (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180315_190901

Ein szenische Darstellung des Romans „Die sieben Brüder“ des finnischen Schriftstellers Aleksis Kivi in Form eines Theaterstückes im ERM.

Freizeit – Schwimmbad „Aura Veekeskus“

Für Leute, die schwimmen und nicht plantschen wollen, sehr gut geeignet, da immer Leinen gespannt sind und man eigentlich immer eine Bahn findet, um seine Runden zu ziehen. An den Bahnen kann man übrigens sehen, ob Ferienzeit ist (Leinen der Länge nach gespannt, also 50m Bahnen) oder ob gerade das Semester läuft (Leinen quere gespannt, als 25m Bahnen). Die gute Sauna ist im Preis inbegriffen. Der Preis für das Schwimmbad ist relativ hoch und leider gibt es keine Monats- oder Jahreskarten. Mit Studentenausweis (der überhaupt empfehlenswert und altersunabhängig ist, es sei noch einmal erwähnt!) gibt es allerdings eine Ermäßigung. Außerdem verfügt das Wasserzentrum über einen Spa-Bereich, den ich allerdings nicht benutzt habe. Sollte im Wasserzentrum gerade ein Wettkampf stattfinden, gibt es die Möglichkeit auf das Arena-Bad in der Nähe der Universität der Umweltwissenschaften („Maaülikool“) auszuweichen.

IMG_20170811_055601

Das Aura-Wasserzentrum (Aura-Veeskeskus) bietet Schwimmern in der unterrichtslosen Zeit 50m-Bahnen und während des Semesters 25m-Bahnen. Die Sauna ist natürlich im Preis inbegriffen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Anstelle eines Résumés noch ein paar Bilder

IMG_20171028_174055

Das Jahr 2018 war sowohl für Estland als auch für Finnland ein Jahr der Feiern zum 100. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit (die sich im Fall Estlands nicht ohne Unterbrechungen gestaltete) (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20171207_184655

In Tartu und ganz Estland gibt es im Winter Schneegarantie. Zeitweilig fürchtete ich sogar um mein Auto, aber man bekommt auch winterfesten Diesel bis zu -35° (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180430_152405

Aber besser als mit dem Auto ist man in Tartu mit dem Fahrad unterwegs. Auch zu Fuß kann man die meisten Ziele gut erreichen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind billig, sofern man einen Studentenausweis hat (der altersunabhängig ist! Es reicht die Inskription an einer Uni) (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20180127_205924

Wochenendausflug nach Šiauliai in Litauen. Konzert der legendären russischen Rockgruppe „Маšina vremeni“ (Zeitmaschine), das auch Fans aus Westeuropa angelockt hat (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20170917_121347

Sport wird in Tartu großgeschrieben, hier ein Rollski-Wetbewerb in der Nähe der Estnischen Universität der Umweltwissenschaften (Eesti Maaülikool), in deren Studentenheim ich untergebracht war. Standardmäßige Unterkunft für ERASMUS-Studierende unter einem Jahr wäre eigtl. Raatuse 22, aber u.a., weil ich nicht ausschließlich Englisch kommunizieren wollte, habe ich diese Alternative gewählt (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20171121_155548

Tartu ist eine ruhige Stadt, die von der Universität und ihren Studierenden geprägt ist. Hier kann man sich ganz dem Studium und der Forschung widmen (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20171110_161142

Auch das Kunsthandwerk hat in Estland großen Stellenwert. Hier ein Museum für gestrickte Handschuhe in der Nähe von Viljandi, wo sich die Kunstakademie – eine Außenstelle der Universtät Tart – befindet. Eine Mitarbeiterin der Akademie hat sogar einen Zweitstudienabschluss in Semiotik über die tratitionellen Strickmuster abgeschlossen.

IMG_20170816_160716

Bis auf die Städte ist Estland nur dünn besiedelt, es gibt viel mehr oder weniger vom Menschen unbeeinflusste Natur. Hier eine Moorwanderung in der Nähe von Tartu (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20170902_124708

Der Peipsi-See unweit von Tartu ist der fünftgrößte See Europas und bildet die Grenze zu Russland. Von Tartu kann man mit einem Boot über den Emajõgi auf die größte von mehreren Inseln, Piirissaar, fahren.

 

IMG_20171020_084604

Ein Bild, das sich mir täglich geboten hat, wenn ich morgens entlang des Emajõgi (dt. Embach) mit dem Fahrrad ins Schwimmbad mit anschließender Sauna gefahren bin. Nur, dass es im Winter noch dunkel war (Bild zum Vergrößern anklicken).

IMG_20171215_161844

Passend zum Zeitpunkt des Postings noch ein Bild des Hauptplatzes („Raekoja plats“, eigtl. Rathausplatz) zur Weihnachtszeit (Bild zum Vergrößern anklicken).

Workshop „Prágai magyar emlékek nyomában“ in Prag

6.11.2017 bis 11.11.2017

im Rahmen des CENTRAL-Projektes  „Ungarische Sprache, Kultur und Landeskunde im mitteleuropäischen Kontext“

Im November 2017 fand der Workshop „Prágai magyar emlékek nyomában“ im Rahmen des CENTRAL-Projektes „Ungarische Sprache, Kultur und Landeskunde im mitteleuropäischen Kontext“ statt. Die Teilnehmenden kamen von der Berliner Humboldt-Universität, von der Budapester Eötvös-Lorand-Universität sowie von der Universität Wien. Ausgerichtet wurde der Workshop durch die Prager Karlsuniversität in Person von Simona Kolmanová, der dortigen Lehrstuhlinhaberin für mitteleuropäische Studien. Der Workshop verfolgte das Ziel, sich gemeinsam auf Spurensuche nach ungarischen kulturhistorischen Einflüssen in Prag zu begeben und die Stadt kennenzulernen.

Nach der Ankunft am Prager Hauptbahnhof fuhren wir in den Nordwesten der Stadt, um im 6. Bezirk unsere Unterkunft für die kommenden Tage zu beziehen. Am Abend fand in einem Restaurant in Smíchov ein erstes Kennenlernen der Teilnehmenden des Workshops statt. Der Dienstag war dann der erste Tag mit einem vollen Programm. Am Morgen wurden wir durch die Direktorin Gertrud Kelemen zu einem Frühstück im Balassi Institut, dem ungarischen Kulturinstitut von Prag, empfangen. Nach einer Präsentation der Aufgaben des Instituts, war die erste Station unserer Stadtspaziergänge das Karolinum, der einzigartige Gebäudeblock der Prager Karlsuniversität, dessen erste Gebäude bereits 1383 errichtet wurden. Heute erscheint das Gebäude vorwiegend im barocken Stil, nachdem das Gebäude 1718 und zuletzt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umgebaut worden war. Ein Höhepunkt war hier die Besichtigung der Aula Magna, welches jener Saal ist, in dem die Diplome der Absolventen und Absolventinnen verliehen werden.

prag1

Am Abend nahmen wir an einer Besichtigung des ungarischen Kulturinstituts teil, wo wir bereits am Morgen zu Gast waren. Im Fokus stand hierbei die öffentlich zugängliche Bücherei des Instituts sowie die Erinnerungsausstellung „Hajnalodik“ (auf Deutsch „Dämmern“) des Zeichenkünstlers Zsolt Czakó, der das Ziel hatte, Erinnerungen an den Volksaufstand von 1956 durch die künstlerische Bearbeitung und die graphische Neuinterpretation wieder zu beleben. Der letzte Programmpunkt des Tages war das Ansehen des Theaterstücks „Virágeső”, ebenfalls im Kulturinstitut.

prag2

Das Stück zeigte verschiedene Episoden aus der Beziehung eines Schauspielerpaares aus dem historischen Oberungarn, welches sich heute zum Großteil in der Slowakei befindet, über einen Zeitraum von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Gezeigt wurden ihre Erfahrungen mit der Freiheit, und deren Einschränkung in der Ära des Kommunismus. Immer war die Frage präsent, welchen Einfluss die sozialistische Regierung auf die kulturelle Freiheit ausübte, insbesondere auf die in der Tschechoslowakei lebende ungarische Minderheit. Vorkörpert wurde der Hauptdarsteller durch Mátyás Dráfi, der selbst als Mitglied der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei geboren wurde und dessen biographische Erlebnisse in das Theaterstück des Regisseuren Pál Csáky eingeflossen sind. Der Abend war sehr geeignet, darüber nachzudenken, wie es sich das Leben der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei während des Kommunismus entwickelt hat.

prag3

Am Mittwoch war der Treffpunkt um 9:30 Uhr vor dem Rudolfinum. Von dort aus führte uns Annamária Péntek bis zur Altstadt und zeigte uns ungarische Spuren in Prag. Wir besuchten das älteste Rathaus der Stadt. Das Rathaus wurde ab 1338 gebaut. Wir haben uns diverse Räume im Gebäude angesehen. Diese waren die alte Ratshalle, der Jiřík-Saal, der Brožík-Saal und der Kreuzgang. Wir besichtigten des weiteren die philosophische Fakultät der Karls-Universität, den alten jüdischen Friedhof, das jüdische Rathaus, die altneue Synagoge, den Altstadtplatz und die astronomische Uhr von Prag. Das Uhrwerk dieser Uhr stammt aus dem Jahr 1410.

prag4

Nach dem Stadtrundgang aßen wir alle zusammen in einem typisch tschechischen Restaurant zu Mittag. Danach gingen wir auf unsere Zimmer zurück und machten uns für den Besuch bei der ungarischen Botschaft fertig.

Am Nachmittag wurden wir vom ungarischen Botschafter in der Botschaft empfangen. Neben Kaffee, Tee und Kuchen durften wir dem Botschafter Fragen stellen. Eine Diskussionsrunde begann, in der unter anderem die aktuelle Situation von ungarischen Minderheiten im Ausland diskutiert wurde. Vom Botschafter erfuhren wir, dass es für Ungarn sehr wichtig sei, diese Minderheiten zu schützen und aufrecht zu erhalten.

Nach diesem informationsreichen Nachmittag starteten wir direkt von der ungarischen Botschaft mit Jan Geier, einem Prager Studenten, der freundlicherweise die Stadtführung übernommen hat, in das Burgviertel von Prag. Im Burgviertel besichtigten wir unter anderem die Prager Burg. In der Burg sahen wir die Statue der kämpfenden Titanen, den St. Veit-Dom, den alten königlichen Palast und das St. Georg Kloster. Des weiteren besichtigten wir noch das Ministerium für äußere Angelegenheiten, welches der Schauplatz des dritten Prager Fenstersturzes im Jahr 1948 war. Das Kloster Strahov und die dortige Liegewiese, von wo man einen guten Blick auf die Stadt hat, besuchten wir auch. Außerdem sahen wir den Hradčany Platz und die Statue von Tomáš Garrigue Masaryk.

Von dort aus ließen wir den Abend in einem Restaurant ausklingen. Im Restaurant haben wir sehr gut gegessen und getrunken und gingen anschließend in unsere Unterkunft zurück.

 

Am Donnerstag machten wir eine Stadtführung durch die Prager Altstadt. Die Führung begann beim Treffpunkt Malostranské námesti. Von dort ging es zum Kleinseitner Brückenturm, zur Karlsbrücke und zum Altstädter Brückenturm. Anschließend besuchten wir die Kirche von St. Franz von Assisi. Von der Kirche ging es zum Klementinum, zum Bedricha Smetana Museum und zum Krannerova Kasna. Dann war es auch schon wieder Mittag und wir gingen in ein Restaurant Mittagessen.

Am Nachmittag setzten wir die Stadtführung in der Neustadt fort. Die Führung begann mit einem Besuch beim Nationaltheater und beim Nationalpalast. Anschließend sahen wir kurz das Café Louvre und besuchten danach den Innenhof des Platýz Palast. Die Stadtführung endete mit dem Besuch der Franz-Kafka-Statue. Am Abend gingen wir wieder in einem Restaurant essen. Wir saßen noch einige Zeit im Restaurant und haben uns gut unterhalten. Danach ging es wieder zurück in die Unterkunft.

prag5

prag6

Am Freitagmorgen hat Prag nach dem Aufstehen auf uns gewartet, um noch genauer entdeckt zu werden. Wir starteten unseren Stadtrundgang von einem Restaurant aus, wo wir am vorigen Tag den Abend zusammen mit Lust und Laune verbracht haben. Zuerst sind wir nach Vyšehrad gegangen und dort haben wir mit der Hilfe von Jan Sehenswürdigkeiten angeschaut, unter anderem den Friedhof, die Kirche St. Peter und Paul, die Rotunde St. Martins und das Chotek-Tor. Die Aussicht und die

Geschichten, die Jan uns erzählt hatte, haben uns wirklich einen Überblick über die Geschichte der Altstadt verschafft. Nachdem wir damit fertig geworden sind, haben wir zusammen einen Ort gesucht, wo wir essen konnten. Schließlich ist es uns gelungen, und wir haben gegessen. Schon war es Nachmittag und wir hatten noch viel vor uns.

Unser nächstes Ziel war die Karls-Universität, wo wir uns zusammengesetzt haben, und über unsere Erlebnisse diskutiert haben. Während dessen ist noch die Zukunft des Projektes ins Gespräch gekommen. Viele der Teilnehmende versuchten ihre Ideen beizusteuern, um die Weiterführung dieses Projektes mit neuen Inhalten auch in Zukunft zu ermöglichen. Den letzten Abend haben wir in einem Lokal verbracht, wo wir die guten Erinnerungen der Woche wieder besprochen haben. Man konnte fühlen, dass die Gruppe sich mit der Zeit näher gekommen ist. Mit guter Laune haben wir uns bis in die Nacht hinein unterhalten. So ist für uns eine wunderschöne Zeit zu Ende gegangen, die wir nie vergessen werden.

Nachdem wir unseren letzten Abend zusammen verbracht haben, ist am Samstag die Zeit gekommen, um die Erfahrungen nach Hause zu bringen. In der Früh haben wir unsere Sachen zusammengeräumt, danach noch schnell Souvenirs gekauft, und am Nachmittag ist unser Zug von Prag nach Wien abgefahren. Wir möchten uns hier noch einmal im Namen der Universität Wien dafür bedanken, dass die Kollegen in Prag für uns so eine schöne Woche veranstaltet haben.

prag7

A very exciting evening for all book lovers at the Finno-Ugric department of Uni Wien

Written by our student Theodora Rouseva

Vienna University

I became familiar with the title of Ilmar Taska’s novel Pobeda 1946 last April, after the biggest Finnish daily newspaper Helsingin Sanomat listed his work among the most remarkable books of the year. Since then, I have been following the growing elation of his readers on social media. That was why the ad about the book presentation featuring Mr. Taska as a special guest was a very pleasant surprise for me.

Vienna University 2

The event took place on 9th November at the Finno-Ugric department of Universität Wien. It was organized by the Estonian Embassy in Austria, the Kommode Verlag publishing house and the Universität Wien. Its aim was to launch the novel’s German translation as well as to introduce Mr. Taska to Viennese audience. Other important guests included the ambassador of Estonia in Austria, Rein Oidekivi, and the editor of Kommode Verlag, Annette Berger. The event was hosted by Triinu Viilukas, a lecturer of Estonian language at Universität Wien.

Vienna University 3

Ilmar Taska is a writer, film and theater director, screenwriter and producer. He is also well- known for establishing the first private Estonian TV-channel, “channel 2” in the beginning of the 90s. Taska was born in the city of Kirov, then the USSR (present day Russia). His family was deported from Estonia during Stalin’s repressions. He went to the Moscow Film Institute (VGIK) and then studied at the Swedish Film Institute (Dramatiska Institutet) in Stockholm. He was granted a scholarship and furthered his studies in Hollywood, where he worked as a screenwriter and a producer. He directed the films Set Point (2004) and Thy Kingdom Come (2010), co-wrote and produced the film Back in the USSR (1992) and produced the films Candles in the Dark (1993) and Out of the Cold (1999). He has also directed plays in London (Power of Love, 2010), Los Angeles (Lavender Love, 2011) and Tallinn (One Summer Night in Sweden, 2012).

A book of Ilmar Taska’s short stories and his autobiographical novella Better than Life (Est. Parem kui elu, EPL Kirjastus, Tallinn) was published in Estonia in 2011. In 2016, his novel Pobeda 1946 (russ. победа ‘victory’, English title A Car Called Victory), based on a short story he wrote a few years earlier with the title Pobeda, became a bestseller and was praised by the critics. The German version was published this year by Kommode Verlag.

The evening was very pleasant and inspiring. Ilmar Taska shared some interesting facts about the novel’s main idea and characters, the process of writing and the research he did on historical events. He also shared some childhood memories, talked about his family, and explained how his background had influenced his work both in writing and filmmaking. He paid special attention to every question asked, which was deeply appreciated by the audience.

I found the presentation very stimulating and my curiosity about the novel grew so big, that I began reading the book once I got home. I was immediately immersed in the world seen through the little boy’s eyes. The story consists of skillfully described scenes, where named and anonymous characters are adapting to the new regime in Estonia after World War II. Their most personal thoughts give the reader a possibility to get familiar with their values, feelings and morality before judging them. There are many situations, which raise very strong ethical questions. The story is so thrilling to read, because it reveals how the border between good and evil, friends and family, seems to blend, whereas the new circumstances recreate new borders not only on the map, but also in peoples’ minds.

Regisseur Árpád Schilling an der Finno-Ugristik

Am 20. November 2017 war Árpád Schilling zu Gast an der Finno-Ugristik.

Árpád Schilling ist in erster Linie als Theaterregisseur bekannt. Er erhielt in den vergangenen Jahren im verschiedenen europäischen Ländern hochangesehene Preise und hat mit seinen Arbeiten internationale Aufmerksamkeit geweckt. In Österreich ist er auch nicht unbekannt: im Jahre 2005 und im Mai 2017 inszenierte er am Burgtheater, im Dezember 2017 feiert er eine Premiere am Landestheater Sankt Pölten.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Schilling auch ein politischer Aktivist, verteidigt demokratische und liberale Werte, und übt eine scharfe Kritik an Viktor Orbáns Politik.

23755067_10159756545620604_3790383166514871545_n

In seinem Gastvortrag hat Árpád Schilling einen Überblick über die ungarische Kulturpolitik von der Wende bis heute gegeben.

Schilling hat in seiner sehr logisch begründeten Analyse erzählt, wie die politische Elite in Ungarn die wirtschaftlichen Mittel und dadurch auch die Macht enteignet und eine eigenartig interpretierte „Demokratie“ geschaffen hat. Aus dieser Demokratie wurden nur gerade diejenige ausgegrenzt, ohne die eine Demokratie nie existieren kann, nämlich die einzelnen Menschen, also das Volk. Dafür trägt die politische Elite die Verantwortung. Orbáns Regierung hat das Volk unter eine Vormundschaft gestellt, und hat den Menschen das Gefühl gegeben, dass die Regierung an ihrer statt alle Probleme lösen wird. Zwischen Individuen und Politikern gibt es keine Verbindung mehr, die Menschen verstehen nicht, warum und wie Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. In dem System, das Viktor Orbán geschaffen hat, kann man nicht über Kultur, sondern nur über Interessen reden, die alles beherrschen. Das ist ein Zustand ohne Kultur, oder in der Interpretation von Orbán ist das die Demokratie, so Schilling. Was in dieser Situation die Theaterwelt betrifft: Die staatlichen Theater sind eigentlich Teil dieses Systems. Die unabhängigen Bühnen kämpfen dafür, am Leben bleiben zu können und bekommen keine staatlichen Finanzierungsmittel. Das Schlüsselwort des Vortrages „Entropie“ definiert Schilling im Verbindung mit Kultur als einem geschlossenen System, in dem die Kultur sich selbst liquidiert, vernichtet.

23658424_10156245729750695_467795293247612555_n

23722597_10156245964385695_448858780834829020_n23755080_10156245729755695_2262878168759176207_n

Dem Vortrag folgte eine intensive Diskussion mit zahlreichen Fragen und Kommentaren.

Der Vortrag selbst hatte keinen optimistischen Ausklang, aber das Thema und der Vortragende selbst haben das Publikum davon überzeugt, dass diese Problematik offen diskutiert werden muss.

Wir bedanken uns bei Árpád Schilling für seine Ausführungen und bei Károly Kókai für das hervorragende Dolmetschen.

23755427_10156245729720695_7275658063647418960_n

Exkursion Pécs, 25.-28. Mai 2017

(Dieser Text wurde leider für einige Monate auf dem virtuellen Schreibtisch der Blogeditorin unter verschiedenen anderen Aufgaben virtuell begraben. Aber besser spät denn nie, ami késik, nem múlik! Hier also der Bericht der Gruppe Ungarischer Spracherwerb VI, unter der Leitung von Márta Csire.)

pecs1b

 

26. Mai 2017, Vormittag

Um ca. 9 Uhr gehen wir zur Universität Pécs, und zwar zur Philologischen Fakultät. Dort suchen wir das Seminar für Finno-Ugristik auf.

Wir werden auf das Herzlichste von Frau Dr. Éva Fancsaly empfangen. Sie erzählt uns von der Geschichte des Seminars und den Forschungs- und Unterrichtstätigkeiten der MitarbeiterInnen.

Ein besonders trauriges Ereignis war der Tod des beliebten und bekannten Kollegen Dr. Attila Dobó, der am 19. Juli 2016 erst 61-jährig ganz plötzlich verstorben ist.

Das zweisprachig, deutsch-ungarisch aufgewachsene Sprachtalent konnte unglaublich schnell Sprachen erlernen.
Außer Deutsch und Ungarisch sprach er noch Finnisch, Komi, Udmurtisch, Baschkirisch, Türkisch, Englisch, Russisch, Italienisch usw.

(Die Komi-Sprachen gehören zur permischen Gruppe der uralischen Sprachfamilie. Man unterscheidet Komi-Syrjänisch und Komi-Permjakisch. Udmurtien ist eine Republik im russischen Föderationskreis Wolga, westlich des Uralgebirges. Baschkirisch ist eine westtürkische Sprache.)

 

pecs3b

Am Seminar für Finno-Ugristik mit Éva Fancsaly. Foto Márta Csire

Wir bekommen zwei Bücher geschenkt: „Finnugor rokonságunk“ von Miklós Zsirai und „Finnugor kalauz„, eine Einführung in die finnisch-ugrischen Völker und Kulturen.

Danach besuchen wir das Seminar für Hungarologie und Angewandte Sprachwissenschaft. Wir werden vom Leiter des Seminars Dr. Tibor Szűcs willkommen geheißen. Er erklärt uns die Organisation der Universitäten in Ungarn und deren finanzielle Probleme.

Die Universität in Pécs ist die älteste Ungarns und feiert dieses Jahr ihr 650-jähriges Jubiläum. Sie gliedert sich in zehn Fakultäten (Medizin, Rechts-, Wirtschafts-, und Naturwissenschaften, Technik, Philosophie, Kunst, Pädagogik, Gesundheitswesen und Erwachsenenbildung und Personalentwicklung) mit ca. 30.000 Studenten. Die Philosophische Fakultät ist eine autonome Einrichtung für Bildung, Forschung und das öffentliche wissenschaftliche Leben.

Im Anschluss spazieren wir durch die Innenstadt und besichtigen die beeindruckende Kathedrale. Wir steigen in die Unterkirche hinunter, wo auch der ungarische Renaissance-Humanist und ehemalige Bischof von Pécs, Janus Pannonius (1434–1472) beigesetzt wurde. Danach gehen wir auf den Turm hinauf, von wo wir eine herrliche Aussicht genießen.

pecs4

Die Kathedrale St. Peter und Paul mit Fernsehturm im Hintergrund. Foto: Márta Csire

 

Schließlich geht es zum Mittagessen in ein Selbstbedienungsrestaurant.

Susanna Hoza

Nachmittag

Nach dem Mittagessen, das uns allen sehr gut geschmeckt hat, gehen wir zum Széchenyi tér und lassen uns in der Mecsek cukrászda gegenüber des Dschami des Paschas Gasi Kassim ein köstliches Eis schmecken. Im ehemaligen berühmten Hotel Nádor gibt es im Erdgeschoß eine kleine Galerie, wo moderne Künstler und Studierende der Fakultät für Kunst der Universität ihre Werke präsentieren können. Nun sind wir gestärkt für zwei Museumsbesuche. Die beiden Maler, die wir genauer kennen lernen, sind sehr unterschiedlich. Der eine, Tivadar Csontváry Kosztka, ist bedauerlicherweise in Österreich so gut wie unbekannt, der andere, Victor Vasarely, war international sehr erfolgreich und malte in einem völlig anderen Stil.

Zuerst besuchen wir also das Csontváry Museum, ein kleines, feines Museum, das nur wenige Touristen entdecken, sozusagen ein Geheimtipp in Pécs. So haben wir das Museum ganz für uns alleine. Csontváry lebte von 1853 bis 1919. Die frühesten Zeichnungen zeigen schon sein Talent, trotzdem begann er erst spät, im Alter von einundvierzig Jahren, mit einem intensiven Studium der Malerei, nachdem er zuerst als Apotheker die Basis für seinen Lebensunterhalt gesichert hatte. Die Bilder sind in nur schwach beleuchteten großen Räumen ausgestellt und zeigen seine Entwicklung. Sein Lebensziel war es, a világ legnagyobb napút-festője, nagyobb Raffaelnél – größer als Raffael – zu werden. Er wollte „das helle Licht des Südens“ finden, was ihm in einigen seiner Gemälde durchaus gelang. Am eindrucksvollsten ist in dieser Hinsicht das Bild A magányos cédrus, wo man bei genauerem Hinsehen viele Details erkennen kann, die die symbolische Aussage des Bildes verdeutlichen. Római híd Mosztárban, in leuchtenden Farben naiv-realistisch dargestellt, dokumentiert seine künstlerische Auseinandersetzung mit dieser eindrucksvollen, über 400 Jahre alten Brücke aus der Türkenzeit, die 1993 zerstört wurde, nun aber originalgetreu wieder aufgebaut worden ist und seit 2004 als UNESCO Weltkulturerbe gilt. Berührend und eindringlich blickt uns das Bild des marokkanischen Lehrers, Marokkói tanító an. Einige der Gemälde sind so riesengroß, dass man sich fragt, wie er das gemalt hat. Die Entdeckung seiner Gemälde war dann auch rein zufällig, nachdem er nach seinem Tod in Vergessenheit geraten war.

csontvary

Csontváry: Római híd Mosztárban, 1903

brücke

Die Alte Brücke in Mostar (Foto: Brigitte Grosse)

Vom ausgehenden 19. Jahrhundert machen wir nun eine Zeitreise in das 20. Jahrhundert. Das Vasarely Museum ist gut besucht, viele Schulkinder kommen in die Ausstellung und müssen Arbeitsaufträge erfüllen, offensichtlich ein Pflichtprogramm für die Schulen. Es scheint aber, dass die Kinder durchaus Gefallen an den modernen, konstruktiv geometrischen, abstrakten Motiven finden. Vasarely, der 1906 als Vásárhely Győző in Pécs geboren wurde, verbrachte nach seinem Studium in Budapest den Großteil seines Lebens in Frankreich und starb 1997 in Paris. In Paris arbeitete er zunächst zwischen 1930 und 1940 als Werbegrafiker und entwickelte seinen auf tromp-l’oeil, grafischen Mustern und Illusionen des Raumes basierenden Stil, der in den 1950er Jahren zum Programm seiner „kinetischen Kunst“ wurde. Seine Bilder und Skulpturen sind durch das aggressive Zusammenspiel von standardisierten Grundformen und Farben, die auf verschiedene Arten zu Mustern zusammengesetzt werden, gekennzeichnet. Er gewann zahlreiche internationale Kunstpreise und nahm an bedeutenden Ausstellungen, z.B. documenta 1 – 4 teil. Vasarely gilt als Mitbegründer der Op Art, sein erstes großes Werk Zebrák gilt heute als erstes großes Werk der Op Art.

vasarely

Vasarely Museum (Foto: Brigitte Grosse)

Neben den vielen verschiedenen Beispielen von immer wieder neuem Spiel mit geometrischen Mustern in den unterschiedlichsten, verwirrenden Farbzusammenstellungen und neuen Ideen ist ein Schachspiel in einer kleinen Vitrine besonders bemerkenswert. Ein anderes Bild, das die vier Mondphasen darstellt und in unterschiedlichen Blautönen gehalten ist, zeigt wieder eine andere Facette seines Schaffens.

Voll von Eindrücken verlassen wir das Museum und spazieren durch die Stadt zurück zum Hotel, um uns ein wenig auszuruhen und uns dann wieder erfrischt auf den Weg zum Kodály Központ, einem modernen Veranstaltungszentrum in der Nähe der neueren Universitätsgebäude etwas außerhalb der Altstadt, zu machen. Dort findet im kleineren Konzertsaal ein Kammerkonzert der Pannonischen Philharmonie – Pannon Filharmonikusok – statt. Mit großer Begeisterung und Hingabe spielen die Musiker Haydns B-dur divertimento Hob. II:46 und Schuberts Oktett. In dem verhältnismäßig kleinen Proberaum sitzen wir ganz nahe bei den Musikern und können uns voll und ganz ungestört auf die Musik konzentrieren. Interessant sind die jeweiligen einführenden Worte des musikalischen Leiters des Konzerts.

Nach so viel Kunstgenuss, sind manche von uns hungrig, andere durstig und andere möchten nun auch moderne Musik und intellektuelle Gespräche bzw. Poetry Slam Darbietungen in einer kocsma erleben, wo wir auch József Havasréti treffen.

gruppe

Die Ungarischgruppe im Nappali (Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

27. Mai 2017, Vormittag

Der dritte Tag begann gemütlich, nach dem abendlichen Konzert und dem Intellektuellentreffen bzw. dem gemütlichen Ausklang des Tages bei einem Glas Bier war es fein, dass wir uns ausschlafen konnten. Jetzt fühlen wir uns schon ganz wie zu Hause in dieser schönen Stadt und der Weg durch die Fußgängerzone Király utca zum Széchenyi tér ist uns bereits wohl vertraut. Die schön renovierten Häuser, das Nemzeti Színház, das Nappali und viele Schülergruppen, die die letzten Schultage für eine Exkursion nach Pécs nutzen und mit Fragebögen unterwegs sind, all das können wir auf diesem Weg sehen.

Die Klimó-Bibliothek Klimó-könyvtár – befindet sich in unmittelbarer Nähe des Széchenyi tér und um 10.30 Uhr werden wir zu einer Führung erwartet. Der junge Bibliothekar versteht es gut, uns seine Begeisterung und seine Liebe zu den Büchern zu vermitteln. Er beginnt seine Führung mit einer ausführlichen Darstellung der Geschichte der Universitätsbibliothek anhand von in Stein gemeißelten lateinischen und ungarischen Inschriften und des Grabmals des Bibliotheksgründers Bischof György Klimó (1710–1777).

Kaiserin Maria Theresia ernannte ihn zum Bischof von Pécs und verlieh ihm den Adelstitel. Wir können diese Urkunde mit dem Siegel der Kaiserin und einen Zeitungsartikel über Bischof Klimó in der Preßburger Zeitung vom Mittwoch, dem 13. April 1774, in einem Schaukasten des ersten Saales sehen.

klimo

Adelsbrief von György Klimó (1753) mit dem Siegel von Maria Theresia. Foto: Brigitte Grosse

prz

In der Preßburger Zeitung erschien am 13. April 1774 ein Bericht über die Gründung der Bibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

 

Ursprünglich war die Universität Pécs bereits 1367 unter König Ludwig dem Großen und Papst Urban V. gegründet worden und ist somit nur um zwei Jahre jünger als die Wiener Universität. Allerdings bestand diese Universität nur bis ca. 1390. Nach dem Ende der Türkenherrschaft wollte nun Bischof Klimó wieder eine Universität ins Leben rufen. Er stellte als Basis für die Universität seine eigene Bibliothek zur Verfügung, starb aber, bevor er die Universität gründen konnte. Die Bibliothek umfasste ca. 15 000 Titel. Das war die erste öffentlich zugängliche Bibliothek in Ungarn. Auf seiner Grabinschrift wird seine besondere Leistung gewürdigt:

“… PRIMA IN HUNGARIA BIBLIOTHECA PUBLICA CONDITA …”

grab

Grabstein von György Klimó in der Universitätsbibliothek (Foto: Brigitte Grosse)

Bischof Ignác Szepesi (1780–1838) ließ dann das heutige Bibliotheksgebäude errichten und vergrößerte die Bestände, die heute drei Räume der Bibliothek füllen. Besonders eindrucksvoll sind die in Leder gebundenen mit goldenen Buchrücken versehenen Bände, die nach der Größe geordnet viele Regale füllen, die großen Bände befinden sich in den unteren Regalen, die kleineren in den oberen, was ja durchaus sinnvoll ist. Eine Herausforderung für den Archivar ist aber die Auffindung einzelner Bände, die in einem riesengroßen Katalog handschriftlich nach einem sehr komplexen System verzeichnet sind.

In den Schaukästen gibt es sehr interessante frühe Drucke, neben Bibeln und theologischen Schriften u.a. Bonfinis Gesta Hunnorum et Ungarorum von 1567, Werbőczis Decretum Tripartitum, Epigramme von Janus Pannonius, Isaak Newtons Philosophiae Naturalis Principia Mathematica und wunderschöne Tierzeichnungen z.B. in der Naturgeschichte der Vögel von 1790/92.

Zwei Globen aus dem 18. Jahrhundert und zahlreiche alte ungarische Drucke, aber auch lateinische und deutsche Werke können hier studiert werden. Die alphabetischen Kataloge, die im Jahre 1960 verfasst wurden, kann man unter www.lib.pte.hu finden.

bibliothek

Klimó-Bibliothek (Foto: Márta Csire)

Nach so viel Gelehrsamkeit tut ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft sehr gut und bald erreichen wir unser nächstes Ziel, den spätrömischen Friedhof von Sopianae.

Die spätrömischen Grabkammern aus dem vierten Jahrhundert stehen seit dem Jahr 2000 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Das Besucherzentrum ist vorbildlich gestaltet, kurze Videofilme und Rekonstruktionen zeigen den ursprünglichen Zustand sehr anschaulich. Besonders eindrucksvoll ist die 1938 freigelegte und dann 2006-2007 wieder ausgegrabene Cella Septichora, ein riesiges siebenchöriges Mausoleum, vermutlich der Bestattungsort einer vornehmen Familie. Möglicherweise wurde das Gebäude erst unter den Arpaden im elften Jahrhundert vollendet und während des Mongolensturms um 1241 zerstört. Heute werden dort Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen abgehalten.

cella

In der Cella Septichora (Foto: Brigitte Grosse)

Die zweistöckigen unterirdischen Grabanlagen mit einem sehr gut erhaltenen Sarkophag, Fresken u.a. mit dem Christusmonogramm und ein erstaunlich gut erhaltener Krug aus Glas (üveg korsó), eine Grabbeigabe aus dem vierten Jahrhundert, sind wirklich beeindruckend. Dieser spätrömische Friedhof ist einzigartig in ganz Ungarn und vor allem die Grabkammern sind sehr gut erhalten geblieben.

krug

Krug aus Glas (Foto: Brigitte Grosse)

Jetzt haben wir uns eine Mittagspause verdient, wir spazieren wieder zum Széchenyi tér, bewundern noch den Zsolnay Brunnen, wo es frisches Trinkwasser gibt, und lassen uns das Mittagessen im Aranygaluska étterem auch heute gut schmecken.

aranyg

(Foto: Brigitte Grosse)

Brigitte Grosse

 

Nachmittag: Ein Besuch im Zsolnay negyed (Zsolnay-Kulturviertel)

Nach dem Mittagessen im Aranygaluska machten wir uns bei sommerlichen Temperaturen auf den Weg ins Zsolnay Viertel.

Das ehemalige Gelände der Zsolnay Porzellanfabrik wurde im Rahmen des Projektes Pécs 2010 Kulturhaupstadt Europas zu einem rund 35.000 km² umfassenden Kulturviertel umgestaltet.

kulturviertel

(Foto: Brigitte Grosse)

Neben Räumlichkeiten der Kunstfakultät der Universität Pécs, Gemeinschaftsräumen, einem Spielplatz, einem Planetarium, einem Puppentheater, Cafés und einer kleinen Ladenzeile mit Werkstätten und kunsthandwerklichen Geschäften beherbergt das Gelände mehrere Galerien und Museen.

zsolnay

Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Nach einem Erkundungs-Rundgang über das Gelände und einem kurzen Abstecher in die Ladenzeile besichtigten wir das Museum, in dem mehr als 600 Keramiken aus der Produktion des Namensgebers des Quartiers ausgestellt sind. Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Zsolnay, der Sikorski Villa, befindet sich heute eine Privatsammlung historischer Kleinkeramik aus dem Hause Zsolnay. Die in den Vereinigten Staaten aufgebaute Sammlung wurde dem Museum von dem in die USA emigrierten Ingenieur László Gyugyi zur Verfügung gestellt und kehrte damit an den Ort ihrer Herstellung zurück. Die Exponate wurden von Gyugyi auf Auktionen in New York, Paris und Wien erworben und zur Hälfte der Stadt Pécs als Geschenk überlassen (Fotos der Objekte aus der Zeit des Historismus und der Sezessions-Ära finden sich z.B. hier: http://www.eozinmagazin.hu/eozin_kepgaleria/A_Zsolnay_aranykora_Gyugyi_Laszlo_gyujtemenye)

Die Zsolnay Porcelánmanufaktúra wurde 1853 gegründet und produzierte zunächst Steingut und Keramik. Unter Vilmos Zsolnay entwickelte sich die Firma Ende des 19. Jahrhunderts zu einem stilprägenden und renommierten Keramikhersteller, dessen Produkte bei den Weltaustellungen in Wien und Paris internationale Bekanntheit erlangten. Künstler und Handwerksmeister aus ganz Europa wurden von Zsolnay in die Pécser Manufaktur geholt, die zum größten Keramikhersteller Österreich-Ungarns wurde. Von Zsolnay produzierte Kacheln und Baukeramik-Ornamente finden sich an vielen Jugendstil-Gebäuden in Ungarn ebenso wie am Wahliss-Haus in der Kärtnerstrasse in Wien. Vilmos Zsolnay hatte 1865 die technische Entwicklung in der Manufaktur übernommen und experimentierte mit verschiedenen Ton- und Glasurarten.

Die wohl berühmtesten Innovationen des Unternehmens stellen die Entwicklung der Eosin-Glasur 1893 und des frostsicheren Baustoffs Pyrogranit dar. Kleinkeramiken mit der metallisch-schimmernden Eosin Glasur aus dem Hause Zsolnay sind heute begehrte Sammelobjekte, bunte Pyrogranit-Ziegel zieren zahlreiche berühmte Bauwerke, wie die Budapester Mátyás-Kirche.

 

zs2

Im Zsolnay-Viertel (Foto: Brigitte Grosse)

Auf dem Weg in Zsolnay Viertel hatten wir bereits den im Sezessionsstil errichteten Zsolnay Brunnen vor der Kirche der Barmherzigen Brüder in der Pécser Innenstadt besichtigen können. Der Brunnen ist aus Pyrogranit gefertigt, seine Zierelemente und die Wassersprudel in Form von Ochsenköpfen sind mit Eosin-Glasur überzogen – der Brunnen vereint somit die beiden berühmten Werkstoffe des Herstellers. Im Museum hatten wir dann Gelegenheit, zahlreiche weitere Objekte aus der Sezessions-Ära zu bewundern. Die Krüge, Vasen und Porzellanfiguren, von denen viele von Zsolnays Töchtern Therese und Julia entworfen wurden, illustrieren den Stilwechsel von historistischen, orientalischen und volkstümlichen Motiven zum Jugendstil. Nach Julias Ehemann Tadeus Sikorski, einem polnischen Architekten, der als künstlerischer Direktor in der Firma tätig war, ist die Villa, die nun als Museumsgebäude firmiert, benannt.

zs3

Zsolnay-Viertel (Foto: Márta Csire)

Nach unserem Museumsbesuch ging es noch auf ein Getränk ins Café Griff im Bóbita Puppentheater. Ein Teil der Reisegruppe nutzte das abendliche Freizeitprogramm dazu, bei freiem Eintritt im Művészetek és Irodalom Háza am Széchenyi tér ein Barockmusik-Konzert zum Thema Cervantes. Színpadon a Simplicissimus Kamerazenekar mit einleitenden Erläuterungen durch die Musiker zu besuchen. Andere zogen das Kurzfilmprogramm im Pécser Programmkino „Apolló mozi“ vor. Passend zum Nachmittagsprogramm erlaubte uns das 1912 eröffnete Kinogebäude noch einen letzten architektonischen Abstecher in die Zeit des Jugendstil, das Filmprogramm hingegen einen aktuellen Einblick in die Arbeiten junger ungarischer Regisseure.

apollo

Fassade des Apollo Kino

Zum Abschied ging es dann zum zweiten Mal ins Szabad Kikötő, eine gemütliche Bar, in der wir bereits am Vorabend Bekanntschaft mit der Pécser Musikszene hatten schließen können. Der aktuelle Gehalt des programmatischen Lokal-Hits Szabadságot Svájcnak bleibt uns von unserem zweitägigen Pécs-Programm ebenso in Erinnerung wie die zahlreichen architektonischen und kulturellen Eindrücke der Stadt.

Theresa Schmidt

 

Exkursion der Wiener Hungarologie-StudentInnen im Rahmen des CENTRAL-Projektes nach Berlin

TeilnehmerInnen: Dániel Antalfi, Gabriella Greilinger, Eva Herter, Bettina Planitz

exc1

  1. November 2016

 Am Dienstag zu Mittag ging es für uns los nach Berlin, um dort an einem Treffen mit anderen Hungarologie-StudentInnen, sowie einer Konferenz zur 100-Jahr-Feier des hungarologischen Instituts der Humboldt Universität teilzunehmen. Neben uns vier Studenten aus Wien waren natürlich die Studenten aus Berlin, aber auch welche aus Prag, Warschau und Budapest dort.

Am ersten Abend, nachdem wir im Hostel angekommen sind, das zentral, ca. 5 Minuten vom Herzen Berlins, dem Alexanderplatz gelegen ist, mussten wir auch schon wieder los, um die anderen Hungarologie-Studenten und den Lektor für Ungarisch, Tamás Görbe, zu treffen.

Neben gutem deutschen Bier und leckerem Essen haben wir einen Teil der Studenten schon einmal kennenlernen können und den Abend angenehm ausklingen lassen.

exc2 

exc3

  1. November 2016

 Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh auf, da wir am Institut für Hungarologie der Humboldt Universität zu einem gemeinsamen Frühstück empfangen wurden.

Dort haben wir dann auch die anderen Studenten, die am Vorabend nicht dabei waren, kennen gelernt. Uns wurde außerdem das Institut vorgestellt und erklärt, wie das Studium in Berlin aufgebaut ist. Dann haben auch wir Studenten aus den andern Ländern erzählt, wie das Hungarologie Studium bei uns aufgebaut ist. Dabei haben sich ein paar Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterscheide gezeigt.

Danach sind wir auf unsere erste Stadttour gegangen, die von Berliner Studenten organisiert wurden.

exc4exc5exc6

Am Abend wurden wir alle im Collegium Hungaricum empfangen. Nach einer Führung durch das Haus wurde der ungarische Film „Tiszta szívvel“ (Regie: Attila Till) gezeigt.

Im Anschluss haben wir mit den anderen Studenten noch beschlossen, das Berliner Nachtleben zu erkunden.

  1. November 2016

 Donnerstag Vormittag haben wie uns wieder mit den anderen getroffen und sind gemeinsam zur East Side Gallery gegangen, bzw. diese ein Stück entlanggegangen. Die East Side Gallery ist ein Stück der Berliner Mauer, auf der man die Arbeiten von Künstlern auf Teilen der ehemaligen Mauer betrachten kann.

Leider hatten wir hier aber kein Glück mit dem Wetter und schon nach kurzer Zeit waren die meisten von uns komplett durchnässt.

Nach einer kurzen Mittagspause sind wir auch schon weitergegangen ins nächste Viertel „Friedrichshain“, DIE Partymeile Berlins mit verschiedensten Clubs und Bars.

Von dort aus war es nicht mehr weit zum „Café Szimpla“, ein nettes kleines Kaffeehaus/Bistro wo wir uns bekannte, typisch ungarische Gerichte auf der Speisekarte fanden.

exc7

Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen sind wir schon weitergefahren zur nächsten Sightseeing-Tour, die uns mitten durch Berlin geführt hat.

exc8exc9

  

  1. November 2016

 Freitag Vormittag wurden uns Wohnhausanlagen in der Nähe der Siegessäule gezeigt und wir stiegen auf eine Dachterrasse, von wo aus wir einen tollen Blick über ganz Berlin hatten.

exc10

Nach der Führung hatten wir wieder etwas Zeit, uns selbst etwas anzuschauen, also sind wir zu viert los und haben die Hackeschen Höfe besucht, die am Hackeschen Markt liegen, und eine super Gelegenheit für uns boten, ein paar Souvenirs zu kaufen.

Als wir damit fertig waren hatten wir nach dem vielen Gehen natürlich wieder Hunger, und da man nicht aus Berlin zurückkommen kann ohne einmal Currywurst mit Pommes gegessen zu haben, haben wir uns eine Curry-Bude in der Nähe gesucht, um uns zu stärken.

exc11

Am Nachmittag hat auch schon die Konferenz anlässlich der 100-Jahr-Feier des Instituts für Hungarologie im Collegium Hungaricum begonnen.

Viele ausländische, aber auch Berliner Professoren haben Vorträge gehalten, auch unser Institut war durch einen Vortrag von Frau Professor Seidler über Georg Lukács vertreten.

exc12

Im Anschluss an die Vorträge wurden alle Studenten noch zu einem Empfang in der ungarischen Botschaft erwartet, wo wir den Abend mit gutem ungarischen Essen und Wein ausklingen ließen.

exc13

Nach dem Empfang beschlossen wir, mit den anderen Studenten noch einmal loszuziehen, das Berliner Nachtleben zu erkunden. Diesmal sind wir zurück nach Friedrichshain gegangen, wo wir zwei Tage zuvor schon einmal tagsüber waren.

  1. November 2016

Vormittags sind wir noch einmal zum Collegium Hungaricum gefahren, da die Konferenz fortgesetzt wurde.

Danach sind wir zu viert zum berühmten Checkpoint Charlie gefahren, dem ehemaligen Grenzübergang im geteilten Berlin.

exc14

Danach sind wir alle noch einmal alleine losgezogen, damit jeder noch das ansehen konnte, was er oder sie wollte.

  1. November 2016

 An unserem letzten Tag in Berlin, bevor es am Abend heim ging, haben wir uns noch das Reichstagsgebäude angesehen, wo wir auch eine Führung gebucht hatten, bei der uns alles über die Abläufe im Reichstag sowie über das Gebäude selbst erklärt wurde.

exc15

In der Glaskuppel, die ebenfalls Teil der Führung war, konnte man ganz hinaufmarschieren, von wo aus man wieder einen tollen Blick über ganz Berlin hatte.

Nachher sind wir hinüber zum Brandenburger Tor marschiert, durch das man jetzt, nachdem Präsident Obama, der zur gleichen Zeit Berlin besuchte, wieder weggefahren ist, problemlos durchgehen konnte. Nach einer kleinen Stärkung im Café Einstein, das wir für uns in Berlin entdeckt haben, sind wir zu Alten Synagoge weiter gegangen, bevor wir schon zurück zum Hostel mussten, um unsere Koffer zu holen.

Dann ging es für uns, durch eine Menge an Erfahrungen und Eindrücken reicher, wieder zurück nach Wien.

exc16

Hiermit möchten wir uns für die Berliner Gastfreundschaft und die Organisation durch Herrn Tamás Görbe und Frau Dr. Rita Hegedűs als auch bei den Studierenden der Berliner Hungarologie bedanken.

Gabriella Greilinger