Finno-Ugristik macht Schule

Der 26. September ist der Europäische Tag der Sprachen. Viele Institutionen nehmen diesen Tag zum Anlass, um Veranstaltungen zu organisieren, die im Zeichen der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas stehen.

So hat auch die Volksschule am Tabor in Neusiedl am See heuer ein Sprachenfest für die rund 260 Schüler*innen der Schule im Burgenland veranstaltet, bei dem unsere Abteilung durch Erika Erlinghagen vertreten war, die die Kinder in spielerischer Form an die Grundlagen der wissenschaftlichen Forschung hingeführt hat, nämlich eine gute Frage zu finden, eine Hypothese aufzustellen und schließlich mittels empirischer Methoden eine valide Antwort zu finden. In diesem Fall ging es darum herauszufinden, wie viele Sprachen insgesamt an der Schule von den Schüler*innen und Lehrer*innen, die im Turnsaal bei dem Fest anwesend waren, gesprochen werden. Mithilfe von Bewegungsspielen und der gemeinsamen Gestaltung einer bunten Sprachenfigur haben die Kinder herausgefunden, dass sie in eine sprachlich sehr bunte Schule gehen: 21 Sprachen wurden gezählt, darunter auch die Österreichische Gebärdensprache. Zum Abschluss wurde noch auf die Gleichwertigkeit aller Sprachen hingewiesen und die Tatsache, dass es keine „objektiv schwerste Sprache der Welt“ gibt – zwei Erkenntnisse, die die Kinder offensichtlich überraschten, aber die sie auch sehr begeistert aufnahmen, was zeigt, wie wichtig es ist, bereits bei den Jüngsten anzusetzen, wenn es darum geht, für den Mehrwert sprachlicher Vielfalt zu sensibilisieren. Mit einem bekannten Kinderlied, das auf Deutsch, Englisch und Ungarisch gesungen wurde, endete das Sprachenfest, wobei die Kinder im Anschluss in ihren jeweiligen Klassen noch die Möglichkeit hatten, mit ihren Lehrer*innen über das Erlebte zu sprechen.

Das Feedback von der Schulleitung zu dieser Science 2 Young Public-Veranstaltung war ausgesprochen positiv: Sowohl Eltern von Kindern als auch Lehrer*innen haben berichtet, dass die Kinder mit viel Begeisterung und Interesse reagiert haben, noch in der Schule viele Nachfragen gestellt und ihr neues Wissen zuhause eifrig mit anderen Familienmitgliedern geteilt haben.

So hat nach diesem erfolgreichen Auftakt nicht nur die Schuldirektorin Kordula Csukker eine weitere Einladung zur Zusammenarbeit ausgesprochen, sondern auch die Lehrerinnen Eveline Pitzl und Brigitta Drum-Bicskei haben ihr Interesse an der Fortführung dieses Wissenschaftsvermittlungsprogrammes angemeldet. Entsprechend ist nun eine Vortragsreihe im Laufe des Schuljahres 2022/23 geplant, in deren Rahmen einmal im Quartal verschiedene Themen, mit denen sich die Abteilung Finno-Ugristik in ihren Forschungsarbeiten auseinandersetzt, kindgerecht in der Volksschule vermittelt werden sollen – in Zukunft allerdings in Kleingruppen, um interaktiver und auch intensiver mit den Kindern arbeiten zu können.

v.links nach rechts: Bürgermeisterin Elisabeth Böhm, Erika Erlinghagen, Direktorin der VS am Tabor Kordula Csukker und Kinder der Klasse 2c

Für unsere Abteilung ist diese Zusammenarbeit eine willkommene Möglichkeit, erste Schritte hin zur Ausarbeitung eines Wissenschaftsvermittlungsprojektes an österreichischen Schulen zu setzen, sowohl im Bereich der Primarstufe als auch der Sekundarstufe, um einerseits Kinder und Jugendliche von Anfang an für Wissenschaft zu begeistern und andererseits, um auch die Vielfalt der Finno-Ugristik und insbesondere der Hungarologie zu präsentieren. Denn die Schüler*innen von heute, sind vielleicht bald die Studierenden von morgen.

Reisebericht Līvõd rāndast

Mein Name ist Luan Hammer und ich studiere zurzeit das Masterstudium Finno-Ugristik hier am Institut. Letztes Jahr habe ich den Livisch-Kurs bei Johanna Laakso besucht, und der hat bei der Planung meines diesjährigen Sommerurlaubs eine wesentliche Rolle gespielt: die Woche vom 08. bis zum 15. Juli 2022 habe ich an der Nordwestküste Lettlands in der Region Kurland verbracht, wo sich einige traditionelle Livendörfer befinden (siehe Karte).

Livisch – was ist das überhaupt? Livisch ist eine ostseefinnische Sprache, also eng verwandt mit etwa dem Estnischen und Finnischen. Durch den engen Kontakt mit dem Lettischen weist die Sprache auch einige lettische Einflüsse auf. Die letzten traditionellen Sprecher*innen sind vermutlich bereits verstorben, allerdings gibt es einige jüngere revitalisierte Sprecher*innen (ca 20 mit sehr guten Livischkenntnissen) sowie einige hunderte Aktivist*innen mit livischer Identität.

Was folgt ist ein Bericht in Text und Bildern von meiner Reise an die Livische Küste (auf Livisch: Līvõd Rānda).

Mazirbe/Irē

Mein Hauptaufenthaltsort an der Livischen Küste war Mazirbe/Irē auf einem Campingplatz direkt gegenüber des Livischen Kulturzentrums (Līvõ Kultūr sidām). Hier der Blick aus meiner Campinghütte auf den Campingplatz:

Gleich nachdem ich an der Haltestelle Mazirbes tautas nams (‚Volkshaus von Mazirbe‘, direkt vor dem Kulturzentrum, bezieht sich also wohl auf dieses) aus meinem Bus von Riga ausgestiegen bin, sind mir die mehrsprachigen Wegweiser in der Gegend aufgefallen:

  • lett. Baznīca, liv. Pivākuodā (wortwörtlich ‚heiliges Haus‘) ‚Kirche‘
  • lett. Mērakmeņi, liv. Mērkivīd ‚Peststeine’
  • lett. Jūra, liv. Mer ‚Meer’

Nachdem man auch an der Livischen Küste nicht daran vorbeikommt, sich auch mit der lettischen Sprache auseinanderzusetzen, hier ein wenig lettische Grammatik:

jūra Meer.nom, aber uz jūru zu Meer.akk ‚zum Meer‘: Die lettische Präposition uz ‚zu, auf‘ findet sich im Lettischen auch als Verbalpräfix (z.B. lett. zināt ‚wissen‘, uzzināt ‚herausfinden‘). Nebst anderen Verbalpräfixen wurde auch das Präfix uz– ins Livische entlehnt (z.B. liv. kēratõ ‚schreiben‘, uzkēratõ ‚schreiben auf‘).

Nicht nur mehrsprachige Wegweiser finden sich entlang der livischen Küste, auch viele Info-Tafeln enthalten die Informationen sowohl auf Lettisch als auch auf Livisch. Nicht immer gibt es zu diesen eine Übersetzung etwa ins Englische, Deutsche oder Russische – wenn man (wie ich) ohne Lettischkenntnisse hier unterwegs ist, sind Grundkenntnisse im Livischen also klar von Vorteil. Als Beispiel: die Info-Tafel zum Laivu kapsēta/Lōjad kālmadtarā (dt. Bootsfriedhof) (das lettische Wort laiva ‚Boot‘ ist übrigens tatsächlich Kognat mit fi. laiva ‚Schiff‘, est. laev ‚Schiff‘ und liv. lōja ‚Boot‘).

auf Deutsch (in etwa): Das Boot, so wie der Mensch, wird geboren und stirbt. Die Boote wurden deshalb hierher gebracht, weil es verboten war, allein (privat?) zu fischen, und die Bevölkerkung im Dorf weniger wurde. Die alten Boote wurden zum Beheizen der Wohnung(?) verwendet. Die letzten Boote wurden 1976 hierhin gebracht. Jetzt „isst“ sie der Wald auf. Das in Mazirbe/Irē zu sehende „Objekt“ ist das einzige an der Küste Lettlands.

Hier einige Bilder von eben diesem Bootsfriedhof (nahe der Küste von Mazirbe) (mein Reisebegleiter – Squirrel, das Plüscheichhörnchen – war auch mit dabei):

Das Wetter hat es die ersten beiden Tage meines Aufenthalts nicht besonders gut mit mir gemeint, und bei Sturm, strömendem Regen und Gewitter erschien mir mein geplantes Programm, das vor allem aus Spaziergängen im Wald und am Meer bestand, zu risikoreich – gut, dass ich meine Kantele dabei hatte, um mir die Zeit in meiner Campinghütte mit dem Singen eines livischen Volksliedes (Pūgõ Tūļ ‚Wehe, Wind‘) zu vertreiben. Zudem habe ich mich am Schreiben von Lyrik auf Livisch versucht:

Alā li randõ
ku jegā kõrd ku ulzõ lǟ’d
sa kūlõd uldõst tovõ īeldõ
võta līvõd loul ja
lūo siestõ pǟva

Übersetzung:

Geh nicht zum Strand
wenn du jedes Mal, wenn du nach draußen gehst
von draußen ein Gewitter hörst
Nimm ein livisches Lied
und erschaffe aus ihm die Sonne

Warum gerade Lyrik auf Livisch? Was mich an der Situation der livischen Sprache vielleicht am meisten fasziniert, ist, dass zu den etwa 20 Personen mit sehr guten Livischkenntnissen drei aktiv auf Livisch schreibende Dichter*innen (Valt Ernštreit, Baiba Damberg und Ķempi Kārl) zählen. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine andere Sprache mit einem ähnlich hohen Anteil an Autor*innen gibt, halte es aber für eher unwahrscheinlich.

An den Abenden wurde das Wetter zum Glück besser, so dass ich zumindest einen 10-minütigen Spaziergang zur Küste machen konnte.

Abendspaziergänge zum Strand und Sonnenuntergänge anschauen wurde in dieser Woche zu meinem festen Abendprogramm:

Mit jedem meiner Abende näherte ich mich auch der Ostsee ein Stück mehr, so wagte ich mich erst nur an den Rand der Küste, und trat erst am Folgetag mit den Füßen ins Wasser, bis ich am Tag vor meiner Abreise auch (soweit es Wind und Wellen zuließen) in der Ostsee geschwommen bin. Ich bin hoffnungsloser Romantiker und habe mein Gefühl dazu in ein paar weiteren Zeilen auf Livisch verarbeitet:

kǟngad jālgas randõ lǟ’dõ
rāndas kǟngad jālgast võttõ
jālgad mie’rrõ pānda
kuodāj tūlda
jālgad pǟl vie’dkõks
ja varbõd va’il jõugõks

Übersetzung:

mit Schuhen auf den Füßen zum Strand gehen
am Strand die Schuhe ausziehen
die Füße ins Meer tauchen
nach Hause kommen
mit Wasser auf den Füßen
und Sand zwischen den Zehen

Die lutherische Kirche von Mazirbe  (liv. Irē lutār pivākuodā) war für mich mehr ein Zufallsfund auf der Karte der Umgebung und als ich mich auf den Weg dorthin gemacht habe, wusste ich noch nicht, was genau mich dort erwarten würde.

Einer Info-Tafel nahe der Kirche nach wurde diese Kirche 1868 erbaut und einst wurden in ihr Gottesdienste auf Livisch abgehalten. Innerhalb der Kirche gibt es u.a. einige Informationen zum Livischen und Texte des livischen Aktivisten Kōrli Stalte (1870-1947), der u.a. den Text zur Livischen Nationalhymne (Min izāmō ‚Mein Vaterland‘, mit derselben Melodie wie die Nationalhymnen Finnlands und Estlands) verfasste und das Neue Testament ins Livische übersetzte.

Angrenzend an die Kirche befindet sich ein Friedhof. Ein altes Grab dort soll der einzig bekannte Platz in Lettland sein, an dem ein Werwolf begraben ist (leider konnte ich bei meinem Rundgang auf dem Friedhof nicht nachvollziehen, welches der Gräber hier das Werwolfsgrab sein soll; zum Teil war es schon schwer nachzuvollziehen, was auf dem Friedhof Grab und was bloß dicht bewachsene Wiese mit Steinen ist).

Hier ein paar Eindrücke von dem Friedhof:

Das hier ist ein Denkmal von Andrew Berthold an seine Eltern Didrõk und Lihse. Der erste Teil ist Livisch, der zweite Englisch. Soweit ich es entziffern konnte steht hier geschrieben: „Tesa magub lihvud suhr pehlist famihlist min tohti un ehma Didrük un Lihse Berthold. Tohti sindun 20. Maijus 1827 kohlun 3. Aprilus 1890. Ehma sindun 10. Junius ???? kohlun 15 Aprilus 1907. / Here rests from Livonien ???? family my father and mother Didruk and Lihsi Berthold. This monument is erected in the year 1933 by their son Captain Andrew Berthold of New York, U.S.A.“

Neben Gräbern steht am Friedhof auch diese Pinie mit einem auffälligen Loch in ihrem Stamm. Einer Legende zufolge soll dieses Loch ein Gastarbeiter zur Sowjetzeit mit einer Motorsäge in die Pinie geschnitten haben, um an den sich in der Pinie befindenden Honig zu gelangen.

Nicht am Friedhof aber ebenfalls in der Umgebung der Kirche befinden sich zwei der so genannten Peststeine (lett. Mēra akmeņi, liv. Mēr kivīd). Dies sind Granitblöcke aus den Jahren 1711-1734, unter denen die Pestopfer begraben wurden. Ihre (mittlerweile nicht mehr lesbaren) Inschriften sollen einerseits an die Pest und andererseits an den Großen Nordischen Krieg erinnern.

Geht man zurück von der Lutherischen Kirche von Mazirbe auf die P124 (das ist die Staatsstraße Ventspils-Kolka) und auf dieser ein paar Minuten in Richtung Süden, findet man direkt neben der Straße auf einem Hügel eine große und sehr verwurzelte Pinie. Eine Legende besagt, dass sich wer sich unter  ihre Wurzeln stellt, unter bestimmten Voraussetzungen (über die ich nicht näher Bescheid weiß) in einen Werwolf verwandelt.

Am Weg zum Campingplatz über eine andere Route durch den Wald fällt ein Stein mit Inschrift auf: „Mazirbe, Dzelzceļa stacija“, auf Deutsch „Bahnhof Mazirbe“. Dabei handelt es sich um Überreste einer Schmalspurbahn, die eine Verbindung der Küstendörfer im Norden Kurlands mit Dundaga, Ventspils und Talsi darstellte.

Wieder zurück am Campingplatz, diesmal, um das Livische Kulturzentrum näher zu betrachten. Das Livische Kulturzentrum wurde am 6. August 1939 eröffnet. Mit dem Anschluss Lettlands an die Sowjetunion 1940 wurden Vereinsaktivitäten der Liven verboten und das Haus als sowjetisches Kulturzentrum benutzt. Im August 1989 wurde es wiedereröffnet – seitdem findet jährlich im August ein Livenfest in Mazirbe statt. Die Tafeln links und rechts von der Eingangstür sind mehrsprachig auf Lettisch, Livisch, Finnisch, Estnisch und Ungarisch. Der Text auf Deutsch: „Dieses Haus errichteten die Liven mit Hilfe ihres Vaterlandes Lettland und ihren Verwandten, den Finnen, Esten und Ungarn.“ Im Haus befinden sich ein Veranstaltungssaal mit einer kleinen Ausstellung zur livischen Sprache und Kultur, sowie ein kleines Café – ich kann sowohl Ausstellung als auch Café wärmstens empfehlen.

Kolka/Kūolka

An einem meiner Tage an der livischen Küste ging es für mich mit dem Bus nach Kolka/Kūolka, also zum nördlichsten der Livendörfer Kurlands. Der Name des Dorfes tauchte zum ersten Mal am 9. März 1743 in einem Schriftstück auf. Eventuell leitet er sich ab von est. kolgas bzw fi. kolkka ‚Ecke‘, ‚abgelegene Gegend‘ oder von liv. kōla ‚Insel‘ oder liv. kūoļma ‚Furt‘. Eine Legende besagt, dass der Name entstand, als die Liven gegen die Deutschen kämpften und dem letzten Deutschen „Kūol ka!“ (‚Stirb auch du!‘) entgegenriefen.

Mein erster Weg in Kolka/Kūolka ging ins Livonian Community House. Auch darin befindet sich eine Ausstellung (vor allem zur livischen Geschichte), in der ich, obwohl sie aus nur einem Raum besteht, nahezu zwei Stunden verbracht habe.

Mit vielen neuen und interessanten Informationen und zwei livischen Büchern, die ich mir in diesem Haus gekauft habe, machte ich mich auf den Weg weiter zur Küste von Kolka/Kūolka. Dort bin ich erst einmal auf den Vogelbeobachtungsturm gestiegen und habe mein Eichhörnchen angeschaut (Vögel habe ich von hier aus maximal ein paar Möwen gesehen).

Weiter am Strand entlang richtung Norden, offenbart sich der Blick auf den Leuchtturm von Kolka (abgebildet auf dem Foto, wenn auch nur recht klein). Die sogenannte Irbenstraße, die auch an diesem Leuchtturm entlang führt, gilt als einer der gefährlichsten Orte für Schiffe in der Ostsee und um den Leuchtturm befindet sich der vermutlich größte Schiffsfriedhof in der Ostsee. Weiter nördlich vom Leuchtturm (und am Foto nicht mehr sichtbar) befindet sich die estnische Insel Saaremaa.

Der nödlichste Punkt von Kurland ist das Kap Kolka. Sein livischer Name ist Kūolka nanā (wortwörtlich ‚Nase von Kolka‘). Laut einer livischen Legende wurde das Kap Kolka vom Teufel geschaffen, als dieser einen Weg auf Saaremaa schaffen wollte.

Ein paar Eindrücke aus der Umgebung:

Denkmal für Visvaldis Feldmanis (1938-2017), langjähriger Direktor des Leuchtturms von Kolka:

Das Denkmal Jūras paņemtiem (Lettisch für ‚die vom Meer Genommenen‘). Die Inschrift, die auf dem Bild zu sehen ist: cilvēkiem, kuģiem, līvu zemei (‚den Menschen, den Schiffen, dem Land der Liven‘).

Die Mülleimer hier sagen dreisprachig Danke (auf Lettisch, auf Livisch und auf Englisch):

Bevor ich mich auf den Weg zurück zur Busstation mache, gibt es Abendessen auf der Dachterrasse des Cafés Divjūriņas:

Mazirbe/Irē-Košrags/Kuoštrõg-Pitrags/Pitrõg-Saunags/Sǟnag

Am Tag vor meiner Abreise scheint die Sonne und meine Energie und Motivation sind genug, um mich auf eine längere Wanderung von Mazirbe in Richtung Norden zu den nächsten drei Livendörfern zu machen. Meine Route geht vor allem durch den Wald und in jedem der Dörfer mache ich einen Abstecher zum Strand.

Košrags/Kuoštrõg

Erst im 17. Jh errichtet ist Košrags/Kuoštrõg eines der jüngsten Livendörfer, allerdings ist es auch das, in dem historische Gebäude wohl am besten erhalten geblieben sind. Die livische Küste ist im Prinzip ein riesiges Freilicht-Museum und in Košrags/Kuoštrõg ist mir das besonders aufgefallen. Es gibt Info-Tafeln zu nahezu jedem Haus dort, die zum Teil auch mit QR-Codes zu genaueren Informationen zu den Gebäuden versehen sind. Hier etwa die an einem Platz, an dem früher eine Schule gestanden ist:

Und hier der Strand von Košrags/Kuoštrõg:

Pitrags/Pitrõg

Pitrags/Pitrõg wurde in schriftlichen Quellen erstmals 1582 erwähnt. Unter anderem steht hier eine Baptistische Kirche, die 1901 erbaut und 1926 restauriert wurde.

Der Strand von Pitrags/Pitrõg:

Saunags/Sǟnag

Mein letzter Stopp meiner Wanderroute ist Saunags/Sǟnag. Erstmals in Dokumenten erwähnt wurde dieses Dorf 1310. An der Küste hier steht ein Holzpfeiler, der wohl einen Punkt auf der 1836km langen Wanderroute um Lettland markieren sollte, daneben weht die livische Flagge, deren Farben den Blick eines Fischers zur Livischen Küste repräsentieren sollen: Blau (liv. siņņi) für das Meer, Weiß (liv. vālda) für den Strand und Grün (liv. ǭļaz) für den Wald.

Zurück in Mazirbe geht es noch ein letztes Mal zum Strand dort, ein letztes Mal den Sonnenuntergang beobachten und soweit es Wind und Wellen zulassen, zur Erfrischung ins kühle Wasser der Ostsee. Bis zum nächsten Mal, Līvõd rānda!

Tonavan Laakso: Eine Festschrift für Johanna Laakso

Am 5. Februar 2022 beging Johanna Laakso, seit Oktober 2000 Professorin für Finno-Ugristik an unserer Abteilung, ihren 60. Geburtstag. Ein zeitgerechtes Feiern von Februar-Geburtstagen ist im Zeitalter von COVID schwierig, weswegen wir uns am Stichtag im Rahmen einer Zoom-Zusammenkunft unserer Abteilungsangehörigen mit dem Geburtstagskind (oder wie man im Finnischen sagt, päivänsankari ‚Held*in des Tages‘) auf ein ordentliches Begehen des Anlasses im Juni geeinigt haben.

Am 3. Juni 2022 war es dann endlich so weit. Die Angehörigen unserer Abteilung sowie ein kleiner Kreis von Kolleginnen und Freundinnen aus unseren Nachbarländern (in Finnland gab es separate Festlichkeiten zum Anlass ihres Geburtstags) versammelten sich erst mal in unserem Hörsaal 1 zum Festakt. Derweil lauerte ominös ein imposant verpacktes Packerl vorne im Hörsaal.

Nach den Reden war es dann an der Zeit, die Heldin des (118 Tage davor vergangenen) Tages dazu aufzufordern, das Packerl zu öffnen.

„Eine Festschrift.“

Es ist eine akademische Tradition, dass etablierten Wissenschaftler*innen zu einem runden Geburtstag ein Festband gewidmet wird. Welcher Geburtstag es genau ist variiert von Land zu Land und Disziplin zu Disziplin; in der Finno-Ugristik ist es der 60. Wie viele akademische Traditionen, ist auch diese heutzutage nicht in Stein gemeißelt; mit all den Strapazen und Herausforderungen der letzten Jahre hatte sich die Heldin des Tages keine Festschrift erwartet. Es war uns eine Freude, sie positiv zu überraschen – denn seit Jahren war diese Festschrift in Planung, und nicht einmal eine Pandemie konnte uns von ihrer Verwirklichung abhalten.

Tonavan Laakso – die Laakso von der Donau. Nicht zu verwechseln mit Tonavan laakso, dem Donautal. Die Groß-Kleinschreibregeln des Finnischen verhalfen uns hier zum passenden Titel für den Band – oder genauer gesagt, sie verhalfen unserem lieben Kollegen Jussi Ylikoski von der Universität Oulu dazu. Wie so oft ermöglichte erst eine breite internationale Kooperation das gewollte Ergebnis – eine Metapher für die Wissenschaft im Allgemeinen.

Im Aufruf zu diesem Band (der, im Einklang mit einem zentralen Thema des Bandes sowie der Karriere Johanna Laaksos, mehrsprachig war) hatten wir unsere Wünsche für den Band wie folgt formuliert:

„The Festschrift should reflect Johanna’s versatile skills and interests. As such, we are accepting contributions on topics that would interest her in languages that she can read. The following range of topics suggests itself, though this list is of course not exhaustive: Uralic languages and language history, multilingualism, literary and cultural studies, gender studies, minority activism, cats.“

„Juhlakirjan on tarkoitus heijastaa Johannan monipuolisia taitoja ja kiinnostuksen kohteita. Siksi toivomme kirjoituksia Johannaa kiinnostavista aiheista, kielillä, joita hän osaa lukea. Seuraava lista on suuntaa antava muttei tietenkään täydellinen: uralilaiset kielet ja kielihistoria, monikielisyys, kirjallisuuden- ja kulttuurintutkimus, sukupuolentutkimus, vähemmistöaktivismi, kissat.“

„Szeretnénk, ha az ünnepi kötet tükrözné Johanna sokoldalúságát és széles érdeklődési körét, így olyan tanulmányokat várunk, amelyek ezt szem előtt tartják. A publikáció nyelve lehet bármely nyelv, amelyen Johanna olvas. A lehetséges témakörök – természetesen nem teljes – listája: uráli nyelvek és nyelvtörténet, többnyelvűség, irodalom- és kultúratudomány, gendertudomány, kisebbségi aktivizmus és macskák.“

Der Inhalt des Bandes wird, wenn man uns dieses Eigenlob verzeihen darf, diesem Ziel gerecht. Das ist aber in erster Linie nicht der Verdienst unseres redaktionellen Teams, sondern bezeichnend für Johanna Laakso als Leitfigur und Netzwerkbauerin in unserer Disziplin: über den Kontinent verstreut hatten Kolleg*innen bereits passende Themen für genau einen solchen Band parat. Seine 40 Beiträge umfassen ~180.009 Wörter bzw. 1.320.249 Zeichen, wurden von 53 Wissenschaftler*innen verfasst und sind sowohl thematisch als auch sprachlich divers. In Summe wurden Artikel in sechs Sprachen (Deutsch, Englisch, Finnisch, Estnisch, Ungarisch, Schwedisch) verfasst. Der Band wird die folgenden Unterabschnitte und Beiträge enthalten (es gibt noch keine fixen Seitenzahlen):

I. Päivänsankari (mit künstlerischem Beitrag von Heini Lehtonen)
• Jeremy Bradley: About this volume
• Riho Grünthal, Anneli Sarhimaa: Johanna Laakson kuusikymmentä vuotta
• Erzsébet Barát: Johanna and cats – Queer encounters of ahuman care
• Marianne Bakró-Nagy, Jeremy Bradley, Elena Skribnik: An annotated bibliography of an illustrious scholar
• Tabula gratulatoria
• Petri Kallio: The etymology of Finnish laakso ‘valley’
• Imar Koutchoukali: The name Johanna: some historical, etymological, and cultural notes

II. Berichte (mit künstlerischem Beitrag von Merit Niinemägi)
• Jeremy Bradley, Rogier Blokland: Children of the Hexenkreis: INFUSE, COPIUS, REMODUS, and beyond
• Márta Csire, Katalin Wirker-Dobány: Sprachentwicklung von ungarisch- und deutschsprachigen Volksschulkindern – Bericht zu einem laufenden Projekt über die kindliche Zweisprachigkeit
• Santeri Junttila: Johdatus kuilinalaiseen kielentutkimukseen

III. Sprachwissenschaft (mit künstlerischem Beitrag von Luan Hammer)
• Rigina Ajanki: Preesenstunnuksesta *-k- ja persoonatunnusten muutoksesta länsiuralissa
• Bernadett Bíró, Katalin Sipőcz, Sándor Szeverényi: A Siberian River Runs Through It: Specific expressions of spatial relations/orientation in the Uralic languages of Western Siberian river valleys
• Tamás Forgács: Lexikologische Ursachen für Rückgang und Schwund von phraseologischen Einheiten
• Cornelius Hasselblatt: Die Frau im estnischen Lexikon 2.0
• Johannes Hirvonen: Nullsubjekte im Livischen
• Sampsa Holopainen: Revisiting a problematic Uralic and Indo-Iranian word-family
• Markus Juutinen: Itäisten saamelaiskielten helmeä merkitsevien sanojen alkuperäkysymys
• Annekatrin Kaivapalu: Keeleteadlikkus ja keeltevahelise sarnasuse tunnetamine
• Mikko Kajander: Jari tulee tankkaamasta autoa. Objektin partitiivisija oppijan näkökulmasta
• Ilona Kivinen: Huomio kielisukulaisuuteen! – Havaintoja kielenoppimisstrategioista ja kielihistorian hyödyntämisestä saamenopetuksessa
• Birute Klaas-Lang: The struggle between Estonian and English in higher education in Estonia
• Anna Kolláth: Hobbi és sport fogalomkörű kölcsönszavak a Termini-szótár muravidéki korpuszában
• Kadri Koreinik, Helen Plado: Linguistic and extra-linguistic arguments in graphization debates: an unsettled standard of Southern Estonian
• Renate Pajusalu, Karl Pajusalu: Ajavaos ja -vagudel
• Christian Pischlöger: Vom Nutzen und Nachteil der Sprachwissenschaft für das Leben von Minderheitensprachen: Die „Wieso-Sprache“ Besermanisch
• Janne Saarikivi: Huomioita Agricolan psalttarin esipuheen jumalista ja muusta itämerensuomalaisesta mytologisesta sanastosta
• Ksenia Shagal, Merit Niinemägi, Luan Hammer, Kitti Vojter, Mátyás Béres: Gendered job titles in genderless languages: the case of Finno-Ugric
• Beáta Wagner-Nagy: How many right and left sides are there in Nganasan?
• Jussi Ylikoski: Kieliopillistutaan sitä vielä meilläkin! Kaksi vuosisataa viron ja suomen komitatiivien vertailua

IV. Literatur- und Kulturwissenschaft (mit künstlerischem Beitrag von Erika Erlinghagen)
• Johanna Domokos: P. A. Böckstiegel expresszionista festő eltűnt számi családi festményéről
• Erika Erlinghagen: “…ein Unglück hatte zugeschlagen…”: Views on the past in Hungarian-German literature of the 20th century
• Endre Hárs: Wie Gyula Hernádi dem Zeitreisenden begegnete. Eine Episode aus der Geschichte der ungarischen Fantastik
• Károly Kókai: Die falschen Schlüsse: Zwei kulturwissenschaftliche Fallbeispiele
• Kristina Malmio: 99%? En kvantitativ studie av litteratur publicerad på svenska i Finland året 1916
• Wolfgang Müller-Funk: Kakanien revisited und die russische Revolution: Joseph Roth, ‘Der stumme Prophet’. Visitenkarte eines Forschungsprojekts und netzwerks
• Péter Ötvös: Vízszellem vagy szivacs?
• Brigitta Pesti: Konfessionsübergreifende Gönnerschaften von Frauen in Ungarn in der frühen Neuzeit
• Andrea Seidler: Die Pracht der Majestät, das sanfte Lächeln der Natur: Schlosses Esterháza im Fokus von Beschreibungen des späten 18. Jhd.
• Antje Wischmann: Die ‘neue Frau’ im Wandel der Kanonisierung. Elin Wägners Feuilletonroman Norrtullsligan (Die Clique aus Norrtullsgatan) 1908 und die Folgen der Verfilmung 1923

V. Beteiligte (mit künstlerischem Beitrag von Maria Köstlbauer)

Angesichts der Größenordnung dieses Projekts – sowohl für die Jubilarin als auch für uns als Redaktionsteam – wurde der Anlass in einem Heuriger weniger formell weitergefeiert.

Im Herbst wird das Buch als Teil unserer „Central European Uralic Studies“-Reihe beim Wiener Praesens Verlag erscheinen. Bei Johannas Feier wurde ihr vorerst „nur“ ein Manuskript präsentiert; dadurch hat sich die Möglichkeit eröffnet, die Herausgeberin der Reihe – natürlich Johanna Laakso – zu technischen Feinheiten der Implementierung des Bandes zu konsultieren. Die provisorischen bibliographischen Daten sind:

Bradley, Jeremy (Herausgeber). 2022. Tonavan Laakso: Eine Festschrift für Johanna Laakso. Mit redaktioneller Beteiligung von Márta Csire, Erika Erlinghagen, Johannes Hirvonen, Sampsa Holopainen, Mikko Kajander, Brigitta Pesti, Christian Pischlöger, Andrea Seidler, Triinu Viilukas, Ferenc Vincze. Central European Uralic Studies 2. Wien: Praesens Verlag. ISBN: 978-3-7069-1159-7.

Unser herzlicher Dank geht an alle direkt und indirekt an diesem Projekt beteiligten Kolleg*innen, Freund*innen und Sponsor*innen!

CENTRAL Workshop Berlin November 2021

Ein Bericht von Márta Csire, Agota Kertesz und Flavius Blume

Vom 10. bis 13. November fand in Berlin der studentische Workshop „Funktionelle Translatologie in regionalen Kontexten“ statt. Die Wiener Finno-Ugristik ist seit 2015 Kooperationspartner der vom CENTRAL-Projekt unterstützten jährlichen wissenschaftlichen Veranstaltungen. Am dreitägigen Workshop haben zwei Studierende, Agota Kertesz, Flavius Blume und Lektorin Márta Csire von unserer Abteilung teilgenommen. Der Gastgeber und Organisatoren waren die Hungarolog*innen der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Collegium Hungaricum Berlin, das seine Räumlichkeiten für die Veranstaltung angeboten hatte.

10. November

Ähnlich wie vor zwei Jahren stiegen wir in die sehr arbeits- und lehrreichen Tage mit einem gemeinsamen Abendessen gegen 19 Uhr im Restaurant „Blue Label“ ein. Bei gutbürgerlichem und typisch Berliner Speisen und Getränken hatten wir bereits die erste Möglichkeit unsere Kolleg*innen von den Universitäten Berlin, Warschau, Prag und Budapest kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Da wir jedoch alle von der Reise sehr erschöpft waren, brachen wir nicht allzu spät auf, bekamen aber noch die Gelegenheit, mit der Straßenbahn ein wenig das nächtliche Berlin zu erkunden.

11. November

Der Donnerstagmorgen begrüßte uns typisch berlinerisch: kalt aber doch irgendwie warmherzig, sodass wir neugierig und voller Vorfreude uns auf dem Weg zum Collegium Hungaricum Berlin machten, welches im Übrigen nicht weit von der Berliner Humboldt-Universität, dem Brandenburger Tor und dem Reichstag liegt. Nachdem jeder und jede im großen Vortragssaal des Instituts Platz genommen hatte, starteten wir mit einem kurzen Überblick über den Workshop und etwaige organisatorische Inhalte, anschließend hielt Frau Dr. habil. Rita Hegedűs, eine wahre Koryphäe auf ihrem Gebiet, einen einführenden Vortrag über die Kategorien der funktionalen Linguistik. Nach ihren einleitenden und horizonterweiternden Worten stiegen wir auch praktisch ins Thema ein, indem wir zunächst nach den einzelnen vertretenen Universitäten unterteilt Arbeitsgruppen bildeten, denen sich unter anderem auch praktizierende Übersetzer*innen anschlossen. Innerhalb dieser Gruppen behandelten wir den von uns bereits übersetzen Text „Mitteleuropa. Vergangenheit? Gegenwart? Zukunft? Die Veränderungen des Begriffes im 19.-20. Jahrhundert“ von Mária Ormos. Wir untersuchten einzelne Kulturspezifika und Funktionalitäten bzw. arbeiteten auch Übersetzungsschwierigkeiten heraus und präsentierten diese nachfolgend im Rahmen einer Diskussion. Dabei arbeiteten wir außerdem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Übersetzungen der jeweiligen Teilnehmer*innen heraus und fokussierten dabei überwiegend auf die einzelnen Aspekte, auf die die Übersetzer*innen der jeweiligen Sprache besonders Wert legten.

Unterbrochen wurden die sehr interessanten Diskussionen nur von kurzweiligen Pausen, in denen wir uns am vorbereiteten Buffet im Institut stärken konnten, dabei aber nicht aufhörten, uns weiter untereinander auszutauschen und somit weiterzubilden. Der arbeitsintensive Vormittag endete mit einer etwas längeren Mittagspause, bevor am Nachmittag die Möglichkeit bestand, unter der Leitung von Tamás Görbe die Stadt etwas mehr zu erkunden. Er führte uns dabei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins vorbei und konnte uns dazu stets wichtige Informationen und unterhaltsame Anekdoten berichten. Den Abend beschlossen wir wieder bei einem gemeinsamen Abendessen, diesmal im Restaurant „Nolle“, direkt unter den S-Bahngleisen gelegen und im atemberaubenden Stil der Berliner 1920er Jahre eingerichtet.

12. November

Am 12. November fanden wir uns erneut um 10 Uhr im Collegium Hungaricum ein. Im ersten Teil des Workshops stellte Dr. Heike Flemming den Text von Péter Eszterházy vor und erklärte in einem Vortrag die Schwierigkeiten, die beim Übersetzen eines Eszterházy Textes auftreten können beziehungsweise jene, die ihr konkret aufgefallen sind. Nach einer kurzen Pause kamen wir wieder in Kleingruppen zusammen und arbeiteten selbstständig an unseren Übersetzungen weiter. Zuerst suchten wir uns sprachlich schwierigere Passagen heraus. Anschließend stellten die einzelnen Sprachgruppen die jeweiligen Probleme vor und erklärten ihre Lösungsansetzte. In einem weiteren Schritt wurden kulturspezifische Textstellen hervorgehoben und gezeigt, dass sie- während sie in der ungarischen Sprache keiner Erklärung bedurften- in der Zielsprache jeweils erläutert oder umformuliert werden mussten (oder nicht dieselbe Wirkung hatten). Nach der Gruppendiskussion fand für die Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Führung in der aktuelle Fotoausstellung „Westblick – Ostblick – Künstlerporträts von Lothar Wolleh und Lenke Szilágyi“ des Collegium Hungaricums statt.  Wie der Name bereits verrät, wurden die Werke von Wolleh und Szilágyi einander gegenübergestellt, denn beide haben – zwar zu verschiedenen Zeiten – Künstlerporträts in Form von Fotographien gefertigt.  Nach einer Mittagspause traf sich die Gruppe schließlich bei der Friedrichstraße, um gemeinsam die Berliner Mauer zu besichtigen. Tamás Görbe erklärte uns die Aufteilung Berlins in vier Zonen und wie sich die Menschen damals in der Stadt bewegen konnten. An dieser Stelle noch einmal einen großen Dank an unseren Fremdenführer mit extrem großen Hintergrundwissen. Am Abend gab es die Möglichkeit für ein gemeinsames Abendessen.

13. November

Ehe wir uns versahen, war auch schon der letzte Tag des CENTRAL Workshops 2021 angebrochen. Diesmal trafen wir uns, teilweise mit Taschen und Koffern bepackt, bereits um 9:30 Uhr im Collegium Hungaricum. Auf dem Programm stand zunächst ein Vortrag von Claudia Winkler-Görbe, die uns einen Einblick in ihre Arbeit als Dolmetscherin und Übersetzerin der ungarischen Botschaft in Berlin gab und dabei vor allem auf Herausforderungen und Schwierigkeiten einging, die diese Tätigkeit mit sich bringt. Anschließend folgte der Vortrag von Dr. Tamás Görbe über funktionale Übersetzungsmodelle, welche überwiegend dem translationswissenschaftlichem Bereich entspringen. Anschließend arbeiteten wir diesmal in gemischten Arbeitsgruppen mit den anderen Kolleg*innen zusammen an unterschiedlichen Kategorien von Übersetzungsschwierigkeiten und Schwerpunkten, erläuterten diese und besprachen sie anschließend in einer abschließenden Diskussion, in der wir auch die Arbeit an einer Projektzusammenfassung begannen, die zudem über den Workshop hinaus fortdauerte und heute noch fortdauert, indem wir unsere Gedanken in verschiedenen Online-Szenarien austauschen können.

Nach einem Abschiedssnack und der herzlichen Verabschiedung von den Kolleg*innen der anderen Universitäten, vor allem von den Berliner Hungarolog*innen brachen wir wieder zu unseren Heimatuniversitäten auf, erfüllt von vielen neuen Erlebnissen, Erfahrungen, Informationen und der Vorfreude auf ein eventuelles neuerliches Zusammentreffen.

Wir als Vertreter*innen der Hungarologie Wien bedanken uns herzlich bei Tamás Görbe und Indira Hajnács für ihre Arbeit und Energie, die sie in eine tolle Veranstaltung gesteckt haben.

Workshop in Berlin im Rahmen des CENTRAL-Projekts

Bericht von Flavius Kyrill Blume

 

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4.–6. November 2019

Seit dem Jahr 2014 treffen sich Hungarologen und Hungarologinnen im Rahmen des CENTRAL-Projekts jährlich in den europäischen Hauptstädten (Budapest, Berlin, Prag, Warschau und Wien) um sich gemeinsam über verschiedene Forschungsgebiete auszutauschen, ihre jeweilige Universität vorzustellen, oder auch die ungarischen Spuren in jener Stadt zu zeigen, zu besprechen und zu diskutieren. Ziel dieses Projektes ist dabei jedoch nicht nur das alleinige Besichtigen und das Teilnehmen an den verschiedenen Programmpunkten, sondern vor allem die gezielte Weitergabe von Wissen und die Darstellung des jeweiligen Stand- und Schwerpunktes der einzelnen Fakultäten und Institute, sowie der eigenen Forschungsarbeit.

In diesem Jahr fand das Hungarologentreffen wieder einmal in Berlin statt und richtete sich vor allem an DoktorantInnen der jeweiligen Universität. Im Vordergrund der einzelnen Sitzungstage stand in diesem Jahr vor allem das Halten von Referaten mit Themen, die Bezug auf die vor allem kulturellen Beziehungen zwischen Ungarn und dem einzelnen Land (Polen, Deutschland, Tschechien, Österreich und natürlich auch Ungarn selbst) nahmen.

Wie es der Zufall so will, kam es dazu, dass von der Universität Wien leider nur ich als einziger Student teilnehmen konnte, da alle anderen zu diesem Zeitpunkt verhindert waren.

Zusammen mit Márta Csire und Frau Prof. Johanna Laakso repräsentierten wir somit die Abteilung Finno-Ugristik aus Wien.

Im Folgenden möchte ich nun die einzelnen Tage und ihre Ereignisse vorstellen.

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Montag 4. November

Obwohl ich persönlich schon öfters in Berlin gewesen bin, war es wie immer ein schönes Gefühl wieder einmal die deutsche Hauptstadt zu besuchen. Nach einem kleinen Frühstück im Hotel fuhr ich zum Collegium Hungaricum, wo die gesamte Konferenz die nächsten drei Tage stattfinden sollte. Angekommen wurde ich von Tamás Görbe, dem Organisator des Central Projektes, begrüßt. Nach und nach trafen auch die Studenten der anderen Universitäten ein, darunter einige bekannte Gesichter von der letztjährigen Tagung in Warschau. Gegen 10 Uhr wurde die Tagung eröffnet, zunächst mit einigen organisatorischen Hinweisen ausgestattet, starteten wir danach sofort ins Programm.

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Im Unterschied zu den vorherigen Konferenzen, wurde diese von den Studenten an sich gestaltet; das heißt, dass jeder der TeilnehmerInnen ein eigenes Referat mit anschließenden kurzen Diskussionen vorbereitet hatte. Das Spektrum war dabei vielfältig, stand aber jeweils unter dem Aspekt der Verbindung zwischen dem jeweiligen Land/Stadt der Universität mit Ungarn. So wurden beispielsweise Referate über die Spuren der ungarischen Sprache im Polnischen, das Leben der ungarischen Minderheit in Tschechien, oder aber auch über den Sprachunterricht der jeweiligen Institute abgehalten.

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Ich selbst hielt das Erste meiner beiden Referate (das Zweite hielt ich in Vertretung von Gréta Gombos, die leider krankheitsbedingt nicht mitfahren konnte) über ungarische Theaterregisseure in Österreich, wie zum Beispiel Róbert Alföldi oder Árpád Schilling. Wichtig war mir dabei auch, das Aufmerksammachen auf die teilweise schwierigen Umstände in Ungarn, die die Regisseure dazu bewegt hatten nach Österreich zu kommen und auch die Diskussion jener Benachteiligung der systemkritischen KünstlerInnen. Die anschließende, teils hitzige Diskussion, war daher auch durchaus fruchtbar und erkenntnisliefernd.

Der Nachmittag konnte recht frei gestaltet werden, viele entschieden sich aber dafür, Tamás Görbe auf eine kleine Stadtbesichtigung zu folgen. So sahen wir das Brandenburger Tor, den Reichstag, aber auch generell das „Bildungsviertel“ um die Friedrichstraße und die Humboldtuniversität herum.

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Den Abschluss bildete am Abend ein gemütliches Beieinandersein in einem Café unweit des Collegium Hungaricum, währenddessen wir uns untereinander besser kennenlernen und auch über unsere unterschiedlichen Erfahrungen an den Instituten austauschen konnten.

Dienstag 5. November

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Wiederum gestärkt von einem reichhaltigen Frühstück im Hotel machte ich mich einmal mehr auf den Weg ins Collegium Hungaricum. Neben den einzelnen Vorträgen, welche teilweise nicht nur frontal, sondern auch mit dem Plenum abgehalten wurden, wurde uns auch Frau Márta Nagy, die Direktorin des CHs vorgestellt. In einigen Worten beschrieb sie die Arbeit des CHs in Berlin und stand auch den Fragen des Plenums offen gegenüber.

Nach erkenntnisreichen Referaten und Diskussionen bekamen wir die Möglichkeit unter der Leitung von Frau Nagy das Collegium Hungaricum noch näher zu besichtigen und kennenzulernen. Wieder andere besuchten die Museen Berlins oder machten sich auf den Weg einige andere Ecken auf eigene Faust zu erkunden.

Den Abschluss des angefüllten und erfüllenden Tages bildete ein experimentelles Konzert mit Vera Jónás, welches mit vielen ungewöhnlichen und interessanten Ideen angefüllt war.

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Mittwoch 6. November

 Der letzte Tag des CENTRAL Workshops in Berlin wurde ein weiteres (und letztes) Mal von Referaten der Studierenden abgeschlossen. So hielt auch ich mein zweites Referat in Vertretung der Kollegin Gombos über die Grazer Stadtschreiber, ein Stipendium, welches ausländischen Schriftstellern die Möglichkeit bietet in Österreich, speziell in Graz, für ein Jahr lang zu leben und auch zu wirken. Unter diesen Schriftstellern befanden sich in den vergangenen Jahren auch einige Ungarische, welche dieses Projekt nutzten, um international ein Stück weit bekannter zu werden.

Nach einem kleinen Sektempfang samt Imbiss und einigen abschließenden Worten von Tamás Görbe endete der CENTRAL Workshop 2019 in Berlin.

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Genau wie im vergangenen Jahr brachte diese Tagung mir einen großen Wissenszuwachs, Einblick wie andere Institute arbeiten, aber auch viele neue Denkanstöße.

Besonders gefiel mir im Vergleich zum Jahr davor die Einbeziehung der Studenten und Studentinnen in den Ablauf der Konferenz, sowie, dass fast ausschließlich alles auf Ungarisch abgehalten wurde. Wichtig ist vor allem die Kommunikation der Institute untereinander, der gegenseitige Austausch oder aber auch einfach das Kennenlernen um weiter zusammenzuwachsen. Ohne diese Kommunikation könnte so ein kleiner Studiengang wie die Hungarologie nur schwer bestehen.

Im Namen der Hungarologie der Abteilung Finno-Ugristik der Universität Wien bedanke ich mich Recht herzlich für die Einladung zum CENTRAL Workshop in Berlin, sowie für die interessante und gelungene Gestaltung dessen, sowie bei Mag. Márta Csire für die Hilfe bei der Vorbereitung der Referate und der Begleitung in Berlin.

 

 

Workshop in Warschau im Rahmen des CENTRAL-Projekts 22.–26. Oktober 2018

Seit dem Jahr 2014 treffen sich Hungarologen und Hungarologinnen im Rahmen des CENTRAL Projektes jährlich in den europäischen Hauptstädten (Budapest, Berlin, Prag, Warschau und Wien) um sich gemeinsam über verschiedene Forschungsgebiete auszutauschen, ihre jeweilige Universität vorzustellen, oder auch die ungarischen Spuren in jener Stadt zu zeigen, zu besprechen und zu diskutieren. Ziel dieses Projektes ist dabei jedoch nicht nur das alleinige Besichtigen und das Teilnehmen an den verschiedenen Programmpunkten, sondern vor allem die gezielte Weitergabe von Wissen und die Darstellung des jeweiligen Stand- und Schwerpunktes der einzelnen Fakultäten und Institute. So stand das diesjährige Treffen in Warschau unter dem Thema „Varsói magyar emlékek nyomában“. Der historische Kontext der ungarisch-polnischen Geschichte befand sich dabei im Vordergrund und so sollte sich auch das Programm gestalten.

Im Folgenden beschreiben die Studierenden der Universität Wien (Matthias Schiestl, Elisabeth Hedji, Krisztián Horváth und Flavius Kyrill Blume) in kurzen blogartigen Einträgen die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Perspektive.

Montag 22.10.

Endlich in Warschau angekommen, trafen wir uns Montag abends zum Kennenlernen im Harenda Klub nahe der Universität. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Warschauer Institutes für Hungarologie, Prof. Csilla Gizińska und Dr. Marcin Grad hießen uns herzlich willkommen. Das Buffet war mit regionalen Köstlichkeiten bestückt, die Karaffen stets gefüllt. Ein sehr gelungener Auftakt mit vielen schönen Geschichten aus Ungarn, Deutschland, Tschechien, Polen und natürlich Österreich.

Dienstag 23.10.

Untergebracht waren wir im universitätseigenen Gästehaus Hera. Wer Wert auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis legt, ist hier gut aufgehoben. Direkt am Königsweg (ul. Belwederska) und dem berühmten Łazienki Park gelegen, konnte uns auch das angeschlossene Lokal Hygge mit seinen frischen Frühstücksideen überzeugen.

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Zum ungarischen Nationalfeiertag trafen wir uns direkt vor dem Tor der Universität. Zum Gedenken an den Volksaufstand 1956, der mit einer studentischen Demonstration in Budapest zur Solidarität mit dem polnischen Arbeiteraufstand begann, legten wir Kränze nieder und stimmten die Nationalhymne an.

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Wir besuchten weitere Gedenktafeln, darunter jene für den Freiheitskampf von Franz II. Rákóczi und den Polnisch-Sowjetischen Krieg. Es folgte ein Spaziergang auf der Krakowskie-Przedmieście-Straße mit vielen Sehenswürdigkeiten.

Hier auf dem Pl. Zamkowy (Schlossplatz) lösten wir die gemeinsame Tour auf und konnten in kleinen Gruppen ein Freizeitprogramm gestalten. Wir vier Studierende aus Wien genossen unser Mittagessen in einem Restaurant mit vielen typisch polnischen Gerichten.

Matthias Schiestl

Mittwoch 24.10.

An diesem kalten, jedoch sehr klaren und sonnigen Mittwochvormittag trafen wir uns vor dem Gebäude der Fakultät für Philologie, in dem sich auch das Institut für Hungarologie befindet. Danach wurde uns die Bibliothek des Institutes vorgestellt und wir selbst durften uns die Werke anschauen. Später gingen wir in das gegenüberliegende Gebäude, denn dort befindet sich die Hauptbibliothek der Universität Warschau. Nach einer kurzen Pause besichtigten wir den auf dem Dach der Bibliothek liegenden Garten, von wo aus wir den Blick über Warschau genießen konnten. Die Bibliothek der Universität Warschau bietet jedoch dabei nicht nur schöne Aussichten, sondern auch Studiermöglichkeiten an ruhigen Orten.

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Nach dieser aufregenden Führung gingen wir gemeinsam in die Mittagspause und hatten somit gleichzeitig die Gelegenheit die Mensa einer Qualitätsprüfung zu unterziehen. Später trafen wir uns wieder am Institut für Hungarologie und diesmal sollten wir am Unterricht teilnehmen und aktiv mitarbeiten. Zur Auswahl standen zwei Einheiten, die eine war ein Sprachkurs, die andere über ungarische Literatur. Der Großteil von uns Studenten der Universität Wien besuchte die Lehrveranstaltung für den Spracherwerb, während einer sich für die ungarische Literatur entschied.

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Der Einstieg war sehr aktiv, die Professorin stellte mit Hilfe der Schüler ein Mindmap zusammen, in dem sie Wörter zum Thema „Musik, Kultur, Unterhaltung“ sammelten. Die Studierenden wussten auch so manche Wörter beizusteuern und es war erstaunlich zu sehen wie alle aktiv mitarbeiteten. Danach wurde mit dem Buch gearbeitet und für uns Gäste gab es Arbeitsblätter. Hier mussten wir uns einfügen und uns in Gruppen finden und gemeinsam die nächsten Aufgaben lösen. Nachdem die Lösungen besprochen wurden, ging der interaktive Unterricht weiter und es schien sich alles nochmals zu wiederholen. Zum Abschluss wurde noch Kahoot gespielt, was sehr spannend war, denn gewinnen konnte tatsächlich nur die Gruppe, die das schnellste Internet besaß, da die Fragen sich auf das Unterrichtsthema bezogen und dementsprechend war es auch nicht so schwer die richtige Antwort zu finden.

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Nach dem Unterricht nahmen wir zusammen mit den Warschauer StudentInnen an einem Gedenksymposium für den berühmten polnischen Dichter, Zbigniew Herbert teil. Wir hatten dabei die Gelegenheit den Ausführungen des ehemaligen Professors für Literaturwissenschaft Csaba Kiss Gy. zu lauschen, welcher vor allem die Lyrik Herberts beleuchtete.

Zudem war auch der ungarische Übersetzer und Freund von Herbert, Prof. György Gömöri aus England anwesend. Er berichtete unterhaltsam über seine Erlebnisse und persönlichen Erfahrungen mit Zbigniew Herbert, erwähnte dabei aber auch einige grundsätzliche Dinge über die Arbeit als Übersetzer von literarischen Werken und Texten. Den musikalischen Ausklang des Symposiums bildete der Chor der Hungarologie.

Nach der informativen Veranstaltung trennten wir uns in kleine Gruppen auf, während einige sich ins Hotel zurückzogen, besuchten andere ein Restaurant. Danach trafen wir uns mit den polnischen Studenten in einer Bar. Wir hatten einen lustigen Abend dort und haben uns sehr viel mit den anderen Studenten unterhalten.

Elisabeth Hedji

 

Donnerstag 25.10.

An dem heutigen Tag sind wir genau so früh aufgestanden wie immer und nach einem kurzen Frühstück hatten wir die Ehre, die ungarische Botschaft besuchen zu dürfen. Dort haben wir zusammen mit der Botschafterin über unser Projekt diskutiert und über die Wichtigkeit der ungarischen Sprache in Mitteleuropa (welches auch ein Thema des CENTRAL Projektes ist). Unter anderem hat sie uns davon berichtet, was für Veranstaltungen in Warschau mit ungarischem Bezug organisiert wurden und was für Initiativen in Verbindung mit Ungarn ins Leben gerufen werden. Als Beispiel hat sie das ungarisch-polnische Großwörterbuch erwähnt, wo wir von der professionellen und ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen Ungarn und Polen verwundert waren. Nach einem Gruppenfoto haben wir Mittagessen gegessen und bereiteten uns schon auf das nächste Programm vor, welches sich als eine Art Schnitzeljagd durch das Institut herausstellen sollte.

Am Institut für Hungarologie haben wir mit polnischen Studenten zusammen in Gruppen verschiedene Aufgaben bewältigt. Es gab Fragen zu geographisch wichtigen Ortschaften, Redewendungen, zu der Runenschrift und auch zu Zungenbrechern. Wir Studierenden der anderen Universitäten waren auch hier sehr beeindruckt, wie schnell und wie gut sich die Studenten in Polen das Ungarische angeeignet haben. Die Aufgaben bereiteten jedoch keine Schwierigkeiten unabhängig davon, wie viele Jahre sie bereits Ungarisch studiert hatten. Schließlich ist es zum Vergeben der Platzierungen gekommen, wo die Teilnehmer, die einen Platz erreicht haben, mit Kleinigkeiten beschenkt worden sind. Anzumerken wäre hierbei, dass zwei Studenten der Universität Wien mit ihren Gruppen den fünften und den ersten Platz belegten. Nach diesem interessanten und unterhaltsamen Programmpunkt sind wir zur Königsburg gegangen, wo wir die Möglichkeit gehabt haben, mehr über die polnische Kultur und Geschichte zu erlernen. Unter anderem haben wir die Gemälde von Ludwig I. und Stephan Báthory gesehen, über welche wir Informationen über die geschichtlichen Hintergründe der damaligen Zeit von unseren Gastgebern bekommen haben. Nach der Bewunderung der Geschichte und der Architektur sind wir zum Kulturpalast gegangen, wo wir die wunderschöne Aussicht auf Warschau (im 13. Stock!) auch nachts bewundern konnten. Trotz schlechtem Wetter hatten wir einen gut organisierten und informationsreichen Tag gehabt, was wir natürlich zusammen bei unserem freien Programm in der Nacht beendet haben.

Krisztián Horváth

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Freitag 26.10.

Nach einem letzten Abend gemeinsam mit allen anderen standen wir auch Freitagmorgen früh auf. Für den letzten Tag in Warschau gab es noch einen großen Programmpunkt: das jüdische Museum. Nachdem wir alle ausgecheckt hatten trafen wir uns wie immer in der Lobby des Hotels um gemeinsam zu starten. Leider waren unsere Kollegen und Kolleginnen aus Budapest bereits abgereist, sodass wir eine kleinere Gruppe als an den Tagen davor waren.

Nachdem wir das Hotel verlassen und zum Museum gefahren waren, betraten wir es und gerieten sofort in die obligatorischen Sicherheitskontrollen, aber glücklicherweise konnten wir sie ohne größere Probleme passieren. Eine kurze Wartezeit später starteten wir die Ausstellung mit den Anfängen des Judentums. Das ganze Museum präsentierte sich hochmodern mit vielen interaktiven Stationen, Filmen und Texten. Selbst die einzelnen Räume waren als Wohnungen, Straßenzüge oder selbst als Synagoge gestaltet.

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Doch nicht nur die Anfänge des Judentums war das Thema der Ausstellung, sondern auch die Anfänge der jüdischen Gemeinden in Polen, ihre Rolle in den mittelalterlichen Städten, die Situation ab der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert, aber natürlich auch die dunkle Zeit der Verfolgung und des Holocausts, der sich explizit in Polen auf schreckliche Weise darstellte.

Für jeden, der sich gern mit der jüdischen Geschichte, aber nicht nur dieser, sondern auch der polnischen auseinandersetzt, ist das jüdische Museum unbedingt empfehlenswert. Nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder stellt es eine hervorragende Informationsquelle dar.

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Nach etwa drei Stunden und einem letzten gemeinsamen Essen verabschiedeten wir uns voneinander. Jeder nutzte die letzten Stunden in Warschau individuell für sich; manche besuchten noch ein Museum, andere besichtigten die Stadt, wieder andere das Stadion von Legia Warschau, bis jeder entweder Freitagabend oder am Samstag abreiste.

So ging eine wunderbare, informative und von vielen verschiedenen Ereignissen und Erfahrungen geprägte Woche zu Ende. Hoffentlich wird man sich im nächsten Jahr in Berlin wieder treffen.

Flavius Kyrill Blume

(M)ein Studienjahr an der Universität Tartu in Estland

Mein Name ist Christian Pischlöger, ich bin Doktoratsstudent der Finnougristik an der Universität Wien und im Studienjahr 2017/18 hatte ich die Möglichkeit das Wintersemester mit einem ERASMUS+ Stipendium am Institut für Allgemeine und Estnische Sprachwissenschaft der Universität Tartu in Estland zu verbringen. Aus dem ursprünglich geplanten Semesteraufenthalt wurde dann ein ganzes Studienjahr, da ich die Möglichkeit der Verlängerung wahrnahm, um noch das Sommersemester 2018 anzuhängen. Allein schon die Verlängerung an sich zeigt, dass es mir in Tartu sehr gut gefallen hat, darüber hinaus war der Studienaufenthalt fachlich noch sehr interessant und nützlich. An dieser Stelle versuche ich einen Teil meiner Eindrücke und Erinnerungen an das Studienjahr wiederzugeben. Dies ist zwangsläufig sehr subjektiv und kann nur eine Auswahl sein, der Versuch einer vollständigen Darstellung würde auch den Rahmen eines Blogartikels sprengen. Sollten noch Fragen offenbleiben, bin ich natürlich bereit diese zu beantworten (christian.pischloeger [ätt] gmail.com).

Ich habe das Studienjahr 2017/18 in Tartu sehr genossen und es war sowohl persönlich als auch fachlich eine echte Bereicherung. Auf jeden Fall kann ich jedem und jeder – besonders aber Studierenden der Finnougristik – nur empfehlen die Möglichkeit mit ERASMUS nach Tartu zu gehen zu nutzen.

Persönlich danken möchte ich Johanna Laakso und Márta Csire (Abteilung für Finnougristik, Universität Wien), Tõnu Seilenthal und Gerson Klumpp (Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft, Universität Tartu) sowie Elo-Hanna Seljamaa (Abteilung für Estnische und vergleichende Folkloristik, Universität Tartu). Ebenso danke ich den Internationalen ERASMUS-Büros in Wien und Tartu.

Semesterbeginn

Zu Beginn des Semesters gibt es drei Tage lang einführende Informationsveranstaltungen für ERASMUS Stipendiaten aus dem Ausland, bei denen man Wissenswertes über Studium, Freizeit und die erfreulicherweise sehr schlank gehaltene Bürokratie erfahren kann. Empfehlenswert ist eine möglichst rasche Anmeldung für Veranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl, wie z.B. die Vorstellung des Sportzentrums der Uni. Die habe ich leider versäumt, da kein Platz mehr frei war. Im Prinzip erfährt man in diesen drei Tagen alles, was für einen erfolgreichen Studienaufenthalt notwendig ist. Es sei noch einmal betont, dass die Bürokratie keine große Hürde darstellt, so dass man sich ganz auf das Studium, auf Tartu und seinen Aufenthalt in Estland konzentrieren kann.

Während der dreitägigen Infoveranstaltungen zu Semesterbeginn gibt es auch eine humorvolle Präsentation einer Polizistin, die über die Dos und Don’ts in Estland aufklärt (Bild zum Vergrößern anklicken).

Das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft

Das Lehrveranstaltungs-Angebot am Institut ist sehr vielfältig und die Lehre hat neben der Forschung einen sehr hohen Stellenwert in Tartu. Man muss schon aufpassen, um nicht zu viele Stunden bzw. ECTS zu kumulieren. Am Ende waren es in meinem Fall 72 ECTS (nur die positiv absolvierten LVs, die nicht abgeschlossen sind nicht mitgezählt), die sich allerdings auch aus Lehrveranstaltungen anderer Institute zusammengesetzt haben. Besonders hervorheben möchte ich hierbei das Institut für Kulturanthroplogie (Institute of Cultural Research), in dem ich sehr viel für meine Dissertation (und für zukünftige Projekte), v.a. über Feldforschung, Methodik und Forschungsethik, gelernt habe.

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Im Rahmen des zweisemestrigen Mansischkurses bei Prof. Gerson Klumpp gab es im Sommersemester eine Woche Intensivkurs mit Prof. Elena Skribnik, LMU München und der mansischen Muttersprachlerin Tatjana Merova, Chanty-Mansijsk (Bild zum Vergrößern anklicken).

Quantitative Methoden und Digital Humanities haben einen großen Stellenwert in Tartu. Hier führt Leandro Ezequiel Koile, ehemals Max-Plank-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Gastlektor in Tartu im Sommersemester 2018, Geisteswissenschaftler in Statistik und R/RStudio ein (Bild zum Vergrößern anklicken).

Neben den „regulären“ Lehrveranstaltungen aus dem Vorlesungsverzeichnis gibt es noch zahlreiche Gastvorträge sowie Winter- und Sommerschulen (z.B. Sprachwissenschaft, Digital Humanities, Narratologie, Anthropologie etc.), bei denen sich die Teilnahme lohnt (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Einwöchiger Workshop „Topics in areal typology (with emphasis on northwestern Eurasia)“ mit Johanna Nichols (Bild zum Vergrößern anklicken).

Das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft, in dessen Rahmen auch das Fach Finnougristik fällt, hat eine lange Geschichte und viele hervorragende Wissenschaftler hervorgebracht und angelockt. Einer davon ist Johannes Voldemar Veski, dessen Büste sich bei ebendiesem Institut im vierten Stock des Gebäudes auf der Jakobi 2. befindet. Je nach Anlass und Saison wird Veski z.B. ein Schal verpasst oder wie in diesem Fall ein Apfel in die Hand gedrückt.

Die Büste von Johann Voldemar Veski vor dem Institut für Finnougristik wird von den Studierenden aus verschiedenen Anlässen dekoriert (Bild zum Vergrößern anklicken).

Estnisch und Estnischunterricht

Das Lehrangebot für Estnisch ist riesig und der Unterricht ist äußerst professionell. Es gibt für alle Niveaus (von A1 bis C2) und Intensitätsstufen Kurse – von zwei Mal zwei akademische Stunden in der Woche bis zehn Wochenstunden und mehr, nach oben hin gibt es fast keine Grenzen. Unterrichtssprache ist entweder Englisch oder Russisch, für Fortgeschrittene natürlich Estnisch. In den Kursen wird einiges verlangt, der Zeitaufwand ist nicht gering, die Progression ist schnell und auch die (Zwischen- und End)Prüfungen sind keine Geschenke. Es gibt sicher leichter zu erlernende Sprachen als Estnisch, aber Esten sind – nicht nur im akademischen Umfeld – in der Regel sehr geduldig und hilfsbereit, wenn man versucht Estnisch zu sprechen. Sollte es einmal mit der Verständigung nicht mehr klappen, kann man auf Englisch oder auch manchmal auf Russisch ausweichen. Es gibt Studierende in Mastersprogrammen oder Lehrende, die sich bereits mehrere Jahre in Tartu aufhalten, aber noch immer nicht Estnisch können. Das finde ich persönlich zwar schade, zeigt aber, dass man in der internationalen Studentenstadt Tartu auch nur mit Englisch durchkommt. In ganz Estland wird übrigens überwiegend Standardestnisch mit wenig Variationen gesprochen, das macht die Sache leichter als in englisch- oder deutschsprachigen Ländern, da die Sprache, die man auf der Uni lernt, auch die Sprache ist, die man in der Wirklichkeit vorfindet.

Der Estnischunterricht ist sehr professionell, das Angebot an Kursen ist reichhältig und bietet – vom Anfänger bis zum Profi – jedem etwas. Die Anforderungen sind hoch, aber Estnischlernen in Tartu macht Spaß (Bild zum Vergrößern anklicken).

Setoland und Setosprache

Die estnische Standardsprache, die heutzutage in Estland überall gesprochen wird – was die Verständigung für Estnischlernende erheblich erleichtert -, basiert im wesentlichen auf Dialekten im Norden Estlands, also dort wo sich auch die Haupstadt Tallinn befindet. Tartu liegt in Süd(ost)-Estland, wo historisch abweichende Dialekte gesprochen wurden und zum Teil noch werden. Besonders in Võrumaa und Setomaa, die sich beide nicht weit von Tartu befinden, gibt es Bestrebungen diese Varianten zu erhalten bzw. zu einer Standardsprache auszubauen und man kann das auch manchmal z.B. auf Aufschriften finden. Die Aufnahme stammt aus Obinitsa, das 2015 finnougrische Kulturhauptstadt war und bis heute Zentrum von Veranstaltungen mit uralischen Themenscdauerndehwerpunkten ist.

Eine Aufschrift auf Estnisch, Seto und Englisch im Dorf Obinitsa, das 2015 finnougrische Kulturhauptstadt war und auch heute noch Schauplatz vieler Veranstaltungen mit ural(ist)ischem Hintergrund ist (Bild zum Vergrößern anklicken).

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In Obinitsa wurde 2018 das marische Dorf Šorunža zur finnougrischen Kulturhauptstadt 2019 gekürt. Im Bild die Präsenation der ungarischen Stadt Zirc, Geburtsort von Antal Reguly, einem Pionier der Finnougristik (Bild zum Vergrößern anklicken).

Uralische Sprachverwandte in Estland

In Tartu und Tallinn gibt es relativ große uralische, meist gut organisierte Diasporen (z.B. Udmurten, Maris), die v.a. zum Studium nach Estland  gekommen sind, zum Teil auch nach dem Studium in Estland geblieben sind und immer wieder Konzerte, Lesungen etc. veranstalten.

Nikolaj Anisimov und Maria Korepanova aus Udmurtien bei einem konzertanten Auftritt mit einem estnischen Künstler im Estnischen National Museum (ERM, s.u.). Kontakte mit uralischen Sprachverwandten aus Russland sind in Wien Seltenheit, in Estland fast die Regel (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Stand der Maris in Estland am alljährlichen Ethnojahrmarkt im historischen Stadtzentrum von Tallinn (Bild zum Vergrößern anklicken).

Essen und Trinken

Tartu ist eine Studentenstadt und das spiegelt sich auch im Essensangebot wieder. Fast überall wird ein relativ preiswertes Mittagsmenü um die 3,5-5€ angeboten, das oft aus Schweinefleisch und Erdäpfeln in allen Variationen besteht. Es gibt aber natürlich auch internationale Küche (indisch, chinesisch, armenisch, georgisch etc.), vegetarische und sogar vegane Mittagsmenüs, so dass jede/r für sich etwas passendes finden kann. Getränke können zum Menü mitbestellt werden, das ist aber kein Muss und wird meistens auch nicht erwartet. Mit Studentenausweis (empfehlenswert zu Semesterbeginn ausstellen zu lassen!) gibt es oft auch noch Rabatte.

Preiswerte Mittagsmenüs, nicht nur für Studierende, gibt es in Tartu fast überall. Mit 3,5-5€ ist man dabei (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Im ganzen Baltikum, so auch in Estland, gibt es fast überall – in Restaurants, Raststätten etc. – eine preiswerte Suppe, deren Name „Seljanka“ auf ihren russischen Ursprung hinweist. Anders als die russische „Soljanka“ ist die estnische (bzw. baltische) Variante aber dicker und kann so durchaus auch als Hauptmahlzeit dienen. Das Getränk auf dem Foto ist nicht Bier, sondern alkoholfreier Kwass (estn. Kali). Die Aufnahme stammt von einer Raststation in Lettland, könnte aber überall in Estland aufgenommen worden sein (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Gute Nachricht für Biertrinker: Estland verfügt über zwei große Brauereien, die durchaus anständiges Bier herstellen. Eine ist in der Hauptstadt Tallinn, die andere in Tartu, wo ich auch an einer Führung teilgenommen habe (s. Selfie aus der Brauerei). Neben estnischem und internationalem Bier gibt es sogar österreichische Weine in Tartu, die zwar nicht billig, aber von guter Qualität sind (Bild zum Vergrößern anblicken).

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Im Museum der Brauerei findet man auch historische Zeugnisse des dreisprachigen Estlands. In gewisser Weise gilt das noch heute, allerdings hat das Englische die Position des Deutschen übernommen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Café Werner

Gegründet wurde das Kaffeehaus 1895 von Johann Werner, der meines Wissens aus Wien stammt (ich lege dafür mein Hand nicht ins Feuer, ich habe die Geschichte im Radio auf Estnisch gehört) und man kommt kaum an ihm vorbei, wenn man in Tartu studiert. Es liegt gegenüber dem Institut für Kulturanthropologie und ca. 50m von Jakobi 2 bzw. Lossi 3, wo sich auch das Institut für Estnische und Allgemeine Sprachwissenschaft mit der Finnougristik befindet. Es ist nicht billig – um nicht zu sagen ganz schön teuer -, die Qualität spricht aber für sich und das Angebot weist auch eine gewisse Innovativität auf. Geheimtipp: zum Frühstück gibt es Haferbrei für wenig Geld.

Das Café Werner setzt nicht nur auf Qualität, sondern auch auf Innovativität, hier z.B. eine Tortenkreation aus Sprotten (estn. „kilu“) und Ei (Bild zum Vergrößern anklicken).

Der „Saatse-Stiefel“ und Russland

Der „Saatse-Stiefel“ ist ein Kuriosum: eigentlich russländisches Hoheitsgebiet, das nach Estland hineinragt, braucht man dennoch kein Visum, um ihn zu passieren (man darf aber weder anhalten, noch aussteigen). Aber selbst wenn man z.B. ins nahe Sankt Petersburg fahren will, bekommt man auch als Österreicher relativ leicht, schnell und unbürokratisch ein Visum ohne sich z.B. um eine Einladung oder Versicherung kümmern zu müssen. Das erledigt alles entweder eines der spezialisierten Reisebüros oder das Visazentrum in der Ülikooli 2a.

Ohne Visum durch Russland, der Stiefel bei Saatse macht es möglich. Aber auch sonst kommt man in Estland relativ leicht zu einem Visum, will man z.B. das nahe Sankt Petersburg besuchen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Museen

Estland ist ein Land der Museen, stellvertretend soll hier das Estnische Nationale Museum (ERM) genannt werden. Eine große Rolle im ERM spielen die uralischen Sprachverwandten in Russland, denen eine ständige Ausstellung namens „Echo des Urals“ gewidmet ist. Die andere ständige Ausstellung „Encounters“ beschäftigt sich mit der Geschichte Estlands von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Daneben gibt es auch temporäre Ausstellungen und immer wieder Veranstaltungen wie Lesungen, Tanzvorführungen (z.B. von Uraliern oder den baltischen Nachbarn), Theaterstücke, Filmfestivals etc.

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„Echo des Urals“ ist eine ständige Ausstellung, die den uralischen Sprachverwandten der Esten in Russland gewidmet ist (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Die ständige Ausstellung „Encounters“ ist der Geschichte Estlands von der Urgeschichte bis jetzt gewidmet. Besonders viel Aufmerksamkeit wurde dabei der Darstellung des Alltags gewidmet (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Udmurtische (Ethno)Modeschau im Estnischen Nationalmuseum (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Das Filmfestival „Tartu World Film Festival“ im Estnischen Nationalmuseum ist ganz der visuellen Anthropologie gewidmet, wobei auch Dokus über uralische Völker dabei sind (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Ein szenische Darstellung des Romans „Die sieben Brüder“ des finnischen Schriftstellers Aleksis Kivi in Form eines Theaterstückes im ERM.

Freizeit – Schwimmbad „Aura Veekeskus“

Für Leute, die schwimmen und nicht plantschen wollen, sehr gut geeignet, da immer Leinen gespannt sind und man eigentlich immer eine Bahn findet, um seine Runden zu ziehen. An den Bahnen kann man übrigens sehen, ob Ferienzeit ist (Leinen der Länge nach gespannt, also 50m Bahnen) oder ob gerade das Semester läuft (Leinen quere gespannt, als 25m Bahnen). Die gute Sauna ist im Preis inbegriffen. Der Preis für das Schwimmbad ist relativ hoch und leider gibt es keine Monats- oder Jahreskarten. Mit Studentenausweis (der überhaupt empfehlenswert und altersunabhängig ist, es sei noch einmal erwähnt!) gibt es allerdings eine Ermäßigung. Außerdem verfügt das Wasserzentrum über einen Spa-Bereich, den ich allerdings nicht benutzt habe. Sollte im Wasserzentrum gerade ein Wettkampf stattfinden, gibt es die Möglichkeit auf das Arena-Bad in der Nähe der Universität der Umweltwissenschaften („Maaülikool“) auszuweichen.

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Das Aura-Wasserzentrum (Aura-Veeskeskus) bietet Schwimmern in der unterrichtslosen Zeit 50m-Bahnen und während des Semesters 25m-Bahnen. Die Sauna ist natürlich im Preis inbegriffen (Bild zum Vergrößern anklicken).

Anstelle eines Résumés noch ein paar Bilder

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Das Jahr 2018 war sowohl für Estland als auch für Finnland ein Jahr der Feiern zum 100. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit (die sich im Fall Estlands nicht ohne Unterbrechungen gestaltete) (Bild zum Vergrößern anklicken).

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In Tartu und ganz Estland gibt es im Winter Schneegarantie. Zeitweilig fürchtete ich sogar um mein Auto, aber man bekommt auch winterfesten Diesel bis zu -35° (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Aber besser als mit dem Auto ist man in Tartu mit dem Fahrad unterwegs. Auch zu Fuß kann man die meisten Ziele gut erreichen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind billig, sofern man einen Studentenausweis hat (der altersunabhängig ist! Es reicht die Inskription an einer Uni) (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Wochenendausflug nach Šiauliai in Litauen. Konzert der legendären russischen Rockgruppe „Маšina vremeni“ (Zeitmaschine), das auch Fans aus Westeuropa angelockt hat (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Sport wird in Tartu großgeschrieben, hier ein Rollski-Wetbewerb in der Nähe der Estnischen Universität der Umweltwissenschaften (Eesti Maaülikool), in deren Studentenheim ich untergebracht war. Standardmäßige Unterkunft für ERASMUS-Studierende unter einem Jahr wäre eigtl. Raatuse 22, aber u.a., weil ich nicht ausschließlich Englisch kommunizieren wollte, habe ich diese Alternative gewählt (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Tartu ist eine ruhige Stadt, die von der Universität und ihren Studierenden geprägt ist. Hier kann man sich ganz dem Studium und der Forschung widmen (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Auch das Kunsthandwerk hat in Estland großen Stellenwert. Hier ein Museum für gestrickte Handschuhe in der Nähe von Viljandi, wo sich die Kunstakademie – eine Außenstelle der Universtät Tart – befindet. Eine Mitarbeiterin der Akademie hat sogar einen Zweitstudienabschluss in Semiotik über die tratitionellen Strickmuster abgeschlossen.

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Bis auf die Städte ist Estland nur dünn besiedelt, es gibt viel mehr oder weniger vom Menschen unbeeinflusste Natur. Hier eine Moorwanderung in der Nähe von Tartu (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Der Peipsi-See unweit von Tartu ist der fünftgrößte See Europas und bildet die Grenze zu Russland. Von Tartu kann man mit einem Boot über den Emajõgi auf die größte von mehreren Inseln, Piirissaar, fahren.

 

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Ein Bild, das sich mir täglich geboten hat, wenn ich morgens entlang des Emajõgi (dt. Embach) mit dem Fahrrad ins Schwimmbad mit anschließender Sauna gefahren bin. Nur, dass es im Winter noch dunkel war (Bild zum Vergrößern anklicken).

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Passend zum Zeitpunkt des Postings noch ein Bild des Hauptplatzes („Raekoja plats“, eigtl. Rathausplatz) zur Weihnachtszeit (Bild zum Vergrößern anklicken).

Workshop „Prágai magyar emlékek nyomában“ in Prag

6.11.2017 bis 11.11.2017

im Rahmen des CENTRAL-Projektes  „Ungarische Sprache, Kultur und Landeskunde im mitteleuropäischen Kontext“

Im November 2017 fand der Workshop „Prágai magyar emlékek nyomában“ im Rahmen des CENTRAL-Projektes „Ungarische Sprache, Kultur und Landeskunde im mitteleuropäischen Kontext“ statt. Die Teilnehmenden kamen von der Berliner Humboldt-Universität, von der Budapester Eötvös-Lorand-Universität sowie von der Universität Wien. Ausgerichtet wurde der Workshop durch die Prager Karlsuniversität in Person von Simona Kolmanová, der dortigen Lehrstuhlinhaberin für mitteleuropäische Studien. Der Workshop verfolgte das Ziel, sich gemeinsam auf Spurensuche nach ungarischen kulturhistorischen Einflüssen in Prag zu begeben und die Stadt kennenzulernen.

Nach der Ankunft am Prager Hauptbahnhof fuhren wir in den Nordwesten der Stadt, um im 6. Bezirk unsere Unterkunft für die kommenden Tage zu beziehen. Am Abend fand in einem Restaurant in Smíchov ein erstes Kennenlernen der Teilnehmenden des Workshops statt. Der Dienstag war dann der erste Tag mit einem vollen Programm. Am Morgen wurden wir durch die Direktorin Gertrud Kelemen zu einem Frühstück im Balassi Institut, dem ungarischen Kulturinstitut von Prag, empfangen. Nach einer Präsentation der Aufgaben des Instituts, war die erste Station unserer Stadtspaziergänge das Karolinum, der einzigartige Gebäudeblock der Prager Karlsuniversität, dessen erste Gebäude bereits 1383 errichtet wurden. Heute erscheint das Gebäude vorwiegend im barocken Stil, nachdem das Gebäude 1718 und zuletzt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umgebaut worden war. Ein Höhepunkt war hier die Besichtigung der Aula Magna, welches jener Saal ist, in dem die Diplome der Absolventen und Absolventinnen verliehen werden.

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Am Abend nahmen wir an einer Besichtigung des ungarischen Kulturinstituts teil, wo wir bereits am Morgen zu Gast waren. Im Fokus stand hierbei die öffentlich zugängliche Bücherei des Instituts sowie die Erinnerungsausstellung „Hajnalodik“ (auf Deutsch „Dämmern“) des Zeichenkünstlers Zsolt Czakó, der das Ziel hatte, Erinnerungen an den Volksaufstand von 1956 durch die künstlerische Bearbeitung und die graphische Neuinterpretation wieder zu beleben. Der letzte Programmpunkt des Tages war das Ansehen des Theaterstücks „Virágeső”, ebenfalls im Kulturinstitut.

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Das Stück zeigte verschiedene Episoden aus der Beziehung eines Schauspielerpaares aus dem historischen Oberungarn, welches sich heute zum Großteil in der Slowakei befindet, über einen Zeitraum von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Gezeigt wurden ihre Erfahrungen mit der Freiheit, und deren Einschränkung in der Ära des Kommunismus. Immer war die Frage präsent, welchen Einfluss die sozialistische Regierung auf die kulturelle Freiheit ausübte, insbesondere auf die in der Tschechoslowakei lebende ungarische Minderheit. Vorkörpert wurde der Hauptdarsteller durch Mátyás Dráfi, der selbst als Mitglied der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei geboren wurde und dessen biographische Erlebnisse in das Theaterstück des Regisseuren Pál Csáky eingeflossen sind. Der Abend war sehr geeignet, darüber nachzudenken, wie es sich das Leben der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei während des Kommunismus entwickelt hat.

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Am Mittwoch war der Treffpunkt um 9:30 Uhr vor dem Rudolfinum. Von dort aus führte uns Annamária Péntek bis zur Altstadt und zeigte uns ungarische Spuren in Prag. Wir besuchten das älteste Rathaus der Stadt. Das Rathaus wurde ab 1338 gebaut. Wir haben uns diverse Räume im Gebäude angesehen. Diese waren die alte Ratshalle, der Jiřík-Saal, der Brožík-Saal und der Kreuzgang. Wir besichtigten des weiteren die philosophische Fakultät der Karls-Universität, den alten jüdischen Friedhof, das jüdische Rathaus, die altneue Synagoge, den Altstadtplatz und die astronomische Uhr von Prag. Das Uhrwerk dieser Uhr stammt aus dem Jahr 1410.

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Nach dem Stadtrundgang aßen wir alle zusammen in einem typisch tschechischen Restaurant zu Mittag. Danach gingen wir auf unsere Zimmer zurück und machten uns für den Besuch bei der ungarischen Botschaft fertig.

Am Nachmittag wurden wir vom ungarischen Botschafter in der Botschaft empfangen. Neben Kaffee, Tee und Kuchen durften wir dem Botschafter Fragen stellen. Eine Diskussionsrunde begann, in der unter anderem die aktuelle Situation von ungarischen Minderheiten im Ausland diskutiert wurde. Vom Botschafter erfuhren wir, dass es für Ungarn sehr wichtig sei, diese Minderheiten zu schützen und aufrecht zu erhalten.

Nach diesem informationsreichen Nachmittag starteten wir direkt von der ungarischen Botschaft mit Jan Geier, einem Prager Studenten, der freundlicherweise die Stadtführung übernommen hat, in das Burgviertel von Prag. Im Burgviertel besichtigten wir unter anderem die Prager Burg. In der Burg sahen wir die Statue der kämpfenden Titanen, den St. Veit-Dom, den alten königlichen Palast und das St. Georg Kloster. Des weiteren besichtigten wir noch das Ministerium für äußere Angelegenheiten, welches der Schauplatz des dritten Prager Fenstersturzes im Jahr 1948 war. Das Kloster Strahov und die dortige Liegewiese, von wo man einen guten Blick auf die Stadt hat, besuchten wir auch. Außerdem sahen wir den Hradčany Platz und die Statue von Tomáš Garrigue Masaryk.

Von dort aus ließen wir den Abend in einem Restaurant ausklingen. Im Restaurant haben wir sehr gut gegessen und getrunken und gingen anschließend in unsere Unterkunft zurück.

 

Am Donnerstag machten wir eine Stadtführung durch die Prager Altstadt. Die Führung begann beim Treffpunkt Malostranské námesti. Von dort ging es zum Kleinseitner Brückenturm, zur Karlsbrücke und zum Altstädter Brückenturm. Anschließend besuchten wir die Kirche von St. Franz von Assisi. Von der Kirche ging es zum Klementinum, zum Bedricha Smetana Museum und zum Krannerova Kasna. Dann war es auch schon wieder Mittag und wir gingen in ein Restaurant Mittagessen.

Am Nachmittag setzten wir die Stadtführung in der Neustadt fort. Die Führung begann mit einem Besuch beim Nationaltheater und beim Nationalpalast. Anschließend sahen wir kurz das Café Louvre und besuchten danach den Innenhof des Platýz Palast. Die Stadtführung endete mit dem Besuch der Franz-Kafka-Statue. Am Abend gingen wir wieder in einem Restaurant essen. Wir saßen noch einige Zeit im Restaurant und haben uns gut unterhalten. Danach ging es wieder zurück in die Unterkunft.

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Am Freitagmorgen hat Prag nach dem Aufstehen auf uns gewartet, um noch genauer entdeckt zu werden. Wir starteten unseren Stadtrundgang von einem Restaurant aus, wo wir am vorigen Tag den Abend zusammen mit Lust und Laune verbracht haben. Zuerst sind wir nach Vyšehrad gegangen und dort haben wir mit der Hilfe von Jan Sehenswürdigkeiten angeschaut, unter anderem den Friedhof, die Kirche St. Peter und Paul, die Rotunde St. Martins und das Chotek-Tor. Die Aussicht und die

Geschichten, die Jan uns erzählt hatte, haben uns wirklich einen Überblick über die Geschichte der Altstadt verschafft. Nachdem wir damit fertig geworden sind, haben wir zusammen einen Ort gesucht, wo wir essen konnten. Schließlich ist es uns gelungen, und wir haben gegessen. Schon war es Nachmittag und wir hatten noch viel vor uns.

Unser nächstes Ziel war die Karls-Universität, wo wir uns zusammengesetzt haben, und über unsere Erlebnisse diskutiert haben. Während dessen ist noch die Zukunft des Projektes ins Gespräch gekommen. Viele der Teilnehmende versuchten ihre Ideen beizusteuern, um die Weiterführung dieses Projektes mit neuen Inhalten auch in Zukunft zu ermöglichen. Den letzten Abend haben wir in einem Lokal verbracht, wo wir die guten Erinnerungen der Woche wieder besprochen haben. Man konnte fühlen, dass die Gruppe sich mit der Zeit näher gekommen ist. Mit guter Laune haben wir uns bis in die Nacht hinein unterhalten. So ist für uns eine wunderschöne Zeit zu Ende gegangen, die wir nie vergessen werden.

Nachdem wir unseren letzten Abend zusammen verbracht haben, ist am Samstag die Zeit gekommen, um die Erfahrungen nach Hause zu bringen. In der Früh haben wir unsere Sachen zusammengeräumt, danach noch schnell Souvenirs gekauft, und am Nachmittag ist unser Zug von Prag nach Wien abgefahren. Wir möchten uns hier noch einmal im Namen der Universität Wien dafür bedanken, dass die Kollegen in Prag für uns so eine schöne Woche veranstaltet haben.

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A very exciting evening for all book lovers at the Finno-Ugric department of Uni Wien

Written by our student Theodora Rouseva

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I became familiar with the title of Ilmar Taska’s novel Pobeda 1946 last April, after the biggest Finnish daily newspaper Helsingin Sanomat listed his work among the most remarkable books of the year. Since then, I have been following the growing elation of his readers on social media. That was why the ad about the book presentation featuring Mr. Taska as a special guest was a very pleasant surprise for me.

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The event took place on 9th November at the Finno-Ugric department of Universität Wien. It was organized by the Estonian Embassy in Austria, the Kommode Verlag publishing house and the Universität Wien. Its aim was to launch the novel’s German translation as well as to introduce Mr. Taska to Viennese audience. Other important guests included the ambassador of Estonia in Austria, Rein Oidekivi, and the editor of Kommode Verlag, Annette Berger. The event was hosted by Triinu Viilukas, a lecturer of Estonian language at Universität Wien.

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Ilmar Taska is a writer, film and theater director, screenwriter and producer. He is also well- known for establishing the first private Estonian TV-channel, “channel 2” in the beginning of the 90s. Taska was born in the city of Kirov, then the USSR (present day Russia). His family was deported from Estonia during Stalin’s repressions. He went to the Moscow Film Institute (VGIK) and then studied at the Swedish Film Institute (Dramatiska Institutet) in Stockholm. He was granted a scholarship and furthered his studies in Hollywood, where he worked as a screenwriter and a producer. He directed the films Set Point (2004) and Thy Kingdom Come (2010), co-wrote and produced the film Back in the USSR (1992) and produced the films Candles in the Dark (1993) and Out of the Cold (1999). He has also directed plays in London (Power of Love, 2010), Los Angeles (Lavender Love, 2011) and Tallinn (One Summer Night in Sweden, 2012).

A book of Ilmar Taska’s short stories and his autobiographical novella Better than Life (Est. Parem kui elu, EPL Kirjastus, Tallinn) was published in Estonia in 2011. In 2016, his novel Pobeda 1946 (russ. победа ‘victory’, English title A Car Called Victory), based on a short story he wrote a few years earlier with the title Pobeda, became a bestseller and was praised by the critics. The German version was published this year by Kommode Verlag.

The evening was very pleasant and inspiring. Ilmar Taska shared some interesting facts about the novel’s main idea and characters, the process of writing and the research he did on historical events. He also shared some childhood memories, talked about his family, and explained how his background had influenced his work both in writing and filmmaking. He paid special attention to every question asked, which was deeply appreciated by the audience.

I found the presentation very stimulating and my curiosity about the novel grew so big, that I began reading the book once I got home. I was immediately immersed in the world seen through the little boy’s eyes. The story consists of skillfully described scenes, where named and anonymous characters are adapting to the new regime in Estonia after World War II. Their most personal thoughts give the reader a possibility to get familiar with their values, feelings and morality before judging them. There are many situations, which raise very strong ethical questions. The story is so thrilling to read, because it reveals how the border between good and evil, friends and family, seems to blend, whereas the new circumstances recreate new borders not only on the map, but also in peoples’ minds.

Regisseur Árpád Schilling an der Finno-Ugristik

Am 20. November 2017 war Árpád Schilling zu Gast an der Finno-Ugristik.

Árpád Schilling ist in erster Linie als Theaterregisseur bekannt. Er erhielt in den vergangenen Jahren im verschiedenen europäischen Ländern hochangesehene Preise und hat mit seinen Arbeiten internationale Aufmerksamkeit geweckt. In Österreich ist er auch nicht unbekannt: im Jahre 2005 und im Mai 2017 inszenierte er am Burgtheater, im Dezember 2017 feiert er eine Premiere am Landestheater Sankt Pölten.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Schilling auch ein politischer Aktivist, verteidigt demokratische und liberale Werte, und übt eine scharfe Kritik an Viktor Orbáns Politik.

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In seinem Gastvortrag hat Árpád Schilling einen Überblick über die ungarische Kulturpolitik von der Wende bis heute gegeben.

Schilling hat in seiner sehr logisch begründeten Analyse erzählt, wie die politische Elite in Ungarn die wirtschaftlichen Mittel und dadurch auch die Macht enteignet und eine eigenartig interpretierte „Demokratie“ geschaffen hat. Aus dieser Demokratie wurden nur gerade diejenige ausgegrenzt, ohne die eine Demokratie nie existieren kann, nämlich die einzelnen Menschen, also das Volk. Dafür trägt die politische Elite die Verantwortung. Orbáns Regierung hat das Volk unter eine Vormundschaft gestellt, und hat den Menschen das Gefühl gegeben, dass die Regierung an ihrer statt alle Probleme lösen wird. Zwischen Individuen und Politikern gibt es keine Verbindung mehr, die Menschen verstehen nicht, warum und wie Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. In dem System, das Viktor Orbán geschaffen hat, kann man nicht über Kultur, sondern nur über Interessen reden, die alles beherrschen. Das ist ein Zustand ohne Kultur, oder in der Interpretation von Orbán ist das die Demokratie, so Schilling. Was in dieser Situation die Theaterwelt betrifft: Die staatlichen Theater sind eigentlich Teil dieses Systems. Die unabhängigen Bühnen kämpfen dafür, am Leben bleiben zu können und bekommen keine staatlichen Finanzierungsmittel. Das Schlüsselwort des Vortrages „Entropie“ definiert Schilling im Verbindung mit Kultur als einem geschlossenen System, in dem die Kultur sich selbst liquidiert, vernichtet.

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Dem Vortrag folgte eine intensive Diskussion mit zahlreichen Fragen und Kommentaren.

Der Vortrag selbst hatte keinen optimistischen Ausklang, aber das Thema und der Vortragende selbst haben das Publikum davon überzeugt, dass diese Problematik offen diskutiert werden muss.

Wir bedanken uns bei Árpád Schilling für seine Ausführungen und bei Károly Kókai für das hervorragende Dolmetschen.

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